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Experte erklärt, wie die Bundesregierung uns vor mehr Terror schützt

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MERKEL
Die AfD macht Angela Merkel für den Anschlag in Würzburg verantwortlich | Hannibal Hanschke / Reuters
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  • Nach dem Anschlag in einem Regionalzug bei Würzburg machen vor allem Rechtspopulisten Merkels Flüchtlingspolitik für den Vorfall verantwortlich
  • Im HuffPost-Gespräch widerspricht nun ein Terrorexperte des Bundesinnenminsteriums
  • Die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sei nicht Auslöser des Terrors - sondern schütze Deutschland davor

Nur wenig Zeit verging, bis für Deutschlands Rechtspopulisten die Schuldige für den Anschlag in Würzburg gefunden war: Kanzlerin Angela Merkel. Ohne ihre Politik der offenen Grenzen hätte es diese Anschläge nicht gegeben, sagt zum Beispiel die AfD. Sie fordert eine Grenzschließung.

Andreas Armborst, Terrorexperte am Bundesinnenministerium, widerspricht dem im Gespräch mit der HuffPost vehement. Merkels Politik sei ein Grund für Millionen Menschen aus Konflikt- und Bürgerkriegsregionen, eben keinen Anschlag in Deutschland zu verüben.

"Die Forderungen der AfD sind einfach nur absurd"

Zwar bestreitet auch Armborst nicht, dass sich unter den Flüchtlingen Islamisten verstecken. Davor warnen Sicherheitsbehörden wie das Bundeskriminalamt bereits seit Monaten. Er hält es allerdings für falsch, deswegen alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen.

Die Forderung der AfD nach einer Grenzschließung hält er für absurd. "Das ist erstens in der praktischen Umsetzung unmöglich und zweitens moralisch nicht haltbar", sagte der Kriminologe der Huffington Post. Menschen an der Tür abzuweisen, die verzweifelt und verängstigt sind und dann in ihre vermeintlich sicheren Heimatländer zurückzuschicken, würde zu mehr Frustration und Hass gegen die Länder des Westens führen. Genau das gelte es zu vermeiden.

"Dadurch wird das Rekrutierungspotential des IS kleiner"

"Natürlich gibt es Probleme mit der Art und Weise, wie wir diese Menschen hier empfangen, das möchte ich gar nicht abstreiten", sagt der Terrorexperte. Die medizinische Betreuung und Integration müsse sicher noch verbessert werden. "Trotzdem ist die Sachlage der Flüchtlingskrise viel zu komplex, um in der deutschen Willkommenspolitik die alleinige Ursache für Vorfälle wie in Würzburg zu sehen", sagte Armborst.

Deutschland gelte im Ausland als gastfreundlich und offen. Das sei das beste Argument gegen die Hassreden des Islamischen Staats. "Dadurch wird das Rekrutierungspotential, also die Summe der Menschen, die Deutschland als einen feindseligen Staat betrachten, nicht größer, sondern kleiner", sagte Armborst.

Dr. Andreas Armborst ist Leiter des Nationalen Zentrums für Kriminalprävention (NZK) in Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind Terrorismusforschung, islamistische und dschihadistische Ideologie.

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(bp)