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Sie hatte Angst vor der Muslima im Flugzeug - dann geschah etwas Wunderschönes

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Mit dem Terroranschlag in Nizza geht wieder die Angst vor einem weiteren islamistischen Attentat um. Viele Menschen fürchten sich, wenn sie in ein Flugzeug steigen.

So ging es auch einer Frau namens Beverly, die von Schottland nach Spanien fliegen wollte und auf ihrem Nebensitz eine Muslima vorfand. Diese tippte konzentriert Nachrichten in ihr Smartphone.

Sie warf einen Blick auf den Bildschirm und sah, dass die Frau schrieb: "HasbiAllahu la ilaaha illaahu alayhi tawakaltu." Eine Attentäterin? Sie stand sofort auf, um die Stewardessen zu holen.

Sie hatte Angst vor der Muslima und wollte den Sitz wechseln

Wie sich die Geschichte weiterentwickelte, beschreibt Jiva Akbor, die Muslima, die Beverly so gefürchtet hatte, in einem rührenden Facebook-Post:

"Einen Moment später kam Beverly zurück und ich stand auf, um sie wieder auf ihren Sitz zu lassen. Dann sah ich in ihr Gesicht - sie war voller Panik und sichtlich nervös. Sie wollte sich nicht wieder hinsetzen", beschreibt sie. "Sie sah mich an und sagte: Ich habe gesehen, wie du eine Nachricht geschrieben hast - mit dem Wort Allah darin."

Mein Herz blieb stehen. Und ich dachte: "Oh mein Gott." Aber ich sagte nur "okay". Sie wiederholte sich und war den Tränen nahe. Ich glaube, ich habe in diesem Moment einfach gesagt: "Es heißt nur Gott auf Arabisch. Ich habe nur an meine Freunde geschrieben: 'Möge Allah euch den Tag leichter machen.'"

Aber Beverly hatte weiterhin Angst - die Stewardessen, die sie begleitet hatten, zeigten dafür wenig Verständnis. Sie meinten, sie solle sich wieder hinsetzen. Akbor wurde klar, dass die Frau sie darum gebeten haben musste, den Sitzplatz wegen ihr wechseln zu dürfen. Jedoch standen die Stewardessen klar auf Akbors Seite. Eine Stewardess sagte sogar zu Beverly: "Sie können ja das Flugzeug verlassen, wenn Sie meinen."

Akbor beruhigte die verängstigte Frau

Das verneinte Beverly allerdings und setzte sich - immer noch völlig verängstigt - neben die Muslima. Akbor fasste sich ein Herz und nahm sich der Frau an, begann sie zu beruhigen: Sie sei eine gläubige Muslima und würde niemanden weh tun wollen. Sie schreibt: "Nach 15 Minuten beruhigte sie sich langsam und begann zu akzeptieren, was ich ihr sagte.

Ich erzählte ihr, ich würde an Gott glauben und greife deswegen in Gesprächen oft auf ihn zurück - wenn ich über ihn schreibe, dann eben mit dem Wort Allah. Sie sagte mir, dass sie selbst religiös sei - römisch-katholisch. So begannen wir, über unseren Glauben zu sprechen.

Ich dachte, ich könnte während des Fluges schlafen - stattdessen hatte ich das intensivste Gespräch mit einer Fremden, das ich je führen musste. Ich verteidigte meinen Glauben, ermutigte sie, Fragen zu stellen und tat das Beste, um sie zu beantworten. Sie sagte immer wieder: "Es tut mir so leid, es tut mir so leid."

Wir hörten nicht auf zu reden. Und während wir miteinander sprachen, konnte ich sehen, dass sich etwas in ihr änderte. Sie bedauerte den Vorfall. Sie bedauerte ihn wirklich."

Aus den beiden Frauen wurden Freundinnen

Beverly bot ihrer neuen Freundin sogar ein Parfüm an, das sie gekauft hatte. Es sei ihre Lieblingsmarke, denn es hätte einen sternförmigen Verschluss. Sterne wirken für sie inspirierend, deswegen wolle sie es ihr schenken. Auch die Gesprächsthemen gingen den Frauen nicht aus:

"Wir sprachen weiter über Pokémon Go, über Achterbahnen, wohin wir reisen wollen. Über Moscheen, über Kirchen, über unsere Eltern. Unsere Gesundheit, unsere Beziehungen, unsere Pläne für die Zukunft. Wir sprachen und wir lachten und manchmal hatten wir Tränen in den Augen."

Als das Flugzeug landete, tauschten die beiden Frauen Nummern aus, um in Kontakt zu bleiben. So schreibt Akbor: "Ich weiß, heute war ein besonderer Tag für uns beide und wir haben beide viel dazugelernt. Wir umarmten uns, tauschten Nummern aus und werden definitiv in Kontakt bleiben. Ich weiß, dass nicht alle Konfrontationen ähnlich märchenhaft enden, aber ich habe Beverly wirklich gern und ich bete, dass es weiterhin solche Momente geben wird."


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(pb)