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Ehemaliger bester Freund des Amokläufers von München verfasst Nachruf

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(Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben)

Es scheint, als sei er kein Mensch mehr. Nach dem Amoklauf in München vom vergangenen Freitag fand die Presse immer neue Titel für den 18-jährigen Täter: "Amok-Killer", "München-Killer" oder "München-Mörder" zum Beispiel.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung hat ein ehemaliger Freund des Jungen auf Facebook einen Nachruf auf ihn verfasst.

"Schrecklich, wie alle von meinem ehemaligen Freund reden"

Ohne die Tat zu rechtfertigen oder zu entschuldigen möchte er dazu aufrufen, sich mit den Gründen für den Amoklauf zu beschäftigen. Er suggeriert, dass der spätere Amokläufer durch Mobbing zu einem hasserfüllten Menschen wurde.

"Ich finde es schrecklich, wie alle von meinem ehemaligen besten Freund reden, ja, ich rede vom Amokläufer", zitiert das Blatt aus dem Post.

"Alle sehen in ihm nur den Amokläufer, den Psychopath. Ich sehe meinen besten ehemaligen Freund, mit dem ich aufgewachsen bin, der bei mir übernachtet hat, der mit mir im Schwimmbad oder im Kino war. Ich kann euch nur sagen: Er war einer der nettesten und hilfsbereitesten Menschen, die ich kannte."

Er habe ihn seit der ersten Klasse gekannt. In der achten Klasse hätten sich schließlich ihre Wege getrennt. Schon damals sei er nicht mehr der Junge gewesen, der er war. Die "Bild"-Zeitung zitiert:

"Er wurde von seinen Mitschülern gemobbt, geschlagen und in aller Öffentlichkeit bloßgestellt. Von Leuten, die der Meinung waren, dass so etwas 'cool' ist und sie besser sind als er. Wenn man ihnen gesagt hatte, dass sie das sein lassen sollen, wurde man selber beleidigt oder bedroht (...) Es erschüttert mich, dass diese Mobber nun versuchen, sich herauszureden und sich sogar über den Amoklauf lustig machen."

Späterer Mörder wurde früher offenbar massiv gemobbt

In einem Bericht von Sat.1 erzählten Mitschüler, dass der Junge geschlagen oder von Mädchen gegen seinen Willen geschminkt wurde.

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Das Mobbing seiner Mitschüler habe in ihm einen Hass wachsen lassen, der immer größer wurde, schreibt der Verfasser auf Facebook. Der habe sich schließlich in eine psychische Krankheit, eine Depression verwandelt. Der Autor sagt, er habe mit dem Vater des Jungen über dessen Krankheit gesprochen. Der habe seinen Sohn psychiatrisch behandeln lassen.

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Täter soll schon lange vom Morden gesprochen haben

Der Junge habe immer wieder gesagt, dass er jemanden töten möchte. Doch niemand habe dies ernst genommen, offenbar auch nicht der ehemalige Freund. Irgendwann habe er den Kontakt zu ihm abgebrochen, weil das Gerede über Morde zu viel wurde.

Auch er selbst sei von dem Amokläufer an den Tatort gelockt worden - "sogar persönlich – nicht einmal über den Fake-Account". Er ging allerdings nicht hin. Der Attentäter hatte versucht, über ein Facebook-Konto unter falschem Namen Mitschüler und Bekannte an den Tatort, eine McDonald's-Filiale, zu locken.

"Jedoch ist es mir wichtig, dass man sich Gedanken macht, wieso derjenige das getan hat. Und in diesem Fall eine Horde von Jugendlichen einen Jungen so fertig gemacht hat ..."

Der Täter hatte am Freitagabend neun Menschen und sich selbst umgebracht. Drei der Opfer waren erst 14 Jahre alt, zwei 15, die anderen 17,19, 20 und 45 Jahre alt.

Er habe mehrere Opfer mit Kopfschüssen getötet und sich dabei vermutlich an Killerspielen orientiert, berichten Ermittler später.

Nachdem er zwei Stunden später von einer Polizeistreife gestellt wurde, schoss er sich in den Kopf.

Der ehemalige Freund kondolierte den Hinterbliebenen der Toten. Er habe Blumen abgelegt am Olympia-Einkaufszentrum, für die neun Opfer und seinen ehemaligen Freund.

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(sk)