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Ex-CDU-Politiker Geißler: "Es gibt Geld wie Dreck auf der Erde - es haben nur die Falschen"

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GEISSLER
Der CDU-Politiker Heiner Geißler | ullstein bild via Getty Images
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  • Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler spricht über die Gründe der aktuellen Krise in der Welt
  • Die sei durch den Islamismus und einen unethischen Finanzkapitalismus verursacht
  • Er sieht ein "Wegbrechen ethischer Fundamente"

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sorgt in den letzten Jahren mit seiner Hinwendung zu linken Positionen für Aufsehen. Der einstige Generalsekretär der CDU trat 2007 der globalisierungskritischen Organisation Attac bei und verursachte damit Kopfschütteln bei seinen Parteikollegen.

In einem Interview mit "Focus Online" erklärte er seine Sicht auf die Gründe der aktuellen Krise der Welt, die sowohl Europa als auch die USA, China und Russland umfasse. "Sie ist entstanden, weil in vielen Ländern die ethischen Fundamente weggebrochen sind", sagt er darin.

"Nationalismus wird zu einer Art Ersatzreligion"

"In weiten Teilen der Welt ist mittlerweile der Nationalismus zu einer Art Ersatzreligion geworden", so Geißler weiter. In vielen Gebieten der Welt steige die Feindlichkeit gegen Fremde, nicht nur in Ländern wie Russland oder der Türkei, sondern auch in den USA, Großbritannien und Europa.

Dies habe zwei Gründe: zum einen die islamistischen Terroranschläge und der Aufstieg des Islamischen Staates. Der produzieren nicht nur Angst vor dem Islam, sondern habe darüber hinaus auch noch Flüchtlingsbewegungen verursacht, die weitere Ängste gegenüber Fremden auslösen.

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Zum anderen bedrohe die kapitalistische Gesellschaftsordnung Milliarden Menschen in ihrer Existenz. "Und alle Staaten, von denen wir reden, sind davon angesteckt – von einem politisch nicht kontrollierten absolutistischen System der Kapitalinteressen", so Geißler.

"Die Menschen wissen nicht, welches Ende das nehmen wird"

"Wir haben es mit der Ausbeutung ganzer Kontinente zu tun, etwa von Afrika, Asien, und Lateinamerika", sagte er. Die internationalen Finanzmärkte sorgten dafür, dass Lebensmittel Gegenstand der Börsenspekulation werden. Geißler sieht darin ein "Wegbrechen der ethischen Fundamente".

Die demokratischen Länder könnten weder den Islamismus noch den Kapitalismus kontrollieren. "Das verstärkt sich bei vielen Menschen zu einer Zukunftsangst. Sie wissen nicht, welches Ende das nehmen wird", so Geißler.

Ob diese Situation beherrscht werden könne, hänge davon ab, wie sich die europäischen Demokratien weiterentwickelten. Geißler sieht hier Deutschland in der Hauptverantwortung.

"Die Bundesrepublik ist von Anfang an ein Staat gewesen, dessen Politik ein ethisches Fundament hatte – wie kein anderer Staat in Europa. Deshalb läuft der Führungsanspruch auf Deutschland zu."

Die Deutschen sollten sich nicht genieren, diesen Führungsanspruch auch auszusprechen – natürlich mit Verbündeten wie Frankreich und Italien.

Europa müsse humane Ziele wie die Behebung der Fluchtursachen, die Umsetzung der Klimaziele oder das Verbot der Spekulation mit Lebensmittel durchsetzen. Daher sei die Einigkeit Europas die Voraussetzung für alles andere.

"Es gibt Geld wie Dreck auf der Erde. Es haben nur die falschen Leute", sagte der CDU-Politiker.

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(lk)