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Die faszinierende Mathematik in Van Goghs "Sternennacht"

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Vincent van Goghs “Sternennacht” gehört zu den bekanntesten Gemälden der Welt. Es hat jedoch mehr als ein ganzes Jahrhundert gedauert, bis die Wissenschaft dahinter kam, was der Künstler wirklich mit seinem Bild geschaffen hat.

Denn die Wirbel an van Goghs Nachthimmel verbildlichen eines der kompliziertesten Phänomene der Wissenschaft - und das mit mathematischer Präzision: die Turbulenz.

sternennacht vam gogh

Turbulenzen lassen sich nur schwer erklären

Turbulenz beschreibt die wirbelnde Vermischung von Flüssigkeiten oder Gasen. Sie ist chaotisch und mathematisch extrem schwer zu erklären. Denn die Entstehung von Turbulenzen wird durch kleinste Störungen beeinflusst. Zudem neigen Turbulenzen dazu, spontan zu verschwinden.

Und doch hat van Gogh es bereits im Jahr 1889 geschafft, dieses komplizierte physikalische Phänomen in seinen Gemälden präzise darzustellen.

NASA-Wissenschaftler stellten Bezug zu van Gogh her

Wissenschaftler der NASA machten im Jahr 2004 mithilfe des Hubble-Weltraumteleskops ein Foto eines Sterns, der von Gas- und interstellaren Staub-Wirbeln umgeben war. Das Bild erinnerte sie an van Goghs “Sternennacht”.

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Daraufhin untersuchten internationale Forscher aus Mexiko, Spanien und England die Luminanz, also die Leuchtkraft des Bildes und anderer Werke van Goghs.

Das Team um den Mexikaner José Luis Aragón von der UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) veröffentlichte im Jahr 2006 eine Arbeit, die zeigt, dass van Gogh die Turbulenzen in einigen seiner Werke mit mathematischer Präzision darstellte.

Genauer gesagt: Van Goghs Turbulenzen entsprechen dem mathematischen Model von Turbulenzen, das der russische Wissenschaftler Andrei Nikolajewitsch Kolmogorow in den 1940ern entwickelte.

"Sternennacht" entstand während seines Aufenthalts in einer Nervenheilanstalt

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Die “Sternennacht” entstand aber bereits 1889. Wie also konnte van Gogh wissen, wie Turbulenzen sich optisch darstellen lassen?

Offenbar hat der Künstler es intuitiv erfasst.

Besonders interessant ist, dass van Gogh das Werk sowie die Gemälde “Weizenfeld mit Zypressen” und “Straße mit Zypressen”, die ebenfalls Turbulenzen am Himmel zeigen, in den Jahren 1889 und 1890 entstanden. Damals weilte van Gogh in der französischen Nervenheilanstalt Saint-Paul-de-Mausole.

Van Gogh hatte sich dort selbst eingeliefert, nachdem er sich in einem Anfall von Wahnsinn das linke Ohr abgeschnitten hatte. Wie es zu dem Vorfall kam, ist bis heute umstritten.

In seiner dunkelsten Phase hatte van Gogh die hellsten Momente

Das Malen war Teil seiner Therapie in der Anstalt und die Zeit, die der Künstler dort verbrachte, gehörte zu seinen produktivsten Schaffensphasen. Insgesamt entstanden dort 150 Werke.

Das bedeutet, dass van Gogh in einer Phase des angeblichen Wahnsinns diese physikalischen Zusammenhänge glasklar dargestellt hat, denn in früheren Werken des Künstlers konnten Wissenschaftler keine ähnlich exakten Tubulenz-Darstellungen nachweisen.

In seiner dunkelsten Zeit hat der Künstler eines der komplexesten Phänomene der Natur extrem genau dargestellt - und das 100 Jahre bevor Wissenschaftler überhaupt die Instrumente hatten, um tatsächliche Turbulenzen im Weltraum zu entdecken.

Ziemlich beeindruckend, oder?

Dieses Video von Ted-Ed erklärt die Mathematik hinter Van Goghs “Sternennacht” sehr anschaulich:

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