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Emma Cline : "The Girls" und Charles Manson

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Die Zutaten, mit denen man für Aufsehen sorgt, waren schon früh da - kein Wunder also, dass so ein Hype um dieses Werk herrscht: 2014 verkaufte die unbekannte, 25-jährige Emma Cline ihren Debüt-Roman für angeblich 2 Millionen Dollar, der Deal soll insgesamt drei Bücher umfassen. Und: "The Girls" basiert lose auf der Geschichte von Charles Manson und seiner Manson Family, einer Hippie-Kommune aus Südkalifornien, die 1969 durch eine Mordserie weltweit bekannt wurde.

Allerdings stehen die Morde in Clines "The Girls" (Carl Hanser Verlag, 352 Seiten, 22 Euro) nicht im Mittelpunkt. Der Roman dreht sich um Evie Boyd, ein 14-jähriges Mittelschicht-Mädchen aus einem kleinen kalifornischen Städtchen. Ihre Eltern haben sich gerade getrennt - der Vater lebt mit seiner jungen Freundin zusammen, die Mutter ist auf der Suche nach einem neuen Mann. Und Evie sehnt sich in diesem Sommer Ende der 60er Jahre nach nichts mehr als Anerkennung: "Ich wartete darauf, dass jemand mir sagte, was gut an mir war." Für ihre Eltern weder hübsch, noch klug genug, soll sie aufs Internat. Mit ihrer besten Freundin hat sie sich wegen eines Jungen zerstritten.

"The Girls" von Emma Cline finden Sie hier

Mehr als eine blutrünstige Geschichte

Ein langweiliger, einsamer Sommer scheint vor Evie zu liegen - bis sie im Park "The Girls" trifft. Mädchen mit langen unfrisierten Haaren, ausgefransten Kleidern und einem lauten Lachen. Vor allem Suzanne, nicht viel älter als Evie selbst, aber Lichtjahre entfernt von ihrem eigenen Leben, zieht Evie magisch an. "Sie wirkte so seltsam und rein wie jene Blumen, die einmal in fünf Jahren in greller Fülle aufblühen, die farbenprächtige, prickelnde Lockung, die beinahe dasselbe war wie Schönheit." Es sollte nicht das letzte Treffen der beiden bleiben. Nach einem Streit mit ihrer Mutter nimmt Suzanne Evie schließlich mit auf die Ranch, wo Russell, Clines Charles Manson, mit seinen vor allem weiblichen Anhängern lebt.

Wo die Geschichte hinläuft, ist bekannt, inwieweit die 14-jährige Evie am Ende in die Morde verwickelt ist, bleibt spannend. Eine gealterte Evie, die in Rückblenden über ihr Leben von damals reflektiert, wird immer noch von Ängsten geplagt. Und sie trifft, als sie im Haus eines Freundes unterkommt, auf ein junges Mädchen, das von zwei älteren Männern benutzt wird. So wie sie sich als 14-Jährige hat benutzen lassen von Russell - unter anderem, um dessen berühmten Rockstar-Freund durch Sex mit seinen Mädchen milde zu stimmen.

"The Girls" handelt von Sex, Drogen und Mord. In erster Linie ist es aber ein Buch über junge Mädchen auf dem Weg zur Frau und sich selbst. "Die Welt mästet sie mit der Verheißung von Liebe. Wie dringend sie sie brauchen, und wie wenig die meisten von ihnen je bekommen werden. Die klebrig süßen Popsongs, die Kleider, die in den Katalogen mit Wörtern wie 'Sonnenuntergang' und 'Paris beschrieben werden. Dann werden ihnen die Träume mit brutaler Kraft weggenommen; die Hand, die an den Knöpfen der Jeans zerrt, dass niemand hinsieht, wenn der Mann im Bus seine Freundin anbrüllt."