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"Dauerwahlwerbung": Heftige Kritik an ARD wegen demütigem Erdogan-Interview

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Nach dem Interview mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in der ARD hagelt es Kritik am BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb.

Denn der führte das Gespräch mit dem Präsidenten überraschend zahm (siehe Video oben).

Schon die erste Frage war bereits eine unkritische Einladung zum Schwadronieren an den Boss vom Bosporus. "War das die kritischste Situation ihrer Präsidentschaft?", fragte er Erdogan.

Der Präsident nahm die Frage als Vorlage für einen wachsweichen Monolog: "Erstmal möchte ich alles herzlich grüßen ....", begann Erdogan. So ging das Gespräch dann auch weiter.

"Demütige Moderation"

Eine Frage zu den raschen Verhaftungen nach dem Putsch leitete Gottlieb mit den Worten "Sie waren unglaublich gut vorbereitet ..." ein, als wolle er ihm gratulieren. Als es um die Massenentlassungen von Lehrern und Professoren ging, fragte er Erdogan zahm, ob er damit nicht "ein Stück Bildung" zerstöre.

Und als der Präsident mahnte "ich hoffe, es wird nichts gekürzt an dem Interview" versicherte Gottlieb ihm: "Es wird nichts gestrichen bei uns.“

Kein Wunder, dass die Presse enttäuscht reagierte. Es sei ein "Interview der nicht alltäglichen Art" gewesen, befand "Der Westen":

Der BR-Chefredakteur, so hat man den Eindruck, packt den Präsidenten ziemlich in Watte. So kann man Erdogan nicht knacken.

"Spiegel Online" dagegen ist der Meinung, dass das Interview durchaus sehenswert war, allerdings nicht wegen der kritischen Fragen:

Es lag nicht an den durchaus kritischen, am Ende aber doch höflichen, wenig nachbohrenden Fragen, die es sehenswert machten. Sondern an den surrealen Botschaften Erdogans.

Auch die "FAZ" ist der Ansicht, dass es nicht Gottlieb, sonder eher Erdogan war, der dem Zuschauer zu Einblicken verhalf.

Gottlieb vermag den türkischen Präsidenten zwar nicht ansatzweise aus der Reserve zu locken, seine Nachfragen wirken lasch, sogar gegen den Vorwurf der Desinformation verwahrt er sich nur halbherzig. Aber das Interview im Ersten zeigt doch eins: Es erbringt einen weiteren Nachweis dafür, dass Erdogan mit der Demokratie, von der er fortwährend redet, nichts mehr zu tun hat.

Während die Presse noch einigermäßen gnädig mit Gottlieb umging, ging es bei Twitter mehr zur Sache. Manche Nutzer unterstellten ihm einfach pure Angst.

Ein Nutzer glaubte, einen Wahlwerbespot gesehen zu haben.

Andere warteten vergeblich auf den Teil des Interviews mit den kritischen Fragen - der nicht kam.

Manche dachten schon über Alternativen für das nächste Erdogan-Interview nach ...

... oder gaben Gottlieb Tipps für das nächste Gespräch.

Mehr zum Thema Militärputsch in der Türkei findet ihr hier.

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