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De Maizière zu Würzburg-Anschlag: Keine Hinweise auf eine Anordnung des IS

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De Maizière zu Würzburg-Anschlag: Keine Hinweise auf eine Anordnung des IS | Fabrizio Bensch / Reuters
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Der Attentäter von Würzburg hat nach bisherigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden keinen konkreten Auftrag von der Terrormiliz Islamischer Staat erhalten.

Es handele sich um einen Einzeltäter, der sich durch die Propaganda des IS “angestachelt” gefühlt habe, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin. Das Bekennervideo enthalte keine Hinweise auf eine Anordnung des IS.

“Es ist vielleicht auch ein Fall, der im Grenzgebiet zwischen Amoklauf und Terror liegt”, sagte der Minister. Er sprach von einem “brutalen Akt wahlloser Gewalt”. Nicht bei allen Opfern stehe fest, ob sie überleben würden.

De Maizière fordert mehr Videoüberwachung

“Die Hintergründe der Tat müssen weiterhin aufgeklärt werden”, sagte de Maizière. Er sprach sich für mehr Videoüberwachung, mehr Polizei, und besseren Schutz der Polizeibeamten aus. Er betonte, der Staat tue alles, um Anschläge zu verhindern. Aber eine Garantie gebe es nicht.

De Maizière schätzt die Terrorgefahr unabhängig vom Flüchtlingszuzug hoch ein. Er widersprach aber auch Einschätzungen, dass beides nichts miteinander zu tun habe.

Auch unter Flüchtlingen gebe es “Hinweise auf Bezüge zum internationalen Terrorismus”, die sich in den meisten Fällen als falsch erwiesen hätten, sagte er. Einige Hinweise würden aber noch überprüft. "Deswegen kann man nicht sagen, es gibt zwischen Flüchtlingen und Terrorismus keinen Zusammenhang", sagte de Maizière.

17-jähriger Attentäter stammte aus Afghanistan

Der Täter hatte in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld vier Mitglieder einer Familie aus Hongkong verletzt. Auch eine Fußgängerin, die der Jugendliche auf seiner Flucht angriff, erlitt schwere Verletzungen. Kurze Zeit später wurde der junge Mann von Polizisten erschossen. Zwei seiner Opfer waren am Mittwoch weiterhin in Lebensgefahr.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden handelte es sich bei dem Attentäter um einen 17-Jährigen aus Afghanistan. Das ZDF berichtete allerdings unter Berufung auf Sicherheitskreise, es gebe Zweifel an der Herkunft des Flüchtlings. In seinem Zimmer habe die Polizei auch ein pakistanisches Dokument gefunden. De Maizière (CDU) sieht bisher keinen Anlass, an der afghanischen Nationalität des Attentäters von Würzburg zu zweifeln.

De Maizière und das bayerische Innenministerium bestätigten die Echtheit eines Videos, in dem der 17-Jährige sich selbst als Kämpfer des IS bezeichnet. Es war am Dienstag vom IS-Sprachrohr Amak im Internet veröffentlicht worden.

De Maizière fordert Mitarbeit von Muslimen

De Maizière bat die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer eindringlich, sich von dem Attentat nicht in ihrem Engagement erschüttern zu lassen. Zugleich forderte er “die aktive Mitarbeit der hier lebenden Muslime, auch der hier arbeitenden Moscheegemeinden”. Sie müssten einen Beitrag leisten zur Integration und Prävention und zur Früherkennung von Radikalisierungsprozessen.