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Bombenanschlag in Ansbach: Was wir wissen - und was nicht

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(Wie ein Augenzeuge den Anschlag erlebt hat, seht ihr im Video oben)

Nach dem Bombenanschlag von Ansbach am Sonntagabend werden Facebook und Twitter mit Spekulationen, Anschuldigungen und politischen Forderungen geflutet. Dabei ist über die Hintergründe der Tat noch sehr wenig bekannt. Was ist Fakt, was ist Meinung - und was ist schlicht nicht bekannt? Hier ein Überblick.

Was wir wissen

Es war ein Bombenanschlag. Im fränkischen Ansbach sollte am Sonntagabend das Open-Air-Konzert "Ansbach Open 2016" an der Residenz vor etwa 2.500 Zuschauern stattfinden. Um 21.45 Uhr fiel der Security eine verdächtige Person auf.

Ein junger Mann mit einem Rucksack wurde abgewiesen, da er keine Karte hatte. Er ging danach vor einer Einlassstelle auf und ab und hielt sich im Bereich der Außenbestuhlung vor einem Weinlokal auf.


Dort kam es gegen 22.10 Uhr zu einer Explosion.
Nach Angaben von Zeugen soll der junge Mann sich vor der Explosion kurz nach vorne gebeugt haben. Der Verdächtige wurde durch die Detonation getötet. Außerdem wurden 15 Menschen verletzt, vier davon schwer.

Der Tatverdächtige ist ein 27-jähriger syrischer Flüchtling. Der Verdächtige war vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und hatte im August 2014 einen Asylantrag gestellt.

Der Antrag wurde vor mit Bescheid vom 2. Dezember 2014 abgelehnt. Seit dem 2. Juli 2015 war er geduldet und in einem ehemaligen Hotel in Ansbach untergebracht.

Der mutmaßliche Attentäter sollte nach Bulgarien abgeschoben werden. Denn im Verfahren seien Registrierungen in anderen EU-Staaten festgestellt worden: Es habe einen registrierten Antrag in Bulgarien gegeben und später in Österreich. Bulgarien habe mitgeteilt, dass der Mann dort einen Flüchtlingsschutz zuerkannt bekommen habe.

Dorthin sollte der Mann abgeschoben werden. Das sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Montag in Berlin. "Ich kann Ihnen zur Stunde nicht sagen, warum diese Abschiebung nicht vollzogen worden ist", fügte er hinzu. Abschiebungen lägen in der Zuständigkeit der Länder.

Er ist nach Angaben der Polizei schon früher strafrechtlich in Erscheinung getreten. Er sei wiederholt auffällig geworden, unter anderem wegen eines Drogendelikts, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag.

Außerdem versuchte er, sich bereits zwei Mal das Leben zu nehmen. Er ist deshalb auch schon in einer psychiatrischen Klinik untergebracht gewesen.

Ein islamistischer Hintergrund wird immer wahrscheinlicher. Unklar war zunächst, ob es einen islamistischen Hintergrund der Tat gab. Am Montag fanden die Ermittler in der Asylunterkunft des Täters neben Baumaterial für die verwendete Bombe, auch einen Laptop mit gewaltverherrlichenden Bildern, die in Verbindung zum IS stehen.

Auf einem Handy des Mannes gebe es eine Anschlagsdrohung als Video, sagte der bayerische Innenminister. Der Täter kündige einen Racheakt gegen Deutsche als Vergeltung an, weil sie Muslime umbrächten. In einer ersten Übersetzung des arabischen Textes hieße es, der Täter handle im Namen Allahs.

Der Sprengsatz vom Anschlag in Ansbach ist nach Angaben der "Bild"-Zeitung selbstgebaut. Die Materialien des Sprengsatzes seien teilweise über Baumärkte zu beschaffen, sagte Polizei-Vizepräsident Roman Fertinger demnach, so zum Beispiel Lötkolben und Batterien.

Die Metallteile sind laut Polizei nach der Explosion über 20 Meter weit verteilt gewesen. Bei einer Durchsuchung der Asylunterkunft des mutmaßlichen Täters fanden die Ermittler zudem einen Benzinkanister mit Diesel sowie Salzsäure, Alkoholreiniger, Lötkolben, Drähte, Batterien und Kieselsteine.

Was wir noch nicht wissen

War es ein Selbstmordattentat? Sicher ist bisher nur, dass der Verdächtige andere Menschen töten und verletzten wollte. Ungeklärt ist aber, ob es sich um ein Selbstmordattentat handelt. Es ist möglich, dass der Täter sich selbst unbeabsichtigt tötete, als er die Explosion auslöste.

Bayerns Innenministers Herrmann hält es allerdings für wahrscheinlich, dass der Bombenanschlag von Ansbach das Werk eines islamistischen Selbstmordattentäters gewesen ist. "Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat", sagte er am frühen Montagmorgen der Deutschen Presse-Agentur.

Gab es weitere Tatbeteiligte? Die Ermittler prüfen, ob der Täter vor der Tat telefoniert hat. Zu klären sei auch, ob vor der Explosion zwischen 21.45 und 22.10 Uhr eine Handyverbindung bestand. Auch mögliche Verbindungen zu Hintermännern müssten noch geklärt werden.

Die Ermittler schließen weder einen Bezug zum internationalen IS-Terrorismus noch eine psychische Störung des Täters aus. Bislang sei jedoch keine Vernetzung mit terroristischen Gruppierungen festgestellt worden, teilten die Behörden am Montagnachmittag mit.

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(cho)