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Einkommens-Studie: Liebe Generation Y, mit dieser schlechten Nachricht müsst ihr leben

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YOUNG PEOPLE
Experten warnen: Wir werden ärmer sein als unsere Eltern | Diverse Images/UIG via Getty Images
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  • Wir werden es nicht mehr besser haben als unsere Eltern
  • Das belegt eine neue Studie von McKinsey
  • Fast 70 Prozent der Haushalte verdient heute nicht mehr als früher

Das McKinsey Global Institute (MGI), eine Forschungseinrichtung der McKinsey-Unternehmensberatung, hat eine üble Vorahnung mit Zahlen belegt: Die Experten für das Papier "Poorer than their Parents?" haben untersucht, wie viel die Menschen in 25 hoch entwickelten Ländern, darunter Deutschland, 2014 verdienten - und das mit dem Jahr 2005 verglichen:

In bis zu 70 Prozent der Haushalte stagnierte das Einkommen aus Arbeit oder Kapitalanlagen – oder sank sogar.

Wie erschreckend diese Zahl ist, erschließt sich erst, wenn man weiß, wie sich das Haushaltseinkommen früher entwickelte: Im Jahr 2005 verdienten im Vergleich zu 1993 nur zwei Prozent der Haushalte gleich viel oder weniger.

Früher waren von dem Effekt knapp zehn Millionen Menschen betroffen. Heute sind es 580 Millionen.

Reformen haben einen dramatischen Einkommensverlust verhindert

Viele Staaten haben viel getan, um aus dieser Entwicklung keine Katastrophe werden zu lassen. Durch Sozialleistungen und Steuerreformen haben sie erreicht, dass "nur" noch bis zu 25 Prozent der Haushalte tatsächlich weniger Geld zur Verfügung haben.

Das mildert den Effekt, löst aber nicht das Problem. "Die junge Generation von heute läuft in vielen Ländern Gefahr, ärmer zu werden als ihre Eltern", sagt Solveigh Hieronimus, Arbeitsmarktexpertin der Unternehmensberatung.

"Warum wächst das Einkommen nicht mehr

Ursache der Entwicklung ist der Studie vor allem die Finanzkrise 2008, von der sich die Wirtschaft nur langsam erholt. Eine Rolle gespielt hätten aber auch die Überalterung der Bevölkerung und eine geringere Haushaltgröße.

Und um noch eine schlechte Nachrichten draufzusetzen: Es sieht nicht so aus, als würden wir das Ruder schnell herumreißen.

Der technische Fortschritt, die Automatisierung, kann dem Papier nach dazu führen, dass sich in einigen Berufen auch künftig nicht mehr viel verdienen lässt.

Weniger verfügbares Einkommen bremst die Nachfrage und damit das Wirtschaftswachstum, Sozialausgaben steigen, und viele Menschen sind frustriert. Das hemmt nicht nur die Innovationsfreude, viele schieben ihre Probleme anderen in die Schuhe. Flüchtlingen zum Beispiel.

Was Deutschland gut macht

Es gibt aber auch gute Nachrichten.

Schweden hat es laut der Studie als einziges Land geschafft, das Einkommen der Mittelschicht zu steigern, unter anderem durch Vereinbarungen mit Gewerkschaften zur Kurzarbeit nach der Krise, um Jobs zu erhalten. Durch eine Senkung der Lohnsteuer, durch Anreize, Junge oder Langzeitsarbeitslose einzustellen.

Auch Deutschland kommt in der Studie vergleichsweise viel Lob ab: für berufsbildende Schulen, für die hohe Zahl an Praktika, die junge Menschen absolvieren, für die rechtliche Gleichstellung von Leiharbeitern mit Festangestellten, für das System von Kurzarbeit in Krisen.

Wie genau Deutschland abschneidet, lässt sich nicht herauslesen. Die Experten des MGI haben explizit nur die Daten aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Schweden, Großbritannien und den USA ausgewertet und das dann auf andere 19 Länder hochgerechnet – ein Manko der Studie.

Was heißt das für uns, für unsere Generation?

Für uns, für die junge Generation, heißt die Studie: Wir müssen uns verdammt anstrengen. Und es wird sich lohnen.

Wir müssen uns politisch engagieren. Die Studie belegt, wie viel es bringt, wenn sich Regierungsparteien nicht nur um ihre Klientel kümmern, sondern um alle. Nicht nur um Rentner und Reiche, sondern um die Zukunft: also um uns, die Jungen.

Wir müssen mutig sein. Unternehmergeist lohnt sich.

Wir müssen neu denken. Zum Beispiel Formen der nicht-monetären Bezahlung akzeptieren, wie die Autoren vorschlagen.

Wir müssen alle mitnehmen. Als Gesellschaft können wir uns nur entwickeln, wenn nicht ganze Schichten abgehängt werden.

Wir müssen lernen, lernen, lernen. Praktisch, theoretisch. Egal, wie alt wir sind. Abgehängt werden die, die schlechte Bildung haben.

Wir müssen uns selbst kümmern. Wir müssen zum Beispiel unsere Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen, denn die Zeit, in der alles ohnehin besser wurde, ist vorbei. Endgültig.

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(lk)