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7 Fakten über den Ansbach-Attentäter, die ihr wissen müsst

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(Eine Stellungnahme von Bayerns Innenminister Herrmann seht ihr im Video oben)

Nach dem Attentat in Ansbach werden mehr und mehr Details über den Täter bekannt.

Die Ermittler stehen vor einem Rätsel: Handelt es sich beim Attentäter Mohammend D. um einen Fanatiker, der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Deutschland eingeschleust wurde? Oder um einen psychisch gestörten Flüchtling, der eine Kurzschlusshandlung beging?

Die Fakten ergeben ein widersprüchliches Bild. Auf der einen Seite zeigen sie einen Mann, der vor dem Krieg floh; einen Mann, der als friedlich und unauffällig beschrieben wird und der hartnäckig gegen seinen drohende Abschiebung vorgeht.

Auf der anderen Seite einen Mann, der eine Bombe baut und mit Metallteilen spickt, um möglichst viele Menschen zu töten und in einem Bekennervideo dem IS-Chef die Treue schwört.

Wer war Mohammend D.? Hier sieben Fakten, die ihr über den Ansbach-Attentäter wissen müsst.

1. Er verschickte vor der Tat ein Bekennervideo an IS-Unterstützer

Das Video wurde in der Nacht zum ‎Dienstag von Amak, dem Sprachrohr des IS, im Internet verbreitet. Es zeigt eine Person, die sich ein schwarzes ‎Tuch um den Kopf gebunden hat, so dass nur die Augen zu sehen sind. Die Echtheit des Videos ließ sich ‎zunächst nicht überprüfen.

Wie Amak an dieses Video gelangte, ist nicht klar. Wahrscheinlich das gleiche Video hatten Ermittler bereits auf dem Handy des Täters gefunden. Offensichtlich ist aber, dass er vor der Tat das Video an Dritte verschickt hatte.

2. In seiner Unterkunft fanden Ermittler Materialien zum Bombenbau

In der Asylunterkunft des Täters fanden die Ermittler einen Benzinkanister mit Diesel sowie Salzsäure, Alkoholreiniger, Lötkolben, Drähte, Batterien und Kieselsteine, außerdem einen Laptop mit gewaltverherrlichenden Bildern, die in Verbindung zum IS stehen.

3. Er hatte kurz vor der Tat seinen Ausweisungs-Bescheid bekommen

Ein Auslöser für das Attentat könnte seine bevorstehende Abschiebung nach Bulgarien gewesen sein. Er hatte am 13. Juli, also nur wenige Tage vor der Tat, eine Ausreiseaufforderung erhalten - verbunden mit einer erneuten Abschiebeandrohung nach Bulgarien.

In Deutschland wurde sein Asylantrag bereits mit Bescheid vom 2. Dezember 2014 abgelehnt. Er legte dagegen Widerspruch ein. Im Rahmen des Gerichtsverfahrens wurden medizinische Atteste vorgelegt, aus denen hervorging, dass er "psychisch labil" gewesen sei. Daher wurde er vorerst geduldet.

4. Er versuchte mehrmals, gegen seine Abschiebung rechtlich vorzugehen

Der Attentäter hatte wiederholt versucht, seine drohende Abschiebung auf rechtlichem Weg zu verhindern. Dabei hatte er die Unterstützung von Flüchtlingshelfern und der Linkspartei.

Nachdem Mohammad D. im Dezember 2014 einen Abschiebe-Bescheid für Bulgarien erhalten hatte, wandte sich der Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (Linke) nach Informationen der "Bild"-Zeitung aus Sicherheitskreisen mit einem Schreiben an die Stadt Ansbach.

In dem Schreiben bat der Politiker darum, von der Abschiebung des Syrers abzusehen, bis die notwendige medizinische Behandlung des Flüchtlings in Deutschland abgeschlossen sei.

Auf Nachfrage sagte der Weinberg zu "Bild": "Immer wieder treten Aktivisten der Flüchtlingshilfe an mich heran, bitten mich um Hilfe bei abgelehnten Flüchtlingen." So sei es auch in diesem Fall gewesen.

5. Seine Mitbewohner sahen ihn nicht als Islamisten an

Die Mitbewohner der Asylunterkunft haben ihn nicht als Islamisten erlebt. Alireza Khodadadi erzählt der "Welt", dass der 27-Jährige immer gesagt habe, "ISIS ist nicht der Islam, sie repräsentieren nicht den Islam." Er sei nicht auf deren Seite und möge sie nicht.

Er habe allerdings den Eindruck gehabt, dass sein Nachbar Probleme gehabt habe, "denn er log sehr oft ohne Grund". Außerdem habe er Aufmerksamkeit gebraucht.

Ähnlich äußerte sich ein 28-jähriger Mitbewohner aus Pakistan gegenüber dem "Spiegel". Er habe ihn nie beten sehen. "Er war sicherlich kein fanatischer Muslim", zitiert ihn das Magazin.

Der Spitzname des Syrers sei "Rambo" gewesen – allerdings nicht wegen eines gewalttätigen Auftretens. Mit seinen schulterlangen Haaren und dem muskulösen Körperbau habe er offenbar an Sylvester Stallone erinnert, berichtet der "Spiegel".

6. Er sagte Behörden, er wolle keine Menschen töten müssen

Der mutmaßliche Attentäter des Bombenanschlags in Ansbach hatte im Gespräch mit Behörden angegeben, er sei aus Syrien geflohen, "weil er keine Waffen gegen Menschen tragen" wolle. Das berichtet die "Bild"-Zeitung.

Er hatte in einer Befragung am 24. August 2014 in Zirndorf den Behörden Auskunft über sein Leben in Syrien, seine Flucht und seine Einreise gegeben. Aus dem Bericht der Zeitung geht nicht hervor, wie das Blatt an diese Informationen gelangte.

Dabei habe er angegeben, aus Aleppo zu stammen. Er sei bei einem Raketenangriff schwer verletzt worden, seine Frau und seine Kinder seien tot. "Ich fürchte mich vor dem Tod und Demütigung. Ich will keine Waffen gegen Menschen tragen. Ich habe Angst vor einer Rückkehr nach Syrien, weil ich zu einem Mörder werden könnte", soll er nach dem Bericht gesagt haben.

7. Er hatte Kriegsverletzungen aus dem syrischen Bürgerkrieg

Der Syrer hatte gegenüber Behörden mehrmals versucht, mit einem Hinweis auf seine Verletzungen aus dem syrische Bürgerkrieg gegen eine Abschiebung vorzugehen.

So schrieb nach Angaben der "Bild" ein Nürnberger Anwalt am 13. November, dass D. aufgrund einer Knieverletzung nicht abgeschoben werden könne, die bereits in Bulgarien nicht behandelt worden sei. Dem Schreiben lag das Attest eines Chirurgen aus Ansbach bei.

Bei der Obduktion des toten Körpers nach dem Attentat sind tatsächlich Splitter an Füßen und Beinen gefunden worden. Es ist unklar, ob Mohammad D. diese als Zivilist bei einem Bombenangriff abbekommen hat - oder ob er als Soldat an Kampfhandlungen beteiligt war.

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(sk)