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Ex-Geheimdienstmitarbeiter warnt: Allianz zwischen Putin und Trump könnte zur Gefahr für die USA werden

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TRUMP
Donald Trump speaks to the Veterans of Foreign Wars conference at a campaign event in Charlotte, North Carolina, U.S., July 26, 2016. REUTERS/Carlo Allegri | Carlo Allegri / Reuters
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  • Putins Kumpel Trump erhält demnächst das Briefing zur nationalen Sicherheit
  • Für die Nachrichtendienste ist dies Anlass zur Sorge

Dass Donald Trump bereits am kommenden Freitag Zugriff auf die hochvertraulichen National Security Briefings der USA erhalten könnte, bereitet einigen Mitgliedern der amerikanischen Nachrichtendienste Kopfzerbrechen, da Trump in engem Kontakt mit Russland steht und da der russische Diktator Wladimir Putin ihn offensichtlich gerne als neuen Präsidenten der USA sehen würde.

Wie ABC News am Montag berichtete, sollen Trump und Hillary Clinton, die mutmaßliche Kandidatin der Demokraten, die Briefings nach Abschluss des Nominierungsparteitags der Demokraten am kommenden Donnerstag erhalten.

Als republikanischer Präsidentschaftskandidat zählt Trump nun zu den wenigen Menschen, die Zugriff auf die Briefings erhalten, obwohl sie noch keiner Sicherheitsüberprüfung unterzogen wurden. Hinzu kommt die Tatsache, dass in der jüngeren Geschichte vermutlich kein anderer Präsidentschaftskandidat je so enge Beziehungen zu einer ausländischen Regierung gepflegt hat wie Trump.

"Bromance"

Trump äußert immer wieder die Forderung, sich im Bezug auf verschiedene globale Themen dem Kurs der russischen Regierung anzuschließen. Außerdem warf er die Frage auf, ob es wirklich notwendig sei, dass die USA stets andere NATO-Mitglieder verteidigen.

putin
Putin

Die NATO wurde während des Kalten Kriegs gegründet und sollte die USA vor den Expansionsbestrebungen der Sowjetunion schützen. Trumps Aussagen zu außenpolitischen Themen passen perfekt zu dem, was man auch aus Moskau hört: dass die USA seine langjährigen europäischen Partner – vor allem die aus der NATO – und auch andere Partner auf der Welt eigentlich kaum brauchen und dass die USA auf internationaler Ebene einen geringeren Einfluss haben sollten.

Trump ist sowohl geschäftlich als auch finanziell sehr stark mit Russland verbunden. Die Washington Post bezeichnete die Beziehung zwischen Putin und Trump als “Bromance”, als eine nicht sexuelle aber sehr innige Beziehung zwischen zwei Männern.

Wie Adrian Chen vom amerikanischen Magazin The New Yorker im vergangenen Jahr feststellte, erhielt Trump auf Twitter Unterstützung durch Fake-Profile, die der russischen Regierung zuzuordnen sind.

"Noch nie zuvor war ein Kandidat mit einer anderen Regierung verbunden"

Zudem veröffentlichten unbekannte Hacker in dieser Woche interne E-mails des Demokratischen Nationalen Komitees. Sicherheitsexperten und Journalisten befürchten zunehmend, dass es sich bei dieser Tat um einen Versuch der russischen Regierung gehandelt haben könnte, die amerikanische Präsidentschaftswahl zu Gunsten von Donald Trump zu beeinflussen.

Trumps enge Verbindung zu Russland bereitet den Nachrichtendiensten Kopfzerbrechen.

“Noch nie zuvor war ein Kandidat so eng mit einer anderen Regierung verbunden. Vor allem nicht mit einer Regierung, die den USA gegenüber auf so vielerlei Weise feindlich gesinnt ist und die sich aktiv in unsere Wahlen einmischt”, so ein ehemaliger leitender Geheimdienstagent. “[Bei den Nachrichtendiensten] gibt es viele Mitarbeiter, denen die amerikanische Politik egal ist und die stolz auf ihre Unabhängigkeit sind, doch die Verbindungen zu Russland sind zutiefst beunruhigend. ”

Nach Aussage ehemaliger Geheimdienstagenten wird Trump im Rahmen der Briefings zwar nichts über verdeckte Operationen erfahren oder Einblicke zu wichtigen Quellen oder Methoden zur Gewinnung von Informationen erhalten. Er könnte jedoch dennoch Zugriff auf wichtige Informationen erhalten, die auch für Putin von großem Interesse sind.

