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Gardasee: "Krass! So schön hier"

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Von Malcesine mit der Skaligerburg aus führt eine Seilbahn auf das Monte-Baldo Massiv

In knapp vier Stunden sitzt der Münchner mitten im Dolce Vita der Gardasee-Region. Es braucht nur einen Teller Nudeln und ein Glas Wein, um beim Anblick des tiefblauen Sees italienisches Urlaubsfeeling zu spüren. Der 32-jährige Elyas M'Barek ("Fack ju Göhte 2") verbringt gerne ein freies Wochenende am Seeufer des Sees. "Krass! So schön hier", beschreibt er seine Eindrücke. Die teilt er mit vielen Gardasee-Liebhabern, die ihn mit ein bisschen Glück in Orten wie Malcesine, Bardolino oder Lazise live erleben können.

Freilich ist der Gardasee keine rein "Münchner Gschicht". Dafür ist er viel zu groß. Zwischen dem noch in den Alpen gelegenen Norden bis zum Süden am Beginn der Po-Ebene liegen 51,6 Kilometer. Und entlang der Ostküste in der Region Venetien finden Touristen vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz alles, was eine pralle Urlaubswoche füllt. Sportlich-aktiv sollte sie sein, denn die wenigsten liegen auf dem steinigen Seeufer nahe der vielbefahrenen Uferstraße in der Sonne.

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Ein Paradies für alle Wassersportler

Dann lieber gleich aufs Wasser! Mit einer Fläche von rund 370 Quadratkilometern ist der größte See Italiens ein Wassersport-Paradies, wobei jeder Teil seine besonderen Eigenheiten hat. Wegen seiner perfekten Windverhältnisse ist der nördliche Teil um Riva und Torbole bevorzugtes Ziel für Segler, Windsurfer oder Kitesurfer. In den ruhigeren Gewässern des südlichen Teils hingegen sind vor allem Wasserski, Parasailing oder Wakeboard angesagt.

Aufs Wasser zu kommen ist am Gardasee allerdings oft gar nicht so einfach, weil zeitaufwändig. In der 9.500-Seelen-Gemeinde Peschiera del Garda ganz im Süden beispielsweise quält sich beständig eine Blechlawine durch das historische Stadtzentrum. Wenigstens bleibt so genügend Zeit für einen längeren Blick auf das Stadttor in den venezianischen Mauern aus dem 16. Jahrhundert. Vor diesem Nadelöhr steht der dichte Verkehr unter Garantie Minuten lang.

Endlich hinaus aufs Wasser geht es in Peschiera del Garda via die Piazza Marina. Im Jachthafen liegen zahlreiche Motorboote, bei Anbietern wie Motomar International sind sie zu mieten. Der Ritt auf einer amerikanischen Sea Ray 240 SD hat mit rund 430 Euro pro Tag seinen Preis. Dafür ist das Sportboot mit Platz für zehn Personen auch bis zu 80 km/h schnell, was den Bootsführerschein erfordert. Ohne geht es mit kleineren Booten und 40 PS.

In den späten Nachmittagsstunden lohnt die Ausfahrt besonders. Entlang des Ostufers liegen Orte wie Lazise, Bardolino oder Garda in einem goldenen Schein. Wenn im Westen die Sonne untergeht, erstrahlen sie in einem ganz eigenen Glanz zwischen dem tiefen Blau des Sees und dem satten Grün der Weinberge im Hinterland. Diese Atmosphäre ließ schon Johann Wolfgang von Goethe schwärmen. "Wie sehr wünscht ich meine Freunde einen Augenblick neben mich, dass sie sich der Aussicht freuen könnten, die vor mir liegt", schrieb er in seiner "Italienischen Reise" 1786. "Krass! So schön hier", heißt das heute.

Fisch frisch aus dem See und eine Pasta-Gemeinde

Noch schöner wird es bei einem guten Essen, vorausgesetzt, man kennt die besonderen Adressen fern des Massentourismus. Das Restaurant "Kambusa" in der Via Zappo 108 in Lazise beispielsweise! Es liegt versteckt außerhalb der mittelalterlichen Innenstadt. Hier steht der Chef selbst am Grill. Seine Spezialität: Fisch frisch aus dem See! Mehr als 30 unterschiedliche Arten bevölkern den, und in der regionalen Küche wie im Kambusa werden Forelle, Hecht, Karpfen und Lavaret nach alten Rezepten zubereitet. Zu den typischen Gerichten zählen: Hecht in Sauce mit Polenta, ein Antipasto mit einer Sauce aus Zwiebeln, Kapern, Paprika, Essig und Öl vom Gardasee oder Risotto mit Schleie.

Im Hinterland hat sich eine ganze Gemeinde exklusiv einer anderen Spezialität verschrieben. In dem 15.000-Seelen-Ort Valeggio sul Mincio südwestlich von Verona gibt es nicht weniger als zehn Pastifici. Das sind Teigwarengeschäfte mit eigener Nudelherstellung, die ihre Produkte im eigenen Laden verkaufen. Immer in der Auslage: Tortellini aus hauchzartem Teig mit unterschiedlichen und je nach Jahreszeit wechselnden Füllungen. Deren Herstellung wie in der Pastificio "Al Castello" ist reine Handarbeit. In einer kleinen Küche knoten die Frauen im Familienbetrieb unermüdlich einen dünnen Teig zu Tortellini. Bis zu vier Kilogramm schaffen sie in einer Stunde.

Frisch im Topf landen sie schließlich bei Mariella Zara. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie nur wenige Meter weiter das Restaurant Bue d'Oro in der Via Alessandro Sala. Sie sagt: "Ich bin mit den Tortellini zur Welt gekommen." Bereits ihre Großmutter führte eine eigene Osteria in Valeggio. Zaras Bue d'Oro hat nach einem Brand und den daraus folgenden Umbauten erst Anfang des Jahres wiedereröffnet. Gleich geblieben in nun lichter Atmosphäre mit viel Glas ist die hervorragende Pasta. Die Hausherrin serviert sie stets in Salbeibutter geschwenkt. Schauspieler M'Barek kenne sie übrigens nicht, sagt sie. Der würde wohl twittern: "Krass, so lecker hier".