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Gutachter warnte vor "spektakulärem Selbstmord" des Ansbach-Attentäters

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ANSBACH
Der Ansbach-Attentäter Mohammad D. schickte dieses Bild von sich an IS-Unterstützer | Amaq/Screenshot Twitter
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  • Lange vor dem Bombenanschlag in Ansbach hatte der Täter einen Selbstmord angekündigt
  • Damit wollte er offenbar einer Abschiebung nach Bulgarien zuvorkommen
  • Ein Psychologe warnte, dass der Syrer plane, diesen „spektakulär“ in Szene zu setzen

Lange vor dem Bombenattentat in Ansbach hat ein Psychologe in einem Gutachten davor gewarnt, dass der spätere Attentäter Mohammad D. einen "spektakulären Selbstmord" plane. Das berichtet die "Bild"-Zeitung.

Die Zeitung zitiert aus einem Gutachten vom 1. Februar 2015:

"Herr D. ist ein extremer Geist und es ist ihm durchaus zuzutrauen, dass er selbst seinen Selbstmord spektakulär in Szene setzt."

Der syrische Flüchtling soll angekündigt haben, sich im Falle einer Abschiebung nach Bulgarien umzubringen. Da D. bereits in dem EU-Land einen Asylantrag gestellt hatte, plante das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, ihn dorthin zurückzuführen.

Der spätere Bombenattentäter berichtete von Misshandlungen in einem Gefängnis in Bulgarien. Daher habe er nicht in das Land zurückgehen wollen, das ihm 2013 einen Schutzstatus gewährt hatte.

"Herr D. erwähnte, selbst auch Suizid-bezogene Gedanken zu haben, und sogar schon Vorbereitungen für den Fall der Abschiebung nach Bulgarien getroffen zu haben, weil er das Gefühl hat, keinen Einfluss mehr über sein eigenes Leben zu haben."

Nach dem Tod seiner Frau und seines sechs Monate alten Sohnes in Syrien habe D. nichts mehr zu verlieren, schreibt der Gutachter. Zudem habe eine Begleiterin ihn bereits angetroffen, wie er sich mit einer Flasche Benzin in der Hand auf dem Weg ins Ausländeramt gemacht habe. Der Frau sei es damals gelungen, ihn aufzuhalten.

Das Gutachten wurde von einem Therapeuten und Heilpraktiker aus Lindau mit Hilfe eines arabischen Dolmetschers für die Hilfsorganisation "Exilio – Hilfe für Migranten, Flüchtlinge und Folterüberlebende e.V." verfasst.

Der 27-Jährige sei öfter in psychiatrischer Behandlung gewesen, berichteten die Ermittler. Er soll bereits zweimal versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

Dazu passend: 7 Fakten über den Ansbach-Attentäter, die ihr wissen müsst

Nach Angaben der "Bild" kam Mohammad D. im Januar 2015 in stationärer psychiatrische Behandlung ins Bezirksklinikum Ansbach, weil er sich Schnitte am linken Unterarm zugefügt hatte.

Die Zeitung zitiert aus einem Gutachten eines Facharztes:

"In jedem Fall ist aktuell bei dem Patienten ein schwer depressives, mit anhaltender Suizidalität verbundenes Zustandsbild bis auf Weiteres gegeben, welches aus unserer Sicht dringend der fortgesetzten psychiatrischen Behandlung bedarf."

Die Polizei berichtete, dass er schon früher strafrechtlich in Erscheinung getreten war. Er sei wiederholt auffällig geworden, unter anderem wegen eines Drogendelikts, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

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(sk)