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So widerlich reagiert die AfD auf die Bluttat von München

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  • Nach der Bluttat von München nutzen AfD-Politiker den Anschlag bereits jetzt für politische Zwecke
  • Mehrere AfD-Politiker gaben bei Twitter Zuwanderern und der Bundeskanzlerin die Schuld an dem Anschlag
  • Dabei ist derzweit weder Anzahl noch Hintergrund und Motivation der Täter bekannt
  • Eine Zusammenfassung und weitere Tweets seht ihr im Video oben

Noch bevor es irgendwelche Informationen über die Hintergründe der Schießerei in München gab, nutzten AfD-Politiker und andere rechte Kräfte den vermeintlichen Terrorakt schon für ihre politischen Zwecke.

Es ist, als hätten viele Rechte und Rechtsradikale in diesem Land nur darauf gewartet, dass etwas passiert. Und vielleicht fällt es diesen Menschen deshalb so schwer, ihre Finger still zu halten. Zumindest, bis belastbare Informationen über das Motiv des Täters verfügbar sind.

Christian Lüth, Pressesprecher der Bundes-AfD, twitterte umgehend nach den ersten Berichten über eine Schießerei am Olympia-Einkaufszentrum: "#AfD wählen! Schüsse am Olympia Einkaufszentrum: Tote in München – Polizei spricht von akuter Terrorlage“.

Volker Beck: "Widerwärtig"

Den Tweet hat Lüth bereits wieder gelöscht. Grünen-Politiker Volker Beck verurteilte den Beitrag als "widerwärtig“. "Wenn es Einsicht sein sollte, wäre Entschuldigung fällig“, schrieb Beck weiter.

Auch die AfD Sachsen reagierte schnell auf die Schock-Meldung aus München. Der Landesverband forderte Kanzlerin Angela Merkel via Twitter auf, die Grenzen dichtzumachen – noch bevor irgendetwas über die Herkunft des Schützen bekannt ist.

AfD schiebt Merkel die Schuld zu

Lüth retweetete zudem weitere Twitter-Meldungen, in der Nutzer Angela Merkel die Schuld an der Bluttat geben.

Der AfD-Vorsitzende von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, meldete sich ebenfalls auf Twitter zu Wort.

Offenbar in ironischer Anspielung auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung "bedankte“ sich Poggenburg für den "Terror in Deutschland und Europa“.

In den frühen Morgenstunden hetzte Poggenburg weiter. Er gab, Zitat, "Linksidioten" und "Merklern" die Mitschuld an den Ereignissen.

Beatrix von Storch zeigte Erleichterung

Beatrix von Storch übte sich derweil in Anspielungen: Sie zeigte sich erleichtert, dass es den "Bundesgrenzschutz“ noch gebe. Was faktisch falsch ist. Aber es ging der AfD-Politikerin wohl eher um den Begriff.

Der saarländische AfD-Politiker Mirko Welsch war da direkter: "Multikulti ist gescheitert! Ja zur Leitkultur!", twitterte er kurz nach Mitternacht.

"Das deutsche Volk muss für die Fehler der Regierung Merkel bluten!"

AfD-Chefin Frauke Petry versuchte ebenfalls umgehend, mit den Schüssen von München Wahlkampf zu machen. Hashtag: #afdwählen

Offenbar hat auch Maximilian Krah, Beisitzer im Dresdner CDU-Vorstand, via Twitter versucht, politisches Kapital aus den Anschlägen zu ziehen. "Willkommenskultur ist tödlich!“, twitterte der sächsische Christdemokrat.

Kaum weniger geschmackvoll war Krahs Facebookposting in den frühen Abendstunden. Während Menschen in ganz München um ihre Sicherheit fürchteten und Zuflucht suchten, ließ es sich Krah im Biergarten gut gehen. Und anders, als Krah das später behauptete, hat er das Foto laut Zeitstempel sehr wohl nach den ersten Schüssen gepostet - um 19.35 Uhr. Der Amoklauf nahm um kurz vor 18 Uhr seinen Anfang. Die ursprüngliche Zeile zu dem Bild lautete: "Wir wollten etwas Lustiges posten. Das hat sich erledigt. An alle: Wir sind wohlauf!"

Noch gibt es keine belastbaren Informationen über das Motiv des Täters. Der AfD-Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald veröffentlichte dennoch eine Hetznachricht gegen Muslime.

Auf einem Bild bei Facebook heißt es: "Deutschland im Visier des islamistischen Terrors! Nun muss das deutsche Volk für die Fehler der Regierung Merkel bluten!“ Das Bild wurde inzwischen gelöscht.

Währenddessen publizierte Jürgen Elsässer, Chefredakteur des neurechten "Compact"-Magazins, eine Art Bürgerkriegsaufruf. Deutschland befinde sich im Krieg mit dem Islam und müssen sich nun wehren, so Elsässer.

Deshalb fordert er unter anderem die "sofortige Abriegelung der Flüchtlingszentren", die Schließung aller Moscheen, eine Massenverhaftungswelle gegen Islamisten und den Einsatz der Bundeswehr im Inneren.

So sieht wohl ein in Worte gefasster Nervenzusammenbruch aus.

(Anmerkung: Dieser Artikel wurde am Samstagmorgen mit zahlreichen weiteren Inhalten aktualisiert.)

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(lp)