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Erdogan wütet in bizarrem Live-Interview: "Die Welt ist nicht nur die EU"

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  • Erdogan hat das erste Live-TV-Interview nach dem Putschversuch am vergangenen Wochenende gegeben
  • Darin wütete der türkische Präsident gegen die EU
  • In der Türkei herrscht jetzt Ausnahmezustand – mehr dazu im Video oben

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich nach dem niederschlagenden Putschversuch des Militärs zum ersten Mal in einem Live-Interview an die Öffentlichkeit gewandt.

Es war ein bizarres Gespräch.

Erdogan war beim arabischen Sender Al Jazeera zu Gast, seine Antworten wurden simultan ins Englische übersetzt. Mittendrin unterbrach Erdogan – um zu telefonieren.

Der türkische Präsident verteidigte die von ihm ergriffenen Maßnahmen nach dem Militäraufstand – und schoss scharf in Richtung ausländischer Staatsmänner und der EU.

Erdogan greift französischen Außenminister an

Erdogan griff den französischen Außenminister Jean-Marc Ayrault an. Dieser hatte gewarnt, der Putsch dürfe kein Blankoscheck sein, um seine Kritiker ruhig zu stellen.

Erdogan pöbelte, Ayrault solle "sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern". Der türkische Präsident wütete: "Hat er die Autorität diese Anschuldigungen über meine Person zu machen? Nein, hat er nicht. Wenn er eine Lektion über Demokratie lernen will, kann er die von uns gerne kriegen."

"Die EU ist nicht die Welt"

Und er witterte eine Verschwörung. Erdogan glaubt, in den Putschvesuch am vergangenen Wochenende seien ausländische Mächte involviert. Eine Aussage, die er jedoch nicht weiter präzisierte.

Dafür richtete er umso deutliche Worte in Richtung EU. Auf die Frage, ob er die Todesstrafe einführen wolle, auch wenn das bedeutet, auf eine EU-Mitgliedschaft zu verzichten, sagte Erdogan: "Die Welt ist nicht nur die EU. Wir haben die Todesstrafe in Russland, den USA, in China und in vielen anderen Staaten dieser Welt. Wir haben 53 Jahre lang an die Tür der EU geklopft und die EU hat uns warten gelassen."

Alle Staaten, die Respekt für die Demokratie hätten, sollten die Entscheidung der Wiedereinführung der Todesstrafe respektieren, so Erdogan. Viele europäische Politiker hatten den türkischen Vorstoß, die Todesstrafe wieder einzuführen, mit scharfer Kritik beantwortet.

Erdogan will im Parlament über die umstrittene Strafmaßnahme abstimmen lassen.

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(bp)