Huffpost Germany

SPD-Politiker: Türkische Regierung lässt Kritiker in Deutschland denunzieren

Veröffentlicht: Aktualisiert:
EROL ZKARACA
SPD-Politiker: Türkische Regierung lässt Kritiker in Deutschland denunzieren | Hüseyin Islek
Drucken
  • Der SPD-Politiker Özkaraca macht der türkischen Regierung massive Vorwürfe
  • Sie rufe zum Denunzieren ihrer Kritiker auch in Deutschland auf
  • Der Putschversuch sei nur inszeniert gewesen

Der deutsch-türkische SPD-Politiker und Anwalt Erol Özkaraca behauptet, die türkische Regierung wolle mit der Hilfe von Denunzianten ihre Gegner auch in Deutschland mundtot machen.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk (DLF) sagte das Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses: "Es laufen überall Berichte darüber, dass die Menschen Oppositionelle denunzieren sollen, und zwar nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland." Und "Ich nehme an, dass das von der AKP und der Regierung gestützt wird."

"Erdogans Arm reicht bis nach Deutschland"

Die sozialen Medien spielten dabei eine Rolle. Erdogans langer Arm reiche "bis nach Deutschland".

Belege für diese These nannte Özkaraca nicht.

Allerdings steht er nicht allein mit dieser Vermutung. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sprach in der "Passauer Neuen Presse" von einer Telefonhotline, die es dazu gebe. Dafür werde in den sozialen Medien geworben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, bis 2014 auch Vorsitzender der Regierungspartei AKP, lässt in der Türkei seit Jahren Oppositionelle unterdrücken.

Wer als Politiker, Journalist oder Bürger Kritik äußert, muss mit einer Haftstrafe rechnen. Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Nacht zu Samstag hatte Erdogan Kritiker so sehr bedroht, dass Beobachter eine Flüchtlingswelle aus der Türkei fürchten.

Özkaraca glaubt nicht an einen Putsch - sondern eine Inszenierung

SPD-Politiker Özkaraca hat die dramatischen Ereignisse in der Türkei miterlebt, er war am Freitag zum Urlaubmachen in die Türkei geflogen und dann am Flughafen von dem Putschversuch überrascht worden. Den er übrigens nicht für einen Putsch hält.

Özkaraca spricht im DLF von einer Show. Wäre es ein echter Putschversuch gewesen, "wäre der Ablauf völlig anders gewesen“.

Warum sonst habe die Maschine Erdogans ungehindert landen können? Auf Facebook verwies er außerdem darauf, dass ganz offensichtlich lange Listen mit den Namen unliebsamer Richter und anderer Funktionsträger schon vor Freitag existierten. Erdogan nutzte sie jetzt, um sie loszuwerden.

Kritik an Solidaritätsbekundungen in Deutschland

Die Solidaritätsbekundungen von Türken für Erdogan in Deutschland verurteilte Özkaraca scharf. Diejenigen, die sich vor der türkischen Botschaft versammelt hätten, hätten ihre "Solidarität mit dem Mob in der Türkei erklärt".

Dem Mob, der gegen Putschisten kämpfe. Dabei war es in der Türkei laut der Zeitung "Birgün" zu Morden von Zivilisten an Soldaten gekommen.

Der Mob, der klar gemacht habe, dass er auch gegen Minderheiten kämpfe. In den vergangenen Tagen habe es "unglaublich viele Übergriffe“ auf Alewiten und Christen in der Türkei gegeben. Die Angehörigen der Religionsgemeinschaften hätten Angst. "Zurecht."

Özkaraca hat in den vergangenen Tagen viel Kritisches über Erdogan-Anhänger gesagt. Das erfordert Mut - zumal er sich noch in der Türkei aufhält. Zumindest zwischendurch versucht er es mit bitterem Humor. Er habe, schreibt er auf Facebook, wie Erdogan seine ganz private "Säuberungswelle" gestartet. Alle Erdogan-Verteidiger wären spätestens jetzt nicht mehr seine Freunde.

Auch auf HuffPost:

So deutlich wie Martin Schulz hat noch kein deutscher Spitzenpolitiker Erdogan kritisiert

(lk)