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Mit dieser Idee will Tesla nach Autos nun auch Häuser revolutionieren

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POWERWALL
Die Powerwall kann am oder im Haus angebracht werden. | Teslag
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  • Der Elektroautohersteller Tesla möchte bald auch Solaranlagen für Privathäuser anbieten
  • Teslas Plan könnte so das nachhaltige Wohnen revolutionieren
  • Ob die Produkte allerdings für die breite Bevölkerung erschwinglich sind, ist fraglich

Fast zehn Jahre ist es her, da veröffentlicht ein wenig beachteter Tech-Millionär auf seinem Blog einen "geheimen Masterplan": Elektroautos ohne Emissionen wolle er entwickeln. Und zwar als Fortbewegungsmittel für alle, nicht nur als Gadget für ein paar Superreiche.

Heute kennt den Namen des Entwicklers und der Firma jeder: Elon Musk und Tesla Motors.

Und wir wissen: Der "geheime Masterplan" des inzwischen 45-Jährigen war kein Hirngespinst: Die Elektroautos des Unternehmens aus dem Silicon Valley werden gefeiert wie die Vorstellung eines neuen iPhones. Bis 2018 will Tesla die Produktion seines Model 3 von 50.000 auf 500.000 Stück erhöhen.

Revolution für das Smart Home?

Jetzt, zehn Jahre später, folgt Teil zwei von Musks “Masterplan”: Tesla soll zu einem integrierten Energie-Unternehmen werden. Neben Autos will es den Batteriespeicher Tesla Powerwall (bereits auf der Markt, aber teuer) und Solarmodule an den Verbraucher bringen.

Der große Deal für diesen Umbruch wird gerade eingefädelt: Tesla steht kurz vor der Übernahme des kalifornischen Solarmodul-Herstellers SolarCity. 2,5 Milliarden Euro sollen für die hocheffiziente Solar-Technik fließen.

Aber Tesla wäre nicht Tesla, wenn sich dahinter nur eine Erweiterung des Marktsegments verbergen würde. Der neue Plan könnte eine Revolution für das Smart Home, das technische vernetzte Eigenheim, werden.

Integriertes Solardach statt Solar-Mosaik

Bei den Elektroautos schaffte Tesla diese Revolution bereits. Vor den Tesla-Limousinen waren E-Autos kein Statussymbol: teuer, zu futuristische Optik, geringe Reichweite.

Dann kamen die ersten Sportwagen von Musk auf den Markt. Und alle anderen Hersteller orientierten sich daran.

Passend zum Thema: Solarflugzeug umrundet erstmals die Erde - das bedeutet es für die Zukunft der Luftfahrt

Ähnlich ist die Ausgangslage bei der Solarenergie. Die Photovoltaikanlagen sind kein Hingucker, dazu können sich die meisten Häuslebauer das Upgrade auf dem Dach nicht leisten.

Was Musk nun vorschlägt, könnte dem Markt allerdings wieder eine ganz neue Stoßrichtung verpassen: "Ein nahtloses, flaches Solardach mit integrierter Batterie, das einfach und weltweit funktioniert – mit einer einheitlichen Installation, einem Service-Kontakt, einer Handy-App zur Steuerung."

Batteriespeicher könnte deutlich billiger werden

Damit wäre das Solardach von Tesla nicht nur eine Lösung für alle, die kein Solar-Mosaik auf dem Dach wollen. Es wäre auch ein grundlegend neuer Entwurf für die autonome Stromversorgung des Smart Home.

Als Speicher des Solarstroms soll unter anderem die Tesla Powerwall dienen. Diese kann mit allen strombetriebenen Geräten, im Haushalt vernetzt werden – von Smartphone bis zum Elektroauto. Momentan kostet die Powerwall aber noch etwa 2800 Euro.

Bis 2020 will Tesla die Kosten stark senken. Dann könnte die Powerwall unter 1000 Euro kosten.

Die integrierte Solaranlage und Powerwall sind vor allem Produkte, die zum urbanen Lebensstil der Start-Up-Generation des Silicon Valley passen. Für die breite Bevölkerung sind sie – wie auch die Autos von Tesla – noch keine brauchbare oder für den Otto-Normal-Verbraucher bezahlbare Alternative.

Nischen-Produkte für die Öko-Elite?

Deshalb stößt Teslas Plan auch auf Kritik. Die stylische Optik der Solaranlage so in den Vordergrund zu stellen, sei “eines der lächerlichsten Probleme reicher Leute”, schreibt der amerikanische Tech-Journalist Lloyd Alter.

Mit seiner Idee erreiche Musk nur ein Prozent der weltweiten Bevölkerung. Die jungen und armen Bewohner in Mehrfamilienhäuser müssen vorerst weiterhin mit einer normalen Elektrizitätsversorgung auskommen.

Nur wer ein modernes Haus habe, könne auch über das schicke Tesla-Solardach mit Batteriespeicher nachdenken. Alters Fazit: Ein Nischenprodukt für die Öko-Elite.

Bedenkt man aber, wie rapide die Preise für Solarstrom sinken, könnte sich die Annahme von Alter in den kommenden Jahren ändern. Die Kosten für Solarstrom könnten in den nächsten zehn Jahren um bis zu 59 Prozent fallen, prognostiziert eine Studie der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena).

Bewahrheitet sich dieser Trend, könnte der Solarstrom nicht nur schonend für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel werden. Und damit Teslas neue Produkte auch für die breite Bevölkerung interessant.

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(cho)