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Deutscher Botschafter in Ankara ist seit knapp zwei Monaten kaltgestellt

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  • Seit knapp zwei Monaten redet die türkische Regierung nicht mit dem deutschen Botschafter in Ankara
  • Grund ist die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages vom 2. Juni
  • Dieses Kommunikationsverbot ist offenbar von höchster Ebene angeordnet
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, hat es nicht leicht. Erst wurde er im Frühjahr regelmäßig von der türkischen Regierung einbestellt - unter anderem wegen einer Satire in der NDR-Sendung "Extra3".

Und nun kommt heraus, dass er seit knapp zwei Monaten von Ankara kaltgestellt ist. Seit der Bundestag dieVölkermord-Resolution zu den Massakern an den Armeniern verabschiedet hat, empfängt die türkische Regierung Erdmann in Ankara nicht mehr.

Ankara beantwortet Anfragen seit der Armenien-Resulution nicht mehr

Erdmann bekomme seit dem Bundestagsbeschluss am 2. Juni keine Termine im Außenministerium oder in anderen Regierungsstellen mehr, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Ankara. Anfragen würden nicht beantwortet.

Deutsche Diplomaten unterhalb der Botschafterebene erhielten zwar gelegentlich noch Termine. Außenminister Mevlüt Cavusoglu persönlich müsse aber jedes einzelne Treffen billigen. Dieses Kommunikationsverbot scheint somit von höchster Ebene angeordnet und kontrolliert.

Das Verhalten der türkischen Regierung ist ein diplomatischer Affront und kommt einer Ausweisung des Botschafters gleich - ohne die gleichen diplomatischen Verwerfunden auszulösen. Offenbar will die Türkei erreichen, dass Berlin Erdmann durch einen Botschafter ersetzt, der die Einschränkung der Grundrechte in der Türkei weniger offen kritisiert.

Die Armenier-Resolution hat zu einem schweren Zerwürfnis zwischen Deutschland und der Türkei geführt. Die Staatsführung in Ankara kündigte einen "Aktionsplan" an. Einem Staatssekretär des Bundesverteidigungsministeriums und Parlamentariern verweigerte die türkische Regierung danach einen Besuch der Bundeswehr-Soldaten auf dem Stützpunkt Incirlik.

Eine weitere Reise von Abgeordneten des Verteidigungsausschusses nach Incirlik ist für den Herbst geplant, von der türkischen Seite bislang aber nicht genehmigt worden.

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(sk)