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Böhmermann rechnet nach dem München-Amoklauf mit Medien und Politikern ab

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BOEHMERMANN
Böhmermann rechet nach dem München-Amoklauf mit Medien, Panikmachern und Hetzern ab | JORG CARSTENSEN via Getty Images
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Nachdem sich Entertainer Jan Böhmermann zuletzt bereits mit einem ironischen Statement in die Killerspiel-Debatte eingeschaltet hatte, holte er nun noch einmal zum Rundumschlag aus.

In einem Post bei Facebook resümierte Böhmermann die Ereignisse der letzten Tage. Und formulierte, nicht ohne seinen gewohnten Zynismus, eine leise Hoffnung: "Was, wenn von Deutschland ausgehend ein Zeitalter der Vernunft anbräche?"

Böhmermann über AfD, Bundeswehr und den Amokschützen

Der ZDF-Satiriker kommentiert: "Ein in Deutschland geborener 18-jähriger, psychisch kranker Deutscher mit einem zweiten, iranischen Pass (den er sich nicht ausgesucht hat) feiert die wirren Manuskripte von Breivik, pilgert nach Winnenden, erschießt Türken, Araber, Kosovaren, Jugendliche. Vom Feierabendbier trinkenden, paradedeutschen Baggerfahrer wird er als 'Scheiß Kanacke!' beschimpft. 'Ich bin Deutscher,' ruft der Durchgeknallte. Und: 'Scheiß Türken!'"

"Indes wetzt die AfD die Messer, Ursula von der Leyen versetzt die Feldjäger in Alarmbereitschaft und der Bundesinnenminister, verloren im Neuland, sucht die Schuld bei ‚Killerspielen’", heißt es weiter.

AfD hetzte bereits am Freitag gegen Muslime

Mehrere AfD-Politiker hatten noch am Freitagabend begonnen, die Tat für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Und fielen damit zurecht gehörig auf die Schnauze: Denn der Amoklauf von München war kein Terroranschlag, wie viele der Kommentare von AfD-Mitgliedern nahelegten.

Die Tat war nicht islamistisch oder politisch motiviert, der Täter kein Asylbewerber (wie die sofort laut werdenden Rufe nach geschlossenen Grenzen suggerierten), sondern ein 18-Jähriger mit deutschem Pass.

Böhmermann: "Panikmaschine und Eventjournalisten"

Die von De Maizière recht unbeholfen aufgebrachte Killerspiel-Debatte und Verteidigungsministerin von der Leyens Erklärung, sie habe am Freitag die Bundeswehr in Bereitschaft versetzt, zeugen von der Hysterie, in die Deutschland durch die Bluttat von München versetzt wurde.

Auf diese zielt auch Böhmermann ab: "Beim Anblick der tolpatschigen Panikmaschine und der sachlichen, digitalen und zwischenmenschlichen Inkompetenz der dusseligen, aufgeregten Eventjournalisten wünscht man sich, der Münchener Polizeisprecher möge Chefredakteur sämtlicher deutscher 'Legacy-Medien' werden.“

Beginnt das Zeitalter der Vernunft?

Diesen zitiert Böhmermann: Verbrechen seien keine Frage der Nationalität, sondern der Kinderstube und der Erziehung, habe der Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums München, Marcus da Gloria Martins, in Bezug auf die Silvesternacht in Köln gesagt.

Böhmermann schließt: "Das zu erkennen ist vernünftig. Es offen zu sagen, erfordert keinerlei Mut. Wenn nicht, bleibt eben alles wie es ist; aber vielleicht beginnt es ja, das Zeitalter der Vernunft.“

Vernunft: Sie hatte bei der Debatte in Folge des München-Amoklaufs lange gefehlt. Aber vielleicht sind die Töne, die Böhmermann in seinem Facebook-Post anschlägt, ja nicht nur als wütender Zynismus zu verstehen.

Vielleicht gibt es tatsächlich einen Hoffnungsschimmer.

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(bp)