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Volker Beck kritisiert Moscheeverband - auch Sicherheitsexperten warnen vor türkischen Konflikten in Deutschland

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GREY WOLVES
Sicherheitskreise warnen vor türkischen Konflikten auf deutschen Straßen | Pacific Press via Getty Images
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  • Die türkische Regierungspartei AKP mobilisiert in Deutschland ihre Anhänger
  • Sicherheitskreise warnen davor, dass die Gewalt die deutschen Straßen erreicht
  • Auch Grünen-Politiker Beck warnt: "Was Imame in Deutschland derzeit predigen, ist gefährlich"

In der Türkei forciert Präsident Recep Tayyip Erdogan den rigorosen Umbau des Staates immer stärker. Zuletzt wurden zweitausend Einrichtungen mit Verbindungen zur Gülen-Bewegung geschlossen. Der Präsident dehnte per Dekret die Kompetenzen der Polizei weiter aus.

Auch in Deutschland mobilisiert die türkische Regierungspartei AKP nun ihre Anhänger. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) warnte ein hoher deutscher Sicherheitsbeamter: "Der Aufruf Erdogans, gegen Putschisten und Gegner vorzugehen, kann dazu führen, dass der innertürkische Konflikt auch auf deutschen Straßen ausgetragen wird.“

Deutsche Politiker wollen Überwachung der Erdogan-Verbände

Mehrere deutsche Politiker forderten zuletzt bereits in der Huffington Post, die Lobbyverbände Erdogans in Deutschland vom Verfassungsschutz überprüfen zu lassen.

"Es reicht nicht aus, dass Bundesinnenminister de Maizière betont, Recht und Ordnung müssten eingehalten werden. Dazu muss man auch über die Überwachung einschlägig bekannter Organisationen nachdenken", sagte etwa FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. "Ansonsten verkommt der Rechtsstaat zur Farce."

Moscheenverband Ditib in der Kritik

Besonders in der Kritik: Der Verband Ditib. Ditib ist der Dachverband von rund 900 Moscheevereinen in Deutschland. Er untersteht dem türkischen Religionsministerium.

Konkret heißt das: Erdogan hat die Kontrolle über Ditib - und damit über das politisch-religiöse Leben eines großen Teils der Türken in Deutschland.

Passend zum Thema: Lieber Zentralrat der Muslime, was in der Türkei passiert ist, war kein "Sieg des Volkes"

Laut Informationen der "FAS“ sind deutsche Sicherheitsbehörden auch über die Arbeit des Amtes für Auslandstürken, und der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus besorgt.

Erdogans langer Arm in Deutschland

Über diese sollen Erdogan und die AKP unmittelbar Einfluss auf die deutsche Innenpolitik ausüben. Laut Verfassungsschutz bezieht die AKP zunehmend extremistische Positionen. Die Erdogan-Partei soll sich rechtsextrem-nationalistischen Tendenzen annähern, wie sie auch die Grauen Wölfe vertreten.

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Wie hochradikalisiert die Erdogan-Unterstützer mittlerweile sind, habe sich zuletzt bei den Freitagsgebeten gezeigt, berichtet Ercan Karakoyun, Leiter der Gülen-Stiftung "Bildung und Dialog“.

Ditib-Imame schwadronieren von "teuflischen Plänen"

In Ditib-Moscheen sollen Imame den Putsch als "Prüfungsnacht“ bezeichnet haben, "bestimmte Kreise“ wollten mit "teuflischen Plänen“ dem türkischen Volk schaden.

Grünen-Politiker Volker Beck veröffentlichte auf Facebook die jüngste Freitagspredigt der Ditib-Moscheen. Darüber fragte er: "Ist das wirklich noch Religion oder eher eine politische Drohung in holprigem Deutsch an alle, die eine andere Auffassung als die AKP & Erdogan haben?"

Der einzige religiöse Bezug dieses "Aufwiegelungstextes" sei ein "eher banaler Hinweis" auf den Koran. Der Text der Predigt ist auf der Internetseite des DITIB-Verbandes zugänglich

In diesem heißt es in Bezugnahme auf die Putschisten in der Türkei: "Diese dem eigenen Volk zugefügte Behandlung der amoklaufenden Junta wird seitens des Volkes sicherlich nicht vergessen werden und die Teilhaber dieses fürchterlichen Versuchs werden immer verurteilt werden."

Beck bezeichnete die Predigt laut der "Welt" als "gefährlich". Der Grünen-Politiker sagte: "Diese Predigt trägt den politischen Konflikt aus der Türkei in die muslimischen Gemeinden nach Deutschland."

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, hatte in der Huffington Post bereits vergangene Woche vor "ersten Auswüchsen einer gezielten Verfolgung" türkischstämmiger Minderheiten in Deutschland" gewarnt. Jelpke sagte: "Ich erwarte von den Sicherheitsbehörden, dass sie diese Bedrohung ernst nehmen."

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