Huffpost Germany

Nacht der Panik - Die 6 wichtigsten Fakten über den Anschlag von München

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MNCHEN
dpa
Drucken
  • Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner hat in München 9 Menschen und sich selbst getötet
  • Hier sind die 6 wichtigsten Fakten zum schrecklichen Attentat

München unter Schock: Neun Menschen werden am Olympia-Einkaufszentrum erschossen, 16 weitere verletzt. Am Freitagabend spricht die Polizei zunächst von einer Terrorlage. 2300 Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Busse und Bahnen stellen den Betrieb ein.

München ist im Ausnahmezustand. Über Stunden ist unklar: Wie viele Täter gibt es und wo sind sie? Die Entwarnung kommt in der Nacht: Die Polizei geht davon aus, dass der mutmaßliche Schütze, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, allein gehandelt hat. Er hat sich selbst getötet.

Hier sind 6 Fakten über die lange Nacht von München.

1. Das wissen wir über den Täter

Am frühen Samstagmorgen tritt Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä vor die Presse. Die Ermittler sind überzeugt: Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner feuert die ersten Schüsse am frühen Abend in einem Schnellrestaurant ab, anschließend schiesst er an dem Einkaufszentrum aus seiner Pistole und ergreift die Flucht.

Nach der Bluttat stellt ihn früh eine Zivilstreife, die auch auf ihn schießt. Unklar ist bislang, ob der 18-Jährige dabei auch getroffen wird. Seine Leiche wird etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt in einer Nebenstraße gefunden. Dort stellt die Polizei auch eine Pistole sicher.Es soll sich um eine Glock handeln.

münchen

Der Deutsch-Iraner soll in München aufgewachsen sein. Er ging noch zur Schule, lebte bei seinen Eltern. Er soll in psychiatischer Behandlung gewesen sein. Die Behandlung stand in Verbindung mit einer depressiven Erkrankung.

Der Täter soll laut Polizei einen Facebook-Account gehackt haben, um seine Opfer in die McDonald's-Filiale einzuladen, in der die Tat stattfand. Unter den Opfern seien auffallend viele Minderjährige mit Migrationshintergrund, darunter drei Frauen. Ein Video, das den Täter auf dem Dach des Einkaufszentrum zeigt, legt nahe, dass sich der Amoklauf gegen seine Mitschüler richtete.

2. Über den Hintergrund ist noch wenig bekannt

Von weiteren Tätern geht die Polizei inzwischen nicht mehr aus. Am Freitagabend wurde zeitweise nach drei möglichen Tätern mit Gewehren gefahndet.

Es soll sich bei der Tat um einen klassischen Amoklauf gehandelt haben - keinen Terroranschlag. Der Anschlag könnte im Zusammenhang mit dem fünften Jahrestags des Breivik-Attentats stehe, sagte Polizeichef Andrä.

Die Durchsuchung des Zimmers des mutmaßlichen Täters ergab, dass sich dieser "für das Thema Amok" interessierte, gab die Polizei bekannt.

Es wird gemutmaßt, dass der mutmaßliche Täter in der Schule gemobbt wurde.

München: Alle Entwicklungen in unserem Live-Blog

3. München ist im Ausnahmezustand

Nach den Schüssen am Olympiazentrum ist in manchen Teilen der Stadt Panik ausgebrochen. Das Hauptaugenmerk der Polizei liegt nach den Schüssen vor allem darauf, die Sicherheit in München zu gewährleisten, sagt Andrä.

Darum warnt die Polizei am Freitagabend vor einer "akuten Terrorlage", die Landeshauptstadt ruft den "Sonderfall" wegen einer "Amoklage" aus. Und: Die Polizei fordert die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an.

münchen
Münchens Hauptbahnhof ist über viele Stunden abgesperrt, der Zugverkehr wird eingestellt

Der öffentliche Nahverkehr - U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen - wird in der Stadt für mehrere Stunden komplett eingestellt, auch der Zugverkehr steht still. Der Münchner Hauptbahnhof wird evakuiert, Ärzte und Schwestern werden in die Krankenhäuser gerufen. Restaurants in der Innenstadt schließen aus Sicherheitsgründen.

