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Nach Attentat-Serie: Historiker empfiehlt Sicherheits-Pflichtdienst für Deutschland

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POLIZEI MUENCHEN
Nach dem Amoklauf in München ist die Polizeipräsenz in der bayrischen Landesstadt gestiegen | dpa
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  • Nach den Attentaten in Deutschland empfiehlt der Historiker Michael Wolffsohn die Einführung eines verpflichtenden Sicherheits-Dienstes für die Bürger
  • Es sei offensichtlich, dass der Staat seine Aufgaben im Bereich Sicherheit nicht erfüllen könne, begründete Wolffsohn seine Forderung

Neun Tote und Duzende Verletzte – das ist die traurige Bilanz einer Reihe von Anschlägen, die Deutschland in der letzten Woche erschütterten.

Die grausamen Taten von Würzburg, München und aktuell nun Ansbach bestätigen die schlimmsten Befürchtungen vieler Deutschen: Auch Deutschland ist nicht sicher vor Terror und Amokläufen.

Trotz viel Lob für den Einsatz der Polizei während des Amoklaufs in München wird die Frage danach, wie - und ob - solche Taten in Zukunft verhindert werden können, Behörden und Politik in den nächsten Wochen wieder verstärkt beschäftigen.

Zum Thema: "Bayern erlebt Tage des Schreckens" - Seehofer kündigt nach Attentaten Sicherheitsmaßnahmen an

Während die Ermittlungen in allen drei Fällen noch laufen, empfiehlt der Münchner Historiker und Publizist Michael Wolffsohn bereits drastische Maßnahmen in Sachen Sicherheit.

"Wir brauchen eine allgemeine Dienstpflicht für alle Deutschen"

In einem Interview mit der Zeitschrift "Super Illu" rief Wolffsohn dazu auf, eine Art Pflicht-Sicherheitsdienst einzuführen. "Der Staat kann seine Aufgaben im Bereich Sicherheit derzeit nicht erfüllen, das ist offensichtlich", begründete Wolffsohn seine Forderung.

"Was wir brauchen, ist die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für alle Deutschen", sagte der Historiker.

Männer wie Frauen sollten künftig für eine begrenzte Zeit angeleitet, geschult und unter Kontrolle der Polizei für Sicherheitsaufgaben eingesetzt werden.

Freiwilliger Polizeidienst nach Nizza-Attentat

Mit seiner Idee des Sicherheits-Pflichtdienstes in Zeiten des Terrors ist Wolffsohn allerdings nicht der erste.

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Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve hatte nach dem Anschlag von Nizza alle "patriotischen Franzosen" zum Polizeidienst aufgerufen. Im Gegensatz zu Wolffsohns Vorschlag, konnten sich französische Staatsbürger hierfür jedoch freiwillig melden.

Der Appell richtete sich an französische Staatsbürger mit und ohne militärische Ausbildung und an ehemalige Soldaten. Die operative Reserve bestand nach Nizza aus 12.000 Freiwilligen.

Auf diese Truppe, die schnell mobilisierbar sei, könnten die Präfekten je nach Ereignissen und zur Sicherung von Orten und Veranstaltungen zurückgreifen.

“Ihre Rolle wird sich auf zwei Aufgabenbereiche konzentrieren: Personenkontrollen an den Grenzen und Mautstellen und Überwachung der Bewegung von Personen. Ich erinnere daran, dass seit der Wiedereinführung von Grenzkontrollen in der Nacht des 13. Novembers 48 Millionen Menschen an unseren Land-, Luft- und Seegrenzen kontrolliert wurden”, sagte Cazeneuve.

In Nizza war ein 31-jähriger Tunesier am späten 14. Juli kurz nach dem Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag auf der Strandpromenade mit einem Lastwagen durch eine Menschenmenge gefahren und hatte dabei mindestens 84 Menschen getötet und zahlreiche weitere zum Teil lebensgefährlich verletzt, bevor Polizisten ihn erschossen.

UPDATE: Michael Wolffsohn hat nicht, wie in einer früheren Version des Artikels beschrieben, eine "Pflicht-Bürgerwehr" gefordert.

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