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Claus Kleber hat eine Botschaft an alle, die die Berichterstattung von ARD und ZDF kritisieren

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CLAUS KLEBER
Claus Kleber hat eine Botschaft an alle, die gerade die Terror-Berichterstattung von ARD und ZDF kritisieren | Franziska Krug via Getty Images
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  • In den vergangenen Tagen sind die öffentlich-rechtlichen Sender für ihre Nachrichtenberichterstattung massiv in die Kritik geraten
  • ZDF-Sprecher Claus Kleber reagierte nun mit einem emotionalen Beitrag auf die Anfeindungen

Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen erneut im Kreuzfeuer der Kritik. Bereits über die Berichterstattung während des Türkei-Putsches hatten sich viele Zuschauer beschwert: Zu langsam hätten ARD und ZDF reagiert, die Brisanz der Lage nicht erkannt.

Statt Live-Berichterstattung gab es "Tatort"-Wiederholungen und Konzerte. "Wenn die TV-Sender so arbeiten, braucht sie im Online-Zeitalter niemand mehr“, so das Urteil vieler User im Netz.

Auch jetzt, nach dem Amoklauf von München, wird die Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen wieder laut.

Während sich Online-Medien, aber auch die Nachrichtensender N24 und ntv mit Breaking News nur so überschlugen, hielten sich ARD, ZDF und Phoenix mit neuen Infos eher bedeckt.

ZDF-Nachrichtensprecher Claus Kleber hat sich in einem Gastbeitrag in der "Süddeutschen Zeitung“ an die Kritiker gewandt – mit einer eindringlichen Botschaft.

ARD und ZDF stehen regelmäßig am Pranger

Der Artikel entstand noch vor dem Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Doch er ist heute wohl aktueller denn je.

Kleber schreibt: "Die Zeitläufe sind leider so, dass öffentlich-rechtliche Sender mittlerweile fast im Monatsrhythmus an den Pranger gestellt werden, wenn sie nicht ohne Zögern und ohne Zeitbegrenzung ‚drauf gehen’.“

Dass eben das nicht im geschehe, liege allerdings nicht am mangelnden Engagement der Nachrichtenredaktionen. Der ZDF-Sprecher betont, es seien in den Redaktionen „besondere Augenblicke“, wenn es zu akuten Nachrichtenlagen käme: "Jeder weiß, dass er jetzt gebraucht wird. Kollegen und Kolleginnen rufen von außerhalb an oder kommen gleich ins Haus, weil jede weitere Hand wertvoll ist.“

Die Kritik sei da "jedes Mal einen Stich“.

Schnelligkeit ist ein fragwürdiger Maßstab

Kleber betont, "schnell" sei zum fragwürdigsten Maßstab im Journalismus geworden. Der Nachrichtensprecher schreibt: „Wenn Mörder oder Opfer einem jederzeit empfangsbereiten Publikum Verbrechen live in die Telefone senden, ist Geschwindigkeit als Qualitätskriterium überholt.“

Nach dem Militärputsch in der Türkei hatten Medien-Experten und Nutzer insbesondere die Bedeutung der sozialen Medien und Streamingdienste betont, über die Betroffene und Journalisten live aus der Türkei berichteten.

Kleber erklärt: Bei den öffentlich-rechtlichen Sender stelle man sich, statt direkt live zu senden, einige wichtige Grundsatzfragen. "Wie wichtig ist das Ereignis überhaupt? Was wissen wir sicher? Was habt ihr an Programm zu bieten? Besorgen wir so nicht das Geschäft der Terroristen? Wäre es nicht besser, wenn ihr euch erst mal sortiert und was mit Hand und Fuß liefert?“

Auch ihn störe das manchmal, einige Entscheidungen blieben Kleber "unbegreiflich“. Im Prinzip sei eine so kritische Prüfung aber richtig.

Öffentlich-Rechtliche können nicht mit Sozialen Medien konkurrieren

Es sei niemandem geholfen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich mit ihren "traditionell ausgestrahlten Programmen auf ein Rattenrennen mit Social Media einlassen“.

Denn: Die Sozialen Medien sorgen auch für eine massive Zahl von Falschmeldungen. Zudem erhielten Videos von Täter und Opfern, die unreflektiert weitergegeben werden, erst durch die Ausstrahlung im Fernsehen ihr Gewicht.

Die Münchner Polizei beklagte sich nach dem Amoklauf von München über tausende Falschmeldungen, die Polizisten aus verschiedensten Orten der Stadt bekam. Auch rief sie mehrmals dazu auf, Videos und Fotos von der Polizeiarbeit, Opfern und Tätern nicht zu veröffentlichen, sondern direkt an die Polizei weiterzuleiten.

Kleber: "Wir kriegen keine Anweisungen von Oben"

Nicht nur die mangelnde Schnelligkeit der Nachrichtensendungen und ihre vermeintliche Distanz zum Geschehen prangern Kritiker in den letzten Tagen zunehmend an. Auch an der Glaubwürdigkeit der Medien zweifeln in Deutschland viele Menschen. Laut einer Umfrage von infratest dimap bringen nur 52 Prozent der Deutschen den klassischen Medien Vertrauen entgegen.

Kleber stellt klar: "Wir (Nachrichtenleute, Anm. d. Red) empfangen - entgegen anderslautenden Behauptungen aus Lügenfressen - keine Anweisungen ‚von oben’.“

Die Sender versuchten den Zuschauern zu bieten, was soziale Medien und Periscope-Videos nicht liefern könnten: "Für zig Millionen Menschen die gut überlegte Balance zwischen nah dran/sofort und dem Bild im großen Rahmen, das nur mit Abstand, Professionalität und kühlem Verstand zu schaffen ist.“

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