Huffpost Germany

Liebe Sahra Wagenknecht: Ihre Asylkritik stinkt zum Himmel. Wechseln Sie endlich zur AfD!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WAGENKNECHT
Sahra Wagenknecht steht in der Kritik. | Getty Images
Drucken

Liebe Sahra Wagenknecht!

Sie haben es schon wieder getan.

Ohne Not haben Sie mit fremdenfeindlichen Stimmungen in diesem Land gespielt. Das ist widerlich. Und das alles war kein Zufall, kein Abrutschen auf der Maus, kein bewusstes Missverstehen. Sie sind Wiederholungstäterin.

Am Montag, wenige Stunden nach dem Anschlag in Ansbach - und noch bevor zweifelsfrei klar war, welche Motive der Täter hatte - schrieben Sie auf Ihrer Facebookseite:

„Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen und Zuwanderern mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges ‚Wir schaffen das‘ uns im letzten Herbst einreden wollte. Der Staat muss jetzt alles dafür tun, dass sich die Menschen in unserem Land wieder sicher fühlen können.“

An dem Statement ist so vieles falsch. Sie werfen Flüchtlinge mit Terroristen in einen Topf und erzeugen so den Eindruck, dass jeder Migrant ein potenzieller Attentäter ist. Sie stellen eine direkte Verbindung zwischen Angela Merkels „Wir schaffen das!“ und dem Anschlag in Ansbach her (was nicht nur moralisch, sondern auch sachlich falsch ist - der Täter war bereits ein Jahr vor Merkels „Willkommenskultur“ nach Deutschland gekommen).

Und was besonders unverantwortlich für eine Politikerin ist, die sich stets auf die Fahnen schreibt, die „kleinen Leute“ da sein zu wollen: Sie stacheln ganze Bevölkerungsschichten gegen die „Fremden“ auf, in dem sie die Sorgen und Ängste vor Gewalt ausnutzen.

Das ist nicht nur niederträchtig, sondern auch über alle Maße verantwortungslos.

Was hat das alles noch mit linker Politik zu tun? Mit einem egalitären Weltbild? Mit internationaler Solidarität? Mit „Refugees Welcome“?

Ihre Äußerungen haben nichts mehr mit linker Politik zu tun

Wer Ihre Partei tatsächlich noch aus „klassisch linken“ Erwägungen wählt, dem muss doch schon allein beim Gedanken an Ihre erneute Kür zur Fraktionsvorsitzenden im kommenden Jahr die Hand an der Wahlurne gefrieren.

Dass sie nun eine Stellungnahme zur Stellungnahme veröffentlicht haben, in der Sie unter anderem bestreiten, "Kritik an der Aufnahme von Flüchtlingen" geübt zu haben, kann man getrost als halbgaren Rechtfertigungsversuch abtun. Denn in den vergangenen anderthalb Jahren haben sie mit Leidenschaft gezündelt. Die Spuren sind eindeutig.

Schon seit den frühen Tagen von Pegida zeigen Sie Verständnis für die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. In einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau" sagten Sie im Januar 2015: „Es gibt eine Reihe von Leuten, die da hingehen, weil sie die herrschende Politik ablehnen, weil sie empört sind über prekäre Jobs und miese Renten. Sie haben das Gefühl, da ist endlich mal eine Protestbewegung.“

Im November vergangenen Jahres quatschten Sie dann in einem Interview mit der „Welt“ das Horrormärchen von der „Handlungsunfähigkeit“ deutscher Politik angesichts der Flüchtlingskrise nach. Bisher ist die Bundesrepublik nicht kollabiert. Von Ihnen dagegen bleiben Sätze wie diese: „Die Menschen fürchten, und zwar bei der aktuellen Politik zu Recht, dass Geringverdiener und Bezieher kleiner Renten sowie die Mittelschicht für die Flüchtlingskrise zur Kasse gebeten werden. Ich halte diese Entwicklung für gefährlich.“

Da war sogar die AfD stolz auf Sie

Nach den Silvester-Übergriffen von Köln polterten Sie im Januar diesen Jahres im Stile eines Alfred Dreggers, einem der rechtesten CDU-Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik: „Wer Gastrecht missbraucht, der hat das Gastrecht dann eben auch verwirkt."

