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Polens Chef der Nationalkonservativen macht den Deutschen eine unerwartete Wahlempfehlung

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KACZYNSKI
Polens Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski | Kacper Pempel / Reuters
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  • Polens Chef der nationalkonservativen Regierungspartei kritisierte Merkel heftig
  • Er äußerte völliges Unverständnis über Merkels Entscheidung zur Grenzöffnung
  • Doch dann machte er den Deutschen eine völlig unerwartete Wahlempfehlung

Es ist bekannt, dass der Chef der nationalkonservativen polnischen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, kein Fan von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung hat er Deutschland indirekt Vormachtstreben in der EU vorgeworfen.

Doch als er in dem Gespräch um die Bundestagswahl 2017 ging, machte er den Deutschen plötzlich eine sehr unerwartete Wahlempfehlung.

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Der Reihe nach. Kaczynski rief Deutschland zu einem fairen und partnerschaftlichen Umgang mit seinen Nachbarn auf. "Wir wollen das Recht auf Entwicklung in einem fairen Markt und dadurch eines Tages auch Deutschland bei Wohlstand und Wirtschaftskraft einholen", sagte der eigentliche starke Mann der polnischen Politik der "Bild".

"Unsere Geschichte verbindet uns nicht, sie trennt uns eher"

Ganz Europa spreche von einer Führungsrolle Deutschlands innerhalb der EU. Doch anders als etwa die USA nach dem Zweiten Weltkrieg sei Deutschland dieser Rolle einer "sanften Dominanz" nicht gewachsen, die Überlegenheit der Deutschen "reicht nicht heran an die damalige und gegenwärtige Überlegenheit der Amerikaner".

Dazu passend: An Deutschlands Grenze entsteht ein neues Russland

Der Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien erteilte er erneut eine strikte Absage. "Ich kann mir keine Situation vorstellen, in der es dazu käme", sagte Kaczynski und fügte hinzu: "Ich würde gerne von Frau Bundeskanzlerin erfahren, was sie sich dabei gedacht hat, als sie die Grenzen öffnete. Denn da lässt mich meine Vorstellungskraft im Stich."

Unter Hinweis auf den Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen 1939 sagte der Parteichef: "Unsere Geschichte verbindet uns nicht, sie trennt uns eher."

"Es wäre gut, wenn Frau Merkel wiedergewählt würde“

Zwar seien Polen und Deutsche heute durch intensive Handelsbeziehungen eng verbunden. Doch bezogen auf die Geschichte "werden unsere Völker Zeit brauchen, um Wunden zu heilen".

Das Rechtsstaatsverfahren der EU-Kommission gegen sein Land tat Kaczynski "als ein fröhliches Schaffen zum Vergnügen der EU-Kommission" ab. Zur Kritik aus Brüssel sagte er: "Es belustigt mich. Denn diese Kritik hat mit dem aktuellen Zustand unseres Landes nichts gemein."

Viel und schonungslose Kritik an Merkel also. Dennoch sprach er sich für eine weitere Amtsperiode der Kanzlerin aus. "Aus polnischer Sicht sage ich: Es wäre gut, wenn Frau Merkel wiedergewählt würde“, sagte Ex-Premier Kaczynski der "Bild"-Zeitung.

Schon sein 2010 verstorbener Zwillingsbruder Lech habe ihm stets gesagt, Angela Merkel sei "für uns Polen die beste Lösung. Und ich glaube, er hatte Recht.“

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(sk)