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ZDF-Moderatorin Hayali kritisiert Medien: "Wenn Erdogan das schafft, sollte es bei uns klingeln"

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ZDF-Moderatorin Hayali kritisiert Medien: "Wenn Erdogan das schafft, sollte es bei uns klingeln" | Isa Foltin via Getty Images
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  • Die öffentlich-rechtlichen Sender sind in den letzten Tagen zunehmend in die Kritik geraten
  • Grund ist die Berichterstattung in Ausnahmelagen wie beim Amoklauf in München
  • ZDF-Moderatorin Hayali verteidigte ARD und ZDF nun in einigen Punkten - übte aber auch scharfe Kritik

Der blutige Amoklauf von München war auch für die Fernsehsender eine Ausnahmesituation: Die unklare Lage in der bayerischen Hauptstadt sorgte zu einer in Teilen wirren Berichterstattung. Ein Mal mehr rückten am Freitagabend so auch die Medien in den Fokus.

Viele Fernsehzuschauer bekundeten im Netz ihren Unmut über den Umgang der öffentlich-rechtlichen Sender mit den Vorfällen in München. Dabei vorherrschend: Zwei – scheinbar gegenläufige - Meinungen.

Die einen kritisierten die späte Reaktion der öffentlich-rechtlichen Sender auf die Geschehnisse in München.

Andere waren erzürnt über die vielen Falschmeldungen und Spekulationen, die es aus den sozialen Netzwerken direkt in die Nachrichtensendungen schafften. Zu voreilig hätten Nachrichtensender und Öffentlich-Rechtliche diese in ihr Programm aufgenommen.

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hat nun auf die Kritik reagiert. Sie erklärte in einem emotionalen Beitrag auf ihrer Facebookseite den Zweispalt, in dem sie sich als Nachrichtenmacherin befinde.

Hayali lobte Twitter nach Türkei-Putsch

Noch vor einer Woche hatte Hayali die sozialen Medien als Nachrichtenkanal in hohen Tönen gelobt. "An Tagen wie diesen weiß man wieder, wozu Social Media gut ist. Dank an alle, die uns auch über Twitter und Co auf dem Laufenden halten.", schrieb die Moderatorin angesichts des andauernden Militäraufstandes in der Türkei.

Während die öffentlich-rechtlichen Sender damals erst spät und auch eher kurz über die Vorfälle berichteten, zeigten sich die Vorzüge von Twitter, Facebook, Periscope und Online-Medien deutlich.

Hayali schrieb nun über die Möglichkeiten dieses Informationsangebotes: "Die Schnelligkeit ist beeindruckend, die Vielfalt der News auch, aber sie ist auch gefährlich.“

Das habe sich in München gezeigt. Am Freitagabend gingen nach der Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum bei der Polizei tausende Meldungen über weitere Gefahrensituationen ein, von denen sich keine als wahr herausstellte.

Hayali: "Kein entweder oder"

Hayali kritisierte das Verhalten vieler Internetnutzer scharf: "Dass einige Menschen Fotos von Opfern veröffentlicht und Fakebilder in Umlauf gebracht haben, und das, obwohl die Polizei München eindringlich zur Besonnenheit aufgerufen und uns gleichzeitig wirklich gut informiert hat, lässt mich sprachlos zurück.“

Für sie gebe es nur eine Möglichkeit das Dilemma zwischen schnellen unsicheren Informationen und fundierter aber langsamer Berichterstattung zu überwinden. Die ZDF-Moderatorin schrieb: "Es gibt für mich kein entweder TV oder soziale Netzwerke mehr. Ich nutze beides. Parallel. Das ist der Mehrwert, den wir in Deutschland haben.“

Wie Claus Kleber, der in einem Beitrag in der "Süddeutschen Zeitung“ eine ähnliche Auffassung vertrat, wies auch Hayali auf die besondere Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Sender hin.

Hayali: "Hätten mittlerweile ganz andere Möglichkeiten"

"Wir sind die, die uns ständig hinterfragen müssen. Was sollen wir wirklich zeigen? Können wir die Bilder einordnen, gibt es eine Bestätigung der Informationen, helfen wir den Terroristen, wenn wir über Strategien sprechen, schüren wir Verunsicherung?“

Das heiße nicht, das alles richtig gelaufen sei, betonte Hayali – und übte dann auch scharfe Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern.

Vieles in Nachrichtensendungen sei zur Pose erstarrt. Manches werde gemacht, weil es immer schon so gemacht wurde. Hayali betonte: "Uns allen stehen mittlerweile ganz andere technische Möglichkeiten zur Verfügung. Wenn sich schon Erdogan via Facetime an die Fernsehzuschauer wendet, dann sollte es auch bei uns mal klingeln.“

In der Nacht des Putsches hatte der Sender CNN Türk den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan per Videotelefonie zugeschaltet. Erdogan rief seine Bevölkerung dazu auf, gegen die Putschisten auf die Straße zu gehen. Der Coup wurde niedergeschlagen.

Nach dem Abend des Putsches feierten viele Medienmacher die neuen Möglichkeiten der Technologie. Auch Facebook bot eine interaktive Karte an, in der Nutzer Livestreams von Augenzeugen auf einer Karte anwählen konnte.

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