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Nach Putsch-Versuch: Türkei verhängt Ausreiseverbot für Wissenschaftler

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TUERKEI
Nach Putsch-Versuch: Türkei verbietet Akademikern die Ausreise | dpa
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  • Die türkische Regierung hat Universitäten angewiesen, keine Mitarbeiter mehr ausreisen zu lassen
  • Wissenschaftler, die sich im Ausland befinden, sollen zurückgerufen werden
  • Nach dem Putsch-Versuch geht Präsident Erdogan hart gegen Regime-Gegner vor

Die türkische Regierung hat die Universitäten des Landes angewiesen, Auslandsreisen ihrer Mitarbeiter bis auf Weiteres zu stoppen.

Wissenschaftler, die sich derzeit im Ausland befinden, sollen zurückgerufen werden, wenn ihre Arbeit dort nicht absolut notwendig sei, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geht seit dem Umsturzversuch in der Nacht zum Samstag mit mehr als 260 Toten hart gegen tatsächliche und vermeintliche Putschisten vor. Die Zahl der Festnahmen beläuft sich nach Angaben von Anadolu auf 8660 Menschen.

Einträge in den sozialen Medien können zu Festnahmen führen

Gegner Erdogans und Unterstützer des gescheiterten Putsches müssen dieser Tage schon bei regimekritischen Einträgen in sozialen Medien mit Besuch der Polizei rechnen.

In mehreren türkischen Städten seien sieben Personen festgenommen worden, die entweder den Putschversuch gelobt oder Erdogan kritisiert hatten. Dies meldete unter anderem der Sender CNN Türk in der Nacht zum Mittwoch.

Den Festgenommenen werde unter anderem vorgeworfen, mit Einträgen in sozialen Medien "die verfassungsmäßige Ordnung gestört", "Kriminelle gelobt" oder Erdogan beleidigt zu haben.

Polizei fordert Türken auf, "schwarze Propaganda" zu melden

Die regierungskritische Tageszeitung "Cumhuriyet" berichtete, dass im nordwesttürkischen Tekirdag ein 18-Jähriger nach angeblicher Beleidigung des Präsidenten verhaftet worden sei.

Nach dem Putschversuch hatte die Agentur Anadolu von einer Aufforderung der Polizeidirektion Ankara berichtet, Profile zu melden, die "terroristische Aktivitäten" unterstützten und "schwarze Propaganda" betrieben.

Bürgern wurde empfohlen, Screenshots (Bildschirmfotos) anzufertigen und die Profilinformationen der verdächtigen Nutzer weiterzugeben. Unklar war, ob die jüngsten Festnahmen auf die erbetenen Hinweise zurückzuführen sind.

"Cumhuriyet"-Chefredakteur warnt vor Erdogans "Hexenjagd"

Wie gefährlich die Situation für Erdogan-Kritiker in der Türkei in diesen Tagen ist, zeigt eine Aussage von Can Dündar, Chefredakteur der "Cumhuriyet".

Der türkische Präsident sehe in dem gescheiterten Staatsstreich ein “Geschenk Gottes”, sagte Dündar am Dienstag der Huffington Post.

"Es ist klar, dass Erdogan dieses 'Geschenk' ausschlachten und eine Hexenjagd starten wird auf all seine Gegner. Er wird sie als Straftäter beschuldigen, die Unterdrückung in der Türkei wird zunehmen."

Mit Material von dpa

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(sk)