Huffpost Germany

Wie Münchener versuchen, mit dem düsteren Wochenende umzugehen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MUENCHEN
Wie Münchener versuchen, mit dem düsteren Wochenende unmzugehen | dpa / Twitter
Drucken

München trauert. Am Tag nach dem Amoklauf, bei dem ein 18-Jähriger neun Menschen umbrachte, ist von Normalität noch wenig zu spüren.

Rings um den Ort, wo am Freitagabend die Schüsse fielen, legen Passanten, Freunde und Angehörige immer wieder Blumen und Kerzen nieder. Auch Politiker wie Ministerpräsident Horst Seehofer und Vertreter der Kirchen spenden Blumenkränze und beten gemeinsam für die Toten und die Verletzten.

Doch in die traurigen Töne mischen sich auch optimistische. München zeigte sich am wohl düstersten Wochenende, das die Stadt seit mehreren Jahrzehnten erlebte, mehr als menschlich.

Offene Türen bieten Hunderten Schutz

Diese Menschlichkeit begann mit den offenen Türen. Menschen luden Schutzsuchende, die aufgrund des Ausfalles der öffentlichen Verkehrsmitteln gestrandet waren, oder einfach Angst hatten, sich weiter durch die Stadt zu bewegen, in der ganzen Stadt in ihre Wohnungen und Häuser ein.

Auch die Moscheen der Stadt machten mit: Die ganze Nacht blieben sie für alle Menschen geöffnet, die einen sicheren Ort suchten.

Menschen blieben ruhig und halfen einander

Die Menschlichkeit ging weiter bei den zahllosen Menschen, die trotz der immer neuen Schreckensnachrichten nicht in Panik verfielen. Keine Schuldigen suchten. Versuchten den Mitmenschen zu helfen, wo es nur ging.

Sicherheitskräfte leisteten Großes

Und bei den Sicherheitskräften, die herausragende Arbeit verrichteten. Die Zusammenarbeit der Behörden Bayerns und des Bundes habe eng und nahtlos“ funktioniert, lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und die Menschen in München und ganz Deutschland sahen das ähnlich.

Trotz der immer wieder laut werdenden Falschmeldungen über weitere Schießereien, die tausende in Panik versetzten, konnte die Polizei schlimmeres verhindern. Auch dank der zahlenmäßig großen Präsenz von über 2000 eingesetzten Beamten.

Polizeisprecher wird zur Symbolfigur

In den sozialen Netzwerken wurde insbesondere Münchens Polizeisprecher Marcus da Gloria Martens als Held gefeiert. "Wichtig ist mir der Aspekt, dass man Ruhe bewahren sollte", sagte der Pressesprecher der Münchner Polizei immer wieder. Dafür schien er selbst das beste Beispiel zu liefern.

Menschen wollen Normalität

Und diese Menschlichkeit zeigte sich nicht zuletzt bei den Menschen, die sich weigerten sich durch die Gewalttat die Freude am Leben nehmen zu lassen. Bereits am Freitagabend füllte sich die Innenstadt wieder, Menschen saßen in der Nähe des Hauptbahnhofes in Cafés und Restaurants und brachten der Stadt ein bisschen dessen zurück, was sie nach den Stunden des Horrors so dringend brauchte: Normalität.

"München, lächle wieder! Ein Bier für ein Lächeln“, hat dieser junge Mann auf ein Pappschild geschrieben.

Er lässt ein Bier an einem Flaschenzug herunter. Es ist Symptomatisch dafür, wie viele Münchner solidarisch – und mit einem Augenzwinkern - versuchen, die schwarzen Tage zu überstehen.

Auch auf HuffPost:

Das sagt eine Nachbarin über den Deutsch-Iraner

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png