Huffpost Germany

"Deutsche Polizisten beleidigt": Bei "Maischberger" gerät Künast in Bedrängnis

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KUENAST
Renate Künste geriet bei "Maischberger" ins Kreuzverhör | ARD Mediathek
Drucken
  • Mit Spannung wurde Renate Künasts Auftritt bei "Maischberger" erwartet
  • Ein Tweet nach dem Axt-Anschlag bei Würzburg hatte ihr wütende Kritik eingebracht
  • Die Sendung wurde daher zum Kreuzverhör für sie

Am Mittwochabend war Grünen-Politikerin Renate Künast bei der ARD-Sendung "Maischberger" zu Gast. Nach der Axt-Attacke eines afghanischen Flüchtlings in einem Regionalzug bei Würzburg hatte sie mit einem Tweet einen Shitstorm ausgelöst. Der junge Mann wurde von SEK-Polizisten erschossen.

"Tragisch und wir hoffen für die Verletzten. Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden??? Fragen!", schrieb die 60-Jährige nur wenige Stunden nach den Geschehnissen von Würzburg.

Von Entschuldigung keine Spur

Fragen darf man natürlich immer stellen - doch der Ton ihrer Nachricht, die sie um 00:30 Uhr absetzte, und die drei Fragezeichen dahinter ließen vermuten, dass sie der Polizei unterstellte, den Angreifer unnötigerweise erschossen zu haben, ohne Einzelheiten zu kennen.

Künast war nach ihrem Tweet in die Kritik geraten. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte über ihre Äußerung: "Ich finde grundsätzlich das Misstrauen gegen unsere Sicherheitsorgane oder gegen die handelnden Polizisten nicht in Ordnung." Die Junge Union fordert die Grünen-Politikerin sogar zum Rücktritt vom Rechtsausschuss-Vorsitz im Bundestag auf. Auch aus ihrer eigenen Partei heraus geriet Künast in Kritik.


Doch bei ihrem Auftritt bei "Maischberger" denkt sie nicht an eine Entschuldigung.
Stattdessen versucht sie, sich zu rechtfertigen. Sie habe eine andere Vorstellung vom Ablauf der Ereignisse gehabt, erklärt Künast. Wenige Stunden nach dem Amoklauf habe es noch geheißen, der Täter sei auf der Flucht erschossen worden.

"Sie haben eine Chance verpasst"

"Wenn das so ist, wie es jetzt dargestellt wird, dann muss man sagen, dass die Polizisten in Notwehr gehandelt haben", gesteht sie. Aber auch in diesem Eingeständnis scheint ihr Verdacht mitzuschweben, dass die Polizei den Tod des 17-Jährigen anders darstellt, als er tatsächlich abgelaufen ist.

Ihren Tweet möchte Künast nicht zurücknehmen. "Ich glaube, dass in einem Rechtsstaat so eine Frage berechtigt ist", sagt die Grünen-Politikerin. Dann versucht sie schnell die Diskussion auf die zahlreichen Hass-Kommentare von Rechtsextremen zu lenken, die sie infolge ihres Tweets erhalten hatte. Tausende, die sie kritisiert hätten, seien Rechtsextreme: "Das löst bei mir eine andere Angst aus."

"Sie haben eine Chance verpasst", kritisiert daher auch CDU-Politiker Wolfgang Bosbach: "Die Chance, nochmal darüber zu schlafen und zu sagen: Ich hätte den Tweet nicht absetzen dürfen." Wer in dieser Form zu dieser Zeit so eine Äußerung tätige, falle der Polizei in den Rücken.

"In twitter veritas"

Auch Sat.1-Journalist Claus Strunz greift sie an. "Der Zeitpunkt war ein Fehler", sagt er. "Eigentlich hatte ich gehofft, dass Sie sich hinsetzen und sagen, ja, das war nicht korrekt." Nicht durch den Text, sonder durch die Uhrzeit habe sie "alle deutschen Polizisten beleidigt".

"In twitter veritas", sagt Strunz. Die ersten kurzen Tweets würden zeigen, was eine Person wirklich denkt - und Renate Künast habe ein Problem mit der Polizei.

Sandra Maischberger gibt Künast das letzte Wort. "Der Tweet ist nicht die angemessene Form", sagt die Grünen-Politikerin - näher kommt sie einer Entschuldigung nicht. Doch in einer Demokratie muss man solche Fragen stellen dürfen - und es dürfe keine Frage der Uhrzeit sein.

Auch auf HuffPost:

Nizza-Attentat: Eine Mutter findet über die sozialen Netzwerke ihr Baby wieder

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(vr)