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Terrorexperte: "Soziale Medien sind in München missbraucht worden"

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MUNICH
Terrorexperte: "Soziale Medien sind in München missbraucht worden" | Johannes Simon via Getty Images
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"Schüsse am Stachus". "Schüsse am Marienplatz". "Am Isartor". Allerlei Falschmeldungen verbreiteten sich in der Nacht des Amoklaufs von München in den sozialen Netzwerken.

Sie führten zu Verunsicherung und Spekulation. Spekulation darüber, ob es sich um geplante Terroranschläge an mehreren Schauplätzen handelte - mit mehreren Tätern. Letztlich war es ein Amoklauf. Die Wahnsinnstat eines Einzelnen.

Doch solange das nicht feststand, boten Soziale Netzwerke Verschwörungstheoretikern und Islamhassern genügend Futter.

Joachim Krause, Terror-Experte und Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, empfindet die sozialen Netzwerke im Hinblick auf Katastrophen und Anschläge als "ambivalent“.

Terrorexperte warnt vor Falschmeldungen - und ihrer Wirkung

Einerseits seien sowohl die Polizei, als auch die Medien so an Bilder und Informationen gekommen, die sie sonst nicht bekommen hätten. Andererseits seien auch "lauter Falschmeldungen dabei“.

"Dann sieht man Bilder, angeblich aus München, tatsächlich sind das Bilder aus Beirut oder sonst wo gewesen. Da machen sich manche Leute den Spaß und stellen bei Facebook oder Twitter irgendwelche Meldungen ein und freuen sich, wenn das im Fernsehen erwähnt wird“, sagte Krause im Interview mit dem "Deutschlandfunk“.

Nicht nur Fernsehsender wie N24 oder ntv nahmen in der Nacht des Amoklaufs von München jedes Körnchen Information auf, das in sozialen Netzwerken gestreut wurde. Auch die Polizei ging sämtlichen Hinweisen nach – so auch den Falschmeldungen über Schüsse in der Münchner Innenstadt.

Krause: "Alle warten darauf, dass demnächst so ein Anschlag bei uns geschieht"

Krause hält die Hysterie, mit der sich Medien auf Meldungen gestützt hatten, für gefährlich: "Es führt nur dazu, dass manche Leute, die Selbstmord begehen wollen oder Anschläge begehen wollen, eigentlich sich sagen: Mensch, da kann ich mit relativ wenig Einsatz relativ großen Erfolg erzielen.“

2.300 Polizisten waren im Einsatz, sogar die Sondereinsatztruppen GSG 9 und die österreichische Cobra wurden hinzugezogen. Die Truppen überprüften alle vermeintlichen Tatorte und sperrten Fluchtwege für mögliche Täter.

"Ich fand es schon ein bisschen viel“, sagte Krause im Hinblick auf den gigantischen Polizeieinsatz. Doch er könne die Überreaktion nachvollziehen: "Alle Welt wartet drauf, dass demnächst so ein Anschlag wie in Brüssel oder Paris bei uns geschieht, und dann werden natürlich die großen Kaliber gezogen“.

Gelungener Polizeieinsatz könnte abschreckenden Effekt auf potenzielle Attentäter haben

Die Polizei habe aber damit auch gezeigt, dass sie für den Ernstfall, einen Terror-Akt, gut vorbereitet sei: "Das hat möglicherweise einen abschreckenden Effekt.“

Der Amoklauf von München hat einmal mehr gezeigt, welche Macht die sozialen Netzwerke haben – und wie diese Macht missbraucht werden kann.

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(lp)