Naturwissenschaften sind wieder in - das sind die Folgen

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Ingenieure braucht das Land? | dpa
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  • Noch vor wenigen Jahren warnten Politik und Wirtschaft vor einem Fachkräftemangel im naturwissenschaftlichen Bereich
  • Durch zahlreiche Förderungsinitiativen ist der Anteil der Absolventen hier inzwischen stark gestiegen
  • Die Popularität der "MINT"-Fächer fĂĽhrt zu neuen Problemen

Ingenieure braucht das Land! Diesen Satz hörten junge Menschen in den letzten Jahren von allen Seiten – aus der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft.

Der Mangel an Fachkräften im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich gefährde die Zukunft der deutschen Wirtschaft, hieß es lange.

Als Folge ist die Förderung der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) seit der Jahrtausendwende dementsprechend stark angestiegen.

Mittlerweile gibt es SchĂĽlerlabors, Mint-Excellence-Initiativen, Mint-Slams, Mint-Blogs, Mint-Youtube-Videos, Mint-Wettbewerbe - mit UnterstĂĽtzung von Wirtschaft und Politik - heiĂźt es in einem ausfĂĽhrlichen Bericht der Nachrichtenseite "SĂĽddeutsche.de".

40 Prozent der Absolventen entscheiden sich für MINT-Fächer

Dass die MINT-Fächer wie kein anderer Bereich gepusht wurden, hat nun drastische Folgen.

Während vor zehn Jahren Mathe, Physik und Co. noch out waren, zog es 2015 bereits rund 40 Prozent der Absolventen in naturwissenschaftliche Jobs – das zeigt ein OECD-Bericht des Kultusministeriums.

"Die Beliebtheit der natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen ist fĂĽr uns als Technologieland zukunftsweisend", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka damals.

"Unsere zahlreichen bildungspolitischen Anstrengungen der vergangenen Jahre, junge Leute fĂĽr MINT-Berufe zu begeistern, zahlen sich aus."

"Der akute Mangel an ingenieurwissenschaftlichem Nachwuchs ist ĂĽberwunden"

Das Fazit einer Studie des Stifterverbands von Anfang 2015: "Ein allgemeiner Fachkräftemangel in den Mint-Berufen, wie er noch vor ein paar Jahren befürchtet wurde, droht eher nicht mehr."

Und: "Der akute Mangel an ingenieurwissenschaftlichem Nachwuchs, der bis Mitte der 2000er-Jahre zu beobachten war, vorerst ĂĽberwunden".

Das bedeutet in der Praxis: Wer einem MINT-Beruf nachgeht, dem werden nicht - wie oft angenommen - die Jobs hinterhergeworfen.

"Zunehmend Beschäftigungsprobleme"

"Auf ingenieurwissenschaftliche Studiengänge gab es sogar einen regelrechten Run", sagte Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin, in einer Studie, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt.

Er prognostiziert "zunehmend Beschäftigungsprobleme". Laut der Analyse ist kürzlich die Zahl der arbeitslosen Ingenieure um ein Drittel, die der Chemiker ohne Job um ein Viertel gestiegen - wenn auch nicht auf einem hohen Niveau.

Ein weiteres Problem: Der Pool der Schüler, die MINT-Studiengänge und Ausbildungen wählen, scheint weiterhin erschreckend homogen.

"Mischverhältnis könnte problematisch werden"

Gerade in der Forschung könnte sich das langfristig negativ auswirken, fand eine Datenanalyse des Stifterverbands für Deutsche Wissenschaft Ende letzten Jahres.

Für die nach Fachkräften suchende Wirtschaft könne das Mischungsverhältnis problematisch werden, warnte der Verband. Dieses sei auf Dauer nicht "bunt genug".

"Ein großes Innovationspotenzial wird von den Unternehmen nicht genutzt. Dabei erwarten forschende Unternehmen der Kfz-Branche oder im Maschinenbau schon jetzt, dass in den nächsten drei Jahren nicht genügend Forscher eingestellt werden können."

Männlich, deutsch, mathematisch-naturwissenschaftlich ausgebildet

82 Prozent des Forschungspersonals der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen haben laut Stifterverband Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik/Ingenieurwissenschaften - also die sogenannten MINT-Fächer - studiert.

Männer machen 81 Prozent dieses Personals aus. Dabei liegt der Frauenanteil in Forschungsabteilungen der Autobranche bei nur acht Prozent. 95 Prozent der Forscher stammen aus Deutschland.

Um auch langfristig den Fachkräftebedarf in den Unternehmensbereichen Forschung und Entwicklung (FuE) zu decken, sei mehr Vielfalt gefragt, betonen die Autoren der Studie.

Dies gelte vor allem für kleine und mittlere Firmen. Dafür bedürfe es jedoch eines Mentalitätswechsels: "Denn mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen sehen bisher keinen Gewinn darin, ihre Teams internationaler aufzustellen oder mehr Frauen anzuwerben", hieß es.

Ingenieure braucht das Land? 2016 sollte es wohl eher heiĂźen: Vielfalt braucht die MINT-Branche!

Mit Material von dpa

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