Mehrere Fehlalarme und Gerüchte im Internet sorgen für zusätzliche Angst auf den Straßen. Unklar ist anfangs, ob es in der Innenstadt eine weitere Attacke gibt. Auch dort rücken schwer bewaffnete Polizisten aus, nachdem Menschen schreiend und in Panik geflohen sind. Ein Polizeisprecher sagt später, zahlreiche Hinweise per Notruf über Schusswechsel an anderen Stellen der Stadt hätten sich nicht bestätigt.

Die Landeshauptstadt fordert die Bürger nach den Schüssen zunächst per Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Facebook aktiviert den "Safety Check" für München. Damit können Bewohner ihre Freunde darüber informieren, dass sie in Sicherheit sind. Etliche Münchner twittern den Hashtag #OffeneTür, um anderen Menschen Unterschlupf zu gewähren.

Nun hat sich die Situation wieder beruhigt. Die Polizei gab bekannt, es gebe keinen Grund mehr, die Öffentlichkeit zu meiden.

4. Auffallend viel Lob für den Einsatz der Münchner Polizei

Vor Journalisten spricht Polizeipräsident Andrä vom bisher schwersten Tag seiner Karriere. "Das Geschehen von gestern Abend und heute Nacht macht uns traurig, sprachlos, und die Gedanken sind insbesondere jetzt auch bei den Opfern", sagt er. Und es ist auffällig, wie viel Lob die Beamten für ihre Arbeit in der Nacht bekommen. Und das nicht nur von CDU und CSU, sondern auch der SPD.

polizeisprecher
Münchens Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins

SPD-Chef Sigmar Gabriel schreibt, die Polizei habe „Großartiges“ geleistet. Herbert Reul, Vorsitzender der Unionsgruppe im Europäischen Parlament, schreibt von einem „großen Einsatz“. Die Zahl der Einsatzkräfte sei immens gewesen – auch deswegen, weil sie lange befürchtet haben, es seien mehrere Täter auf der Flucht. Mehr Reaktionen lest ihr hier.

5. Politiker und Prominente reagieren bestürzt - Merkel bleibt stumm

Der erste Spitzenpolitiker, der sich zu dem Anschlag äußert, ist US-Präsident Barack Obama. Er sei bestürzt über die Ereignisse - "wir sichern Deutschland jegliche Unterstützung zu, die das Land benötigt."

Bundespräsident Joachim Gauck äußert sich bestürzt: "Der mörderische Angriff in München entsetzt mich zutiefst." In Gedanken sei er bei allen Opfern und bei allen, die um einen geliebten Menschen trauerten oder fürchteten. Kanzleramtsminister Peter Altmaier sagt im ZDF: "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen ihr Ziel erreichen, nämlich unsere Gesellschaft zu verunsichern."

Der britische Außenminister Boris Johnson äußert sich schockiert über die tödlichen Schüsse in München. "Wir sind alle schockiert und traurig über das, was passiert ist", sagt Johnson bei einer Pressekonferenz während seines Antrittsbesuchs bei den Vereinten Nationen in New York.

Der französische Präsident François Hollande richtet eine „persönliche Unterstützungsbotschaft” an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Kanzlerin Angela Merkel hat sich bislang nicht zu dem Attentat geäußert - sie hat am Freitag ihren ersten Urlaubsabend und ist nicht im Kanzleramt - sehr wohl aber "im Dienst", wie es heißt. Und nicht weit weg vom Regierungssitz. Sie wird das Sicherheitskabinett leiten.

6. Völlig unklar ist, welche Konsequenzen der Anschlag haben wird

Es ist bereits die zweite schwere Gewalttat in Deutschland innerhalb weniger Tage. Erst am Montagabend verletzte ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer vier Touristen aus Hongkong in einem Regionalzug bei Würzburg schwer. Einsatzkräfte erschossen den Jugendlichen. Diese Tat soll einen islamistischen Hintergrund haben.

Dennoch halten sich Spitzenpolitiker bislang mit Forderungen nach verschärften Sicherheitsmaßnahmen zurück. Man zeigt sich tief betroffen und entsetzt - möchte aus dem Amoklauf aber noch keine voreiligen Schlüsse ableiten. Die Hintergründe des Attentats seien noch völlig unklar. "Es ist schrecklich und gänzlich unfassbar, was in München passiert ist", sagt Innenminister Thomas de Maiziere.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.