Da war selbst AfD-Vize Alexander Gauland mächtig stolz auf Sie. Ohne Witz. „Es ist erfreulich, zu sehen, zu wie viel Realpolitik die Linken manchmal fähig sein können“, sagte der Mann, der viele Deutsche für unfähig hält, Jerome Boateng als Nachbarn zu akzeptieren.

Im März spielten Sie in einem „Welt“-Interview abermals Flüchtlinge gegen die sozial Schwächeren aus. „Merkel hat mit ihrer unkoordinierten, konzeptionslosen Politik zu sehr viel Verunsicherung und Ängsten beigetragen. Ihre Politik läuft darauf hinaus, die Kosten der Flüchtlingsintegration der Mittelschicht und den Ärmeren aufzubürden.“

Und vor einigen Tagen sagten Sie in der „Zeit“, dass die Linke bei den Landtagswahlen im Frühjahr auch deshalb verloren habe, weil sie als „Proflüchtlingspartei“ wahrgenommen worden sei.

Diese Auflistung Ihrer verbalen Fehltritte ist äußerst unvollständig.

Seien Sie konsequent, wechseln Sie die Partei

Frau Wagenknecht, Sie werden mit Ihren Äußerungen immer mehr zu einer Gefahr für Ihre eigene Partei. Nicht nur, dass Sie die Linke in den Verdacht bringen, mit den Rechtsaußen in diesem Land gemeinsame Sache machen zu wollen – Stichwort „Querfront“.

Sie sind außerdem derzeit das größte Einzelhindernis für eine rot-rot-grüne Koalition auf Bundesebene. Und es ist nur mehr als verständlich, dass sich viele Sozialdemokraten und Grüne derzeit nicht vorstellen können, mit einer Partei zu koalieren, in der es Querschläger wie Sie gibt.

Womöglich wollen Sie mit Ihren rechten Parolen ja verhindern, dass die Linke weiterhin Wähler an die AfD verliert. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war diesbezüglich tatsächlich recht bitter. Aber eine wie auch immer geartete Parteilinie vertreten Sie als Fraktionsvorsitzende im Bundestag schon lange nicht mehr.

Ich hätte da einen Lösungsvorschlag für Ihr Problem: Denken Sie die Sache konsequent zu Ende. Und überlegen Sie, ob die AfD womöglich nicht doch der bessere Ort ist, um Ihre politischen Überzeugungen umzusetzen.

Und nein, das ist keine Rhetorik.

Die Ränder des Parteienspektrums sind sich näher, als man denkt

Schon viele ehemals linke Politiker haben sich mit fortschreitendem Lebensalter plötzlich am rechten Rand des Parteienspektrums wiedergefunden. Darunter sogar waschechte Marxisten. Manche hat es sogar mit der AfD in die Landtage gespült, zum Beispiel Wolfgang Gedeon in Baden-Württemberg.

Die alte Theorie stimmt, wonach die Ränder des politischen Spektrums gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Es liegt an jedem selbst, die Grenzen zu ziehen.

Die AfD gefällt sich darin, die Revoluzzer-Sprache der 68er zu kopieren. Manche glauben gar, dass die Elitenkritik des Jahres 2016 eine Art Studentenrevolte auf Doppelherz wäre.

Die Unzufriedenheit mit „denen da oben“ hatten Sie schon lange mit der AfD gemein, Frau Wagenknecht. Mit Ihren nationalistischen Gebaggere um Wähler reißen Sie die wichtigste Brandmauer zum rechten Lager ein.

Und wenn es erstmal soweit gekommen ist, dann sind es nur noch ein paar Schritte ins andere Haus. Frauke Petry wartet schon auf Sie.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(till)