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Attentate in Deutschland: So widerlich hetzen Rechtsnationalisten online

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PETRY VON STORCH
Frauke Petry und Beatrix von Storch hetzen nach den Attentaten in Deutschland im Netz | PHILIPP GUELLAND via Getty Images
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Nach den Attentaten von Ansbach, Reutlingen, München und Würzburg lassen Rechtsnationalisten und Islamhasser ihrer perfiden Hetze im Netz freien Lauf. Besonders die sozialen Medien werden von rechten Hetzern instrumentalisiert, um ihre widerlichen Hassbotschaften zu verbreiten.

Besonders der Anschlag in Ansbach, bei dem sich ein 27-Jähriger in die Luft sprengte und dabei mehrere Menschen verletzte, schlägt nun ein besonders perfides Kapitel der Hass-Tiraden auf. Im Visier der Rechtsnationalisten ist vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Petry twitterte gegen Merkel und Künast

Frauke Petry, Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), schreibt auf ihrem Facebook-Account: "Ist Ihnen Deutschland nun bunt genug, Frau Merkel?"

Außerdem schreibt sie: "Trauern Sie um den Selbstmordattentäter von Ansbach, Fr. Künast? Damit spielt Petry auf einen Tweet an, den die Grünen-Politikerin Renate Künast nach dem Attentat von Würzburg teilte.

Künast schrieb damals: "Tragisch und wir hoffen für die Verletzten. Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden???? Fragen!" Der Tweet löste einen Shitstorm aus. Künast verteidigte ihre Position allerdings.

Poggenburg: "Merkel muss weg"

Auch Petrys Partei-Kollege André Poggenburg, Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, veröffentlichte nach dem Attentat von Ansbach einen Tweet:

poggenburg

Die Pressestelle der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt teilte am späten Montagnachmittag in einer E-Mail mit, dass der besagte Tweet nicht von Poggenburg gelöscht worden sei. Der Tweet sei nur aktuell für manche User unsichtbar. Einen Direkt-Link zum Tweet könne man daher nicht zusenden.

Bereits nach dem Attentat in Reutlingen, bei dem eine Frau ums Leben kam, twitterte Poggenburg: "Ich wiederhole: 'Danke' an Merkel-Einheitspartei für immer mehr Mord und Totschlag in Deutschland! Merkel muss weg!"

Und die AfD-Garde legt noch nach: Die stellvertretende Bundesvorsitzende, Beatrix von Storch, verdreht die Anteilnahme und Solidaritätsbekundungen nach Anschlägen für ihre Sache. Sie schreibt auf Twitter: "'Je suis Würzburg (Axt), München (Pistole), Reutlingen (Machete), Ansbach (Nagelbombe).' Hab ich was vergessen?"

Es ist ein verbaler Schlag in die Magengrube der Angehörigen der Opfer von Paris, Brüssel und Nizza. Bei den Terroranschlägen kamen insgesamt über 260 Menschen ums Leben. Danach solidarisierten sich die Menschen weltweit über die "Je suis"-Bekundungen. Die AfD-Politikerin nutzt dies nun für ihre unterirdische politische Hetze.

#Merkelsommer: Twitter-Nutzer hetzen gegen Merkel

Auf Twitter verbreiten sich unter dem Hashtag #Merkelsommer teils perfide Nachrichten und Bilder:

Vom Account "Montagsdemos PEGIDA" wird wohl ein Zitat von Merkel zur Flüchtlingspolitik in den Kontext der Attentate gerückt. Grund: Bei den Attentätern in Würzburg, Reutlingen und Ansbach handelte es sich um Asylbewerber zwischen 17 und 27 Jahre. Über terroristische Motive der ersten beiden Anschläge ist bislang nichts bekannt, es scheinen eher Amokläufe gewesen zu sein. Ansbach jedoch hat wohl ein Attentat erschüttert.

Ein Twitter-Nutzer hetzt gegen die Bundesregierung, besonders Kanzlerin Angela Merkel. Seinen Tweet richtet er direkt an mehrere Politiker und die CDU. Dazu schreibt er "Alltag im Merkelland" mit einer Szene aus der Serie "Die Simpsons", in der Zeichentrickfiguren mit erhobenen Fackeln laufen – wie bei einem Aufstand:

Mit solchen Bildern kritisieren User Merkel

Der Nutzer legt sogar noch nach und zeigt die Hände der Kanzlerin blutverschmiert. Dazu schreibt er: "Jetzt reicht's!" In seinem Tweet sind auch die SPD-Politiker Ralf Stegner und Heiko Maas markiert.

"Don't worry! Merkel will save us!" schreibt ein anderer User. Dazu sieht man Merkels Kopf auf einer Comicfigur, wie sie die Pistole an einen Kopf in den deutschen Nationalfarben hält – als Beihelferin eines Mannes mit Sturmmaske:

Ein anderer User mit offensichtlich islamophober Haltung hetzt ebenfalls gegen die Kanzlerin. Dabei sind immer wieder die Orte der Attentate der vergangenen Tage und Wochen genannt.

Absolut pietätlos setzt ein Nutzer die Axt für seine Hetze gegen die Kanzlerin ein: "Wo ist diese Merkel ... es REICHT jetzt!", steht auf dem Foto, das eine alte Frau mit einer Axt zeigt:

Auch für antisemitische Hetze wird das Attentat von Ansbach missbraucht:

Der Nutzer "Bärendeutscher" zeigt Angela Merkel in der Maske des Kannibalen Hannibal Lecter:


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(cho)