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Der Tod eines deutschen Bloggers bewegt Tausende

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KORTEN
Der Blogger Johannes Korten ist tot. | Screenshot
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Johannes Korten hat den Zeitpunkt seines Abschieds genau geplant. Der Social Media Manager und Blogger aus Bochum war auf einmal verschwunden. Und dem das ganze Netz unter dem Hashtag #wirfürhannes helfen wollte. Kollegen suchten ihn, und auch Menschen, die ihn nicht persönlich kannten, wollten für Korten da sein.

Alles Hoffen nützte nichts: Er setzte seinem Leben ein Ende.

Die Einträge auf Kortens Twitter-Account ließen von Anfang an nichts Gutes vermuten.

Seinen letzten Tweet veröffentlichte er heute am Montagmorgen um 6.50 Uhr, dem Tag seines Todes. Er zeigte, wie ernst die Lage um Korten war: "Am Ende. Es hat nicht gereicht für ein ganzes Leben", schreibt er.

In dem Tweet ein Link: Korten verfasste einen Abschiedsbrief und stellte ihn auf seinen Blog. "Ein Stuhl bleibt leer. Zumindest eine zeitlang. Bis er jemandem Neuen gehört. Mehr wird es nicht sein, wenn ich aufgehört habe zu denken", schreibt der preisgekrönte Journalist.

Außerdem schrieb er: "Wenn der größte Mut des Lebens darin liegt, es zu beenden, ist man wohl ein feiger Mensch gewesen. Das trifft auf mich wohl zu."

Auch die Polizei Bochum suchte Korten. In der Vermisstenmeldung schrieb sie: Eine Eigengefährdung kann nicht ausgeschlossen werden. Sie bat die Bevölkerung um Mithilfe.

"Wenn wir uns selbst verletzen, bleibt alles beim Alten"

Zwischenzeitlich im Netz: In den sozialen Medien wendeten sich Tausende an Korten, in der Hoffnung, ihn noch zu erreichen. Sie wollen ihm Mut machen und sprechen ihr Mitgefühl aus.

Kollegen, Freunde, Fremde. Sie alle wollten eins: Dass Korten sich meldet.

Die Recherche-Plattform CORRECTIV beteiligte sich an der Suche:
Heike Gallery, die bei der Wochenzeitung "Die Zeit" für das Social Media verantwortlich ist, erinnerte Korten an seine eigenen Worte:
Nutzerin "Bubblebalsam" wollte Korten ebenfalls helfen - und ihm zeigen, wie wichtig er ist:
Auch der Social Media Manager des Senders 1Live, David Nienhaus, nahm das plötzliche Verschwinden Kortens mit:
Twitter-Nutzer "jannisseiner" kannte Korten nicht persönlich, hatte aber einen Tipp für ihn:
Katti aus Bochum scheint eine enge Beziehung zu Korten zu haben. Sie schreibt: "Du hast mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin, Hannes."

Blogger-Kollege Thomas Knuewer wollte Korten deutlich machen, dass sich das Leben lohnt und er nicht alleine da steht:

Der Autor Sven Hensel lobt das Netz für den Zusammenhalt:

Twitter-Nutzer Gert Postel erinnerte Korten an seine Familie und bat ihn: "Du musst zu Deinen Kindern zurück kommen!"

Die Hoffnung war zu jenem Zeitpunk, dass Korten diese Einträge noch rechtzeitig sieht. Dass er an seine Kinder und Freunde und Kollegen denkt und sich meldet - und realisiert: Er ist nicht alleine.

Korten sagte einmal: "Das Netz ist ein guter Ort." Er hatte recht. An seinem Beispiel sieht man, wie groß der Zusammenhalt sein kann.

"Am Ende war ich ein Meister der Tarnung und Täuschung"

Was Korten genau dazu veranlasste, seinem Leben ein Ende zu setzen, ist nicht bekannt. In seinem Abschiedsbrief gab er mehrere Hinweise, die letztendlich zu seiner Entscheidung geführt haben könnten:

"Die Geschehnisse der letzten Tage, Wochen und Monate haben mich endgültig gebrochen", schreibt er. Am Ende habe er "dabei unzählige liebe Menschen verletzt und mich selbst in einem Netz aus Lügen und unausgesprochenen Wahrheiten verstrickt".

Und weiter: "Am Ende war ich ein Meister der Tarnung und Täuschung. Das war meine dunkle Seite. Und für diese Dunkelheit war und bin nur ich selbst verantwortlich. Niemand hat sich etwas vorzuwerfen."

"Das Netz trauert"

Der Schriftstellerin Kathrin Weßling, die Korten in einem emotionalen Facebook-Post suchte, fehlen die Worte für den tragischen Verlust:

Theo Rie kannte Korten nicht, er trauert - wie so viele andere - trotzdem:
Kerstin Hoffmann hat einen Wunsch:

Das müsst ihr über Depressionen wissen

Depressionen sind heimtückisch und oftmals nicht zu erkennen - dennoch sind sie eine echte Krankheit. Viele Menschen trauen sich nicht, ihren Freunden oder sogar der Familie offen zu sagen, dass sie mit diesem Krankheitsbild zu kämpfen haben.

Menschen, die bei sich selbst eine Form von Depressionen vermuten, können sich an vielen Stellen Hilfe holen. Beispielsweise bei der Robert-Enke-Stiftung. Die gemeinnützige Organisation wurde von dem Deutschen Fußball-Bund, dem Ligaverband und dem Fußball-Klub Hannover 96 gegründet. Robert Enke beging im Jahr 2009 Selbstmord.

Die Stiftung richtete eine Hotline ein, die Menschen in Not helfen soll: 0241-8036777.

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