Russlands Einfluss wäre "beunruhigend"

Dazu zählen möglicherweise Briefings zur amerikanischen Strategie im Bezug auf Syrien oder die Ukraine, die Einschätzung der CIA zum syrischen Diktator Bashar Assad und zur russischen Regierung oder auch das Wissen der amerikanischen Geheimdienste über Russlands Militärbewegungen.

“Die Vorstellung, dass Trumps Team verlangen kann, von den Geheimdiensten zum Thema Russland gebrieft zu werden, obwohl es enge Verbindungen zu dem Land besitzt, ist erschreckend, insbesondere nachdem erst kürzlich die E-Mails des Demokratischen Nationalen Komitees gehackt wurden”, so der ehemalige Geheimdienstagent.

Beim Briefing der Präsidentschaftskandidaten sollten die Nachrichtendienste ihre Informationen nur mit großer Vorsicht weitergeben, so John McLaughlin, der ehemalige Vize-Chef der CIA, im Gespräch mit der HuffPost.

“Ich weiß nicht, welche Anweisung die Agenten, die die Briefings durchführen werden, von den Chefs der Geheimdienste genau erhalten haben. Ich würde ihnen jedoch empfehlen, sich auf die allgemeinen Entwicklungen zu konzentrieren und keine genauen Angaben dazu machen, durch welche Quellen oder Methoden die Informationen gewonnen werden.”

E-Mail-Gate um Clinton aus Russland gesteuert?

Wenn Russland wirklich versucht, Einfluss auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu nehmen, wäre dies sehr beunruhigend, so Adam Schiff (Wahlbezirk Kalifornien), der ranghöchste Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, der die Aufsicht über die CIA und andere Geheimdienste hat.

“Angesichts der Tatsache, dass Trump Putin bekanntermaßen sehr bewundert und häufig die NATO schlecht macht, besitzt Russland sowohl die Mittel als auch das zugehörige Motiv, die E-Mails des Demokratischen Nationalen Komitees (DNC) zu hacken und die E-mails kurz vor dem Parteitag der Demokraten zu veröffentlichen”, so Schiff. “Dass ausländische Regierungen versuchen könnten, unsere Wahl zu beeinflussen – ganz zu schweigen davon, dass es sich bei Russland um einen mächtigen Kontrahenten der USA handelt – sollte allen Amerikanern egal welcher Partei Grund zur Sorge geben.”

Bei einer Pressekonferenz am Montagmorgen hielt Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook sich bedeckt darüber, ob Clinton davon ausgeht, dass Russland hinter dem Hackerangriff steckt. Er klammerte das Thema jedoch nicht komplett aus. “Die Wähler müssen sich damit auseinandersetzen,” sagte er. “Wenn es wirklich wahr ist, ist es sehr beunruhigend.”

Michael Isikoff von Yahoo News berichtete am Montag, dass es auch Hackerangriffe auf die persönlichen E-mail-Accounts von Mitgliedern des Demokratischen Nationalen Komitees gegeben habe. Nach Angaben von Isikoff warnte das Yahoo-Sicherheitsteam “The Paranoids” die DNC-Beraterin Alexandra Chalupa, dass man “stark” davon ausgehen müsse, dass auch ihr E-Mail-Account “durch von einer Regierung beauftragte Hacker angegriffen wurde”.

Chalupa hatte Nachforschungen dazu angestellt, ob Trumps Berater Paul Manafort Verbindungen zu pro-russischen Politikern in der Ukraine unterhält. Das Demokratische Nationale Komitee forderte Chalupa daraufhin auf, ihre Arbeit einzustellen. Der Hackerangriff wird jedoch weiterhin untersucht.

"Der letzte Einbruch hatte einen Präsidenten-Rücktritt zur Folge"

Eine Quelle aus dem Sicherheitsbereich der Demokratischen Partei teilte Isikoff mit: “Der letzte Einbruch beim DNC hatte den Rücktritt eines Präsidenten zur Folge.”

Ungeachtet der Bedenken einiger Geheimdienste ist es jedoch so gut wie sicher, dass Trump die Briefings gegen Ende der Woche erhalten wird. “Ich habe nicht die Absicht, einem offiziell nominierten und wählbaren Kandidaten die Briefings vorzuenthalten”, schrieb der Geheimdienstchef James Clapper in einem auf den 11. Juli datierten Brief an Paul Ryan (Wahlbezirk Wisconsin), den Sprecher des Repräsentantenhauses.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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