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München-Amokläufer soll AfD-Fan gewesen sein - die Reaktion der Partei ist entlarvend

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PETRY
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Manchmal bekommt man Antworten auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden.

Und dann sagen diese Antworten mehr über den Antwortenden aus, als es jedes noch so weit hergeholte Gerücht jemals zu leisten vermocht hätte.

Daran muss man unwillkürlich denken, wenn man das jüngste Facebook-Posting des AfD-Landesverbandes Rheinland-Pfalz liest.

Es ist offenbar eine Antwort auf einen Bericht des "Spiegel", der zur Zeit im Internet kursiert.

Es sei dahingestellt, was für ein Wahrheitsgehalt die Geschichte von der angeblichen AfD-Sympathie des Münchner Amokläufers hat. Es gibt tatsächlich gute Gründe, daran zu zweifeln. Etwa, wenn man die politische Urteilskraft eines 18-Jährigen im Generellen in Betracht zieht. Und die psychische Situation des Schützen im Speziellen.

Zudem kommt der Hinweis von einem anonymen Informanten, der ein Mitspieler des Täters bei Online-Games gewesen sein will. Auch hier ist Vorsicht geboten.

"Wir können uns unsere Fans nicht aussuchen"

Es ist jedoch der letzte Satz des AfD-Postings, der so entlarvend wirkt: „Auch wir können uns unsere Fans nicht aussuchen...“

Das ist für sich genommen natürlich wahr. Niemand würde J.D. Salinger dafür verantwortlich machen, dass ein irrer „Fänger im Roggen“-Fan im Jahr 1980 den Musiker John Lennon erschossen hat.

Der rhetorische Brandbeschleuniger

Einen entscheidenden Unterschied gibt es jedoch: Seit ihrer Gründung gießt die AfD rhetorischen Brandbeschleuniger aus. Anfangs noch eher subtil, spätestens seit der Spaltung der Partei vor einem Jahr jedoch ziemlich offensichtlich und äußerst unversteckt.

Und das geht weit über den Fall des Münchner Amokschützen hinaus. Und deshalb lohnt es sich, das Thema losgelöst von den aktuellen Ereignissen zu betrachten.

Da stärkt die AfD der Pegida-Bewegung den Rücken – will aber nicht Schuld sein, wenn Pegida-Anhänger auf ihren montäglichen Demos ihren Hinrichtungsfantasien gegen die Bundesregierung freien Lauf lassen.

Führende AfD-Vertreter befürworten einen Schießbefehl gegen unbewaffnete Flüchtlinge – wollen aber am Ende nicht dafür verantwortlich sein, wenn bei rechten Extremisten die Gewaltbereitschaft steigt.

Und Leute wie der thüringische AfD-Chef Björn Höcke schüren in aller Öffentlichkeit rassistische Ressentiments gegen Asylbewerber aus Afrika – aber man Ende möchte niemand etwas mit der tatsächlich eskalierenden Gewalt gegen Flüchtlingsheime zu tun haben.

AfD war von Anfang an für Verschwörungstheoretiker offen

Von Anfang an nahm die AfD dabei in Kauf, mit den „falschen Fans“ gemeinsame Sache zu machen. Schon in ihrem stichpunktartigen Gründungsprogramm warb sie um Menschen mit „unkonventionellen“ Ansichten.

Die Folge war, dass sich allerlei Verschwörungstheoretiker und Sektierer in der Partei breit machten. Leute etwa, die allen Ernstes die Existenz von Gaskammern in Dachau leugneten.

Und insgeheim wirbt die AfD noch heute um diese Leute. Stichwort: „Mut zur Wahrheit“.

Die Rolle als "Bürgerbewegung" ist ein Vorwand

Es ist genau dieser Hass, der zentral von der AfD als wichtigster politischer Gruppierung der neuen rechten Bewegung ausgeht, der zur Zeit dazu beiträgt, dass dieses Land ein ungemütlicher Ort geworden ist.

Und da hilft es auch nicht, dass die AfD regelmäßig beschwichtigend die Hände hebt und die Rolle der Bürgerbewegung einnehmen will.

„Falsche Fans“ kann man sich nicht aussuchen. Wohl aber die Mittel, mit denen man die eigenen politischen Positionen kommuniziert.

Und wer das nicht glauben will, der möge sich noch einmal die Tweets durchlesen, die in der Münchner Amok-Nacht kursierten. Als die AfD-Verantwortlichen noch dachten, der Täter sei ein islamistischer Terrorist.


Wer zündelt, muss auch Verantwortung übernehmen

Stellen wir uns eine Gruppe von Menschen vor, die ständig mit Streichhölzern spielt. In einem großen, alten Haus, das aller historischer Erfahrung nach brandanfällig ist.

Diese Leute rechtfertigen ständig ihre Feuerexperimente. „Das wird man wohl in einem freien Land noch machen dürfen!“

Und plötzlich gibt es andere Menschen in diesem Haus, die ebenfalls anfangen, mit Streichhölzern zu spielen. Die Dinge geraten außer Kontrolle, und plötzlich steht die Bude in Flammen. Auf einmal will die Gruppe von Zündlern für nichts mehr verantwortlich sein. Sie weist jegliche Mitschuld weit von sich und fordert bessere Brandschutzmaßnahmen.

Genau: An dieser Stelle sind wir bei der AfD.

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