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Broder sieht Flüchtlinge als "Synonym für Gefahr" - und übersieht etwas Wesentliches

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BRODER HENRYK
Henryk M. Broder sieht Flüchtling als "Synonym" für "Gefahr" - doch übersieht etwas Wesentliches | ullstein bild via Getty Images
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Deutschland scheint nach den Anschlägen in Würzburg und Ansbach und dem Amoklauf in München zunehmend in Panik zu verfallen.

Der Terror sei in Deutschland angekommen, sagte etwa CSU-Chef Horst Seehofer: "In einer vollkommen neuen Dimension“. Experten versuchen dagegen zu beruhigen: Bei einem Terroranschlag umzukommen, sei in Deutschland statistisch noch immer höchst unwahrscheinlich.

Henryk M. Broder, Kolumnist der "Welt", will davon nichts wissen. "Die Chance, bei einem Verkehrsunfall umzukommen, sei viel höher. Hat man das auch den Opfern des NSU-Terrors gesagt? Oder denen der Duisburger Loveparade?", schreibt er in seinem jüngsten Kommentar.

Massive Angst droht, zu politischen Schnellschüssen zu führen

Eine Frage, die durchaus berechtigt erscheint. Und die doch etwas Wesentliches außer Acht lässt.

Denn der Reflex, relativieren und einordnen zu wollen, zu betonen, wie unwahrscheinlich es ist, Opfer eines islamistischen Anschlages zu werden, ist lediglich eine Reaktion. Eine Reaktion auf einen völlig aus dem Ruder laufenden Diskurs über die Konsequenzen aus den schrecklichen Bluttaten.

Was Broder übersieht: Nach den NSU-Morden oder den Toten bei der Love-Parade forderte niemand Menschenrechte und Verfassung außer Kraft zu setzen, wie es etwa AfD und CSU es jetzt tun, wenn sie fordern, Flüchtlinge in Krisengebiete abzuschieben, oder diese "strenger" zu bestrafen als Deutsche.

Auch damals – nach Duisburg und nach der Aufdeckung der NSU-Morde - war Trauer zu spüren. Doch Angst hatten damals wohl die Wenigsten. Das ist heute anders.

Es herrscht eine massive Angst, die droht, zu politischen Schnellschüssen zu führen.

Doch Ängste abzubauen, daran hat Broder ohnehin keinerlei Interesse. Der Kolumnist fragt zynisch: "Hatten die Täter einen terroristischen Hintergrund? Handelten sie gar im Auftrag des Islamischen Staates? Oder waren es nur "Einzeltäter", die sich, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes feststellte, "blitzschnell radikalisiert" hatten, quasi zwischen zwei Zügen an einer Wasserpfeife?"

Broder diskreditiert das Nachdenken über entscheidende Fragen als "Gutmenschendenken"

Nicht nur bedient er damit einen billigen Rassismus, er diskreditiert entscheidende Fragen als "Gutmenschendenken“.

Denn nur wenn man die Motive der Täter hinterfragt, klar differenziert zwischen tatsächlich überzeugten Islamisten und Geisteskranken, die in der IS-Ideologie eine Möglichkeit erkennen, ihre Rachefantasien gegen die Welt auszuleben – Stichwort Blitzradikalisierung – kann man erfolgreich Prävention betreiben.

Broder ist überzeugt, die Debatte dient dazu, "nicht darüber reden zu müssen, wie es so weit kommen konnte, dass ‚Flüchtling’ zum Synonym für ‚Gefahr’ werden konnte."

"Sexuelle Belästigungen in den Freibädern" gehöre ebenfalls wie "Angrapschen" mittlerweile zum Alltag, schreibt er. Aussagen, die sich von Zahlen kaum stützen lassen. Und die Broder dennoch reichen, um sarkastisch von "selbstverständlichen Kollateralschäden der Integration“ zu faseln.

In diesem platten Populismus liegt wohl die wahre Gefahr dieser Tage.

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(bp)