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Frankreich: Die 4 wichtigsten Fakten zum grausamen Attentat in einer Kirche

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HAMEL
Der Priester Jacques H. wurde von den Geiselnehmern getötet | dpa
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  • Am Dienstagmorgen erschütterte ein erneutes Attentat Frankreich
  • Die wichtigsten Fakten findet ihr hier

Keine zwei Wochen nach dem Blutbad von Nizza erschütterte am Dienstagmorgen ein neues Attentat Frankreich. Zwei mutmaßliche Terroristen stürmten den Gottesdienst der Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray in Rouen in Nordfrankreich.

Sie nahmen mehrere Geiseln und töteten den Priester Jacques H., eine weitere Geisel schwebt noch immer in Lebensgefahr. Als die beiden Attentäter die Kirche verließen, erschoss sie die Polizei.

Hier sind die 4 wichtigsten Fakten zum Anschlag.

1. Deshalb trifft die Tat Frankreich so hart

Obwohl bei dem Attentat im Vergleich zu den Taten von Nizza und Paris weniger Menschen ermordert wurden, ist Frankreich tief getroffen. Als "barbarisch" bezeichnete Premierminister Manuel Valls die Tat auf Twitter. "Wir sind wie vor den Kopf gestoßen", sagte der Generalvikar der Erzdiözese von Rouen, Philippe Maheut, kurz nach der Tat. "Die Seele des Landes ist getroffen", meint der bestürzte Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Wie grausam die Attentäter vorgingen – das wird erst nach und nach klar. Sie nahmen den 84-jährigen Priester, zwei Ordensschwestern und zwei weitere Gläubige als Geiseln. "Sie haben ihn auf die Knie gezwungen", sagte die Nonne am Dienstag dem Sender RMC. "Er hat versucht, sich zu verteidigen, und dann hat das Drama begonnen."

Danach hätten die Täter soetwas wie eine Ansprache auf Arabisch gehalten. "Es war ein Horror", sagte die Frau. Dann schnitten die Terroristen dem Priester die Kehle durch - vor laufender Handykamera.

Die anderen Geiseln wurden gezwungen, zuzusehen, berichtet die britische Nachrichtenseite "The Independent".

2. Das ist über den getöteten Priester bekannt

Priester Jacques H. war 86 Jahre alt - und eigentlich schon in Rente. Regelmäßig half aber in der Gemeinde aus, heißt es auf der Website der Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray. "Er war in unserer Gemeinde sehr gut bekannt", sagte der Mönch Auguste-Phuati Moanda dem französischen Fernsehsender RTL. "Er hat viele Jahre hier gepredigt".

Erst wenige Wochen vor seinem Tod soll der ermordete Priester seine Gemeinde dazu aufgerufen haben, die Welt "wärmer, menschlicher und brüderlicher" zu gestalten, sagte Generalvikar Maheut dem Sender BFMTV.

3. Das ist über die Täter bekannt

Beide Attentäter sind tot. Die zwei Männer wurden von der Polizei erschossen, als sie nach dem Mord an Priester Jacques H. die Kirche verlassen wollten. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, die Angreifer hätten beim Verlassen der Kirche "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen.

Mindestens einer der beiden Angreifer war den Sicherheitsbehörden bekannt, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins. Bei einem der Männer soll es sich um den 19-jährigen Adel K. handeln, der in einer Extremisten-Datenbank geführt werde.

Der Täter habe im Vorjahr zweimal versucht, nach Syrien zu gelangen. Bei seiner Rückkehr sei ein Anklageverfahren gegen ihn wegen Terrorverdachts eröffnet worden. Der Mann kam dem Bericht zufolge vorübergehend in Haft und wurde später mit einer elektronischen Fußfessel wieder freigelassen.

Laut Molins hatte er aber die Erlaubnis, unter der Woche vormittags und am Wochenende nachmittags das Haus zu verlassen. Der von der Polizei erschossene Angreifer wurde anhand seiner Fingerabdrücke eindeutig identifiziert. Die Identifizierung des zweiten mutmaßlichen Terroristen sei noch nicht abgeschlossen, sagte Molins.

Bereits kurz nach der Tat beanspruchte der IS den Anschlag für sich. Das teilte die IS-nahe Agentur Amak mit. Frankreichs Präsident Hollande sagte bei einem Besuch am Tatort, der IS habe dem Land den Krieg erklärt. "Wir werden diesen Krieg mit allen Mitteln führen", sagte er.

4. Hätte die Tat verhindert werden können?

Diese Frage drängt sich besonders deshalb auf, weil einer der Täter den Behörden als Extremist bekannt war.

Frankreich war in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder das Ziel schwerer Anschläge. Zuletzt tötete ein 31-jähriger Tunesier 84 Menschen, als er am Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf dem Strandboulevard von Nizza raste. Die Polizei erschoss den Mann.

Im Frühjahr 2015 hatten die Sicherheitsbehörden nach offiziellen Angaben bereits einen geplanten Anschlag auf eine Kirche vereitelt - damals wurde ein 24-jähriger Student verhaftet. Warum die Behörden dieses Mal scheiterten, muss wohl noch geklärt werden.

Mit Material von dpa

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