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Melania Trump: Eine gute First Lady - oder nur ein Bond-Girl?

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MELANIA TRUMP
Melinia Trump schwört auf ihren Mann Donald | Mike Segar / Reuters
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Melania Trump bei ihrem ersten großen Auftritt beim Parteitag der US-Republikaner

Natürlich hat er das Talent für den großen Auftritt. Wenn er etwas kann, dann das! Und so breitet Donald Trump (70) die Arme aus und ruft ins Mikrofon: "Ladys und Gentlemen. Ich habe die große Ehre, die nächste First Lady der USA vorzustellen. Meine Frau - Melania Trump."

Da steht sie nun auf der Bühne des Parteitags der Republikaner in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio). Ihr erster großer politischer Auftritt. Sie wirbt für ihren Mann, den die Delegierten als US-Präsidentschaftskandidat nominieren sollen. "Ich mag seinen unglaublichen Verstand, er ist sehr klug und charmant und wir haben eine großartige Energie zwischen uns", erklärt die 46-Jährige.

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Einen Tick zu schön?

Eine schöne Frau, wie sie da steht in ihrem blütenweißen Kleid. Ein Modelgesicht mit sehr reizvollen hochstehenden Wangenknochen und wallender Haarpracht, wie man sie von diversen Hollywood-Beautys kennt. Vielleicht ist sie einen Tick zu schön, denn während die Trump-Fans von der eindrucksvollsten Präsidenten-Gattin seit der Französin Carla Bruni schwärmen, lästert die Presse vom Auftritt einer Frau, die wie eine Schönheitskönigin daherkommt.

Sie preist die Vorzüge ihres Mannes mit "überraschend starkem Akzent" an, schreibt beispielsweise der Schweizer "Blick", der Melania Trump (46) eher mit einem Bond-Girl vergleicht als mit der kommenden First Lady.

Ihre Herkunft

Sie ist in Slowenien geboren, das darf und soll auch jeder hören. Bereits ihrer Mutter muss die kleine Melania als ungewöhnlich schönes Kind aufgefallen sein, denn sie vermittelte gelegentliche Model-Jobs. Nach der Schule begann sie trotzdem ein Studium für gewerbliches Design an der Technischen Hochschule von Ljubljana (Laibach), von der sie ins Fach Architektur an die Universität der slowenischen Hauptstadt wechselte.

Da hatte sie aber längst der Fotograf Stane Jerka entdeckt. Melania Knavs, so hieß sie seinerzeit noch, gab ihr Studium auf und zog über Mailand und Paris 1996 in die USA. Eine schöne Emigrantin, die rasch eine Weltkarriere als Model machte. Melania war auf den Titelblättern von berühmten Zeitschriften wie "Vogue", "Harper's Bazaar", "Elle", "Ocean Drive", "InStyle", "Avenue", "Allure", "Vanity Fair" oder "Glamour" zu sehen.

Das alles erzählt sie den Parteitagsdelegierten, auch, dass sie von der Mutter den Sinn fürs Schöne und für die Mode und vom Vater den Sinn für Geschäfte geerbt habe. Wie sie nach New York kam. Wie sie dort den US-Pass erhielt, "das größte Privileg auf Erden".

Eine schicksalhafte Begegnung?

Man kann darüber streiten, ob ihre Begegnung mit Donald Trump 1998 auf einer Party nicht schicksalhafter war. Der war schon seit jeher auf Topmodels und Frauen aus dem Showbiz spezialisiert, seine erste war das tschechische Mannequin Ivana (1977-1992). Mit Carla Bruni hatte er eine kurze Affäre und mit der Schauspielerin Marla Maples war er von 1993-1999 verheiratet.

Trump kämpfte um die Gunst der 24 Jahre jüngeren Melania. Und das gibt sie auf dem Republikaner-Parteitag so wieder: "Es gibt niemanden, der so sehr für etwas kämpft wie Donald. Das wird er auch für Amerika tun."

Seit 2005 ist er nun ihr "Göttergatte", bei ihrer pompösen Hochzeit in Palm Springs trug Melania ein Brautkleid von Dior im Wert von 100.000 Dollar. 2006 kam der gemeinsame Sohn Barron zur Welt.

Mrs. Trump ist mehr als nur Beiwerk

Es ist jedoch nicht so, dass Mrs. Trump ihrem Gemahl auf der Tasche liegt. Die fünfsprachige Melania (Slowenisch, Englisch, Italienisch, Französisch und Deutsch) trat fleißig in Trumps zahlreichen Reality-Shows im US-Fernsehen auf und vertreibt auf dem Shoppingkanal QVC ihre eigene Uhren- und Schmuckkollektion sowie eine Luxus-Bodylotion, die mit Kaviar angereichert wird.

Nun spricht sie über die Vorzüge ihres Ehepartners, an dem sich in Amerika die Geister scheiden. Ein toller Mann sei er, ein toller Vater, ein toller Leader. Natürlich liebe ihr Mann alle, Christen, Juden und Muslime, die Armen, ja sogar Schwarze und Latinos. "Donald denkt groß, er setzt Dinge durch. Unser Land und die Welt brauchen eine neue, starke Führung", ruft das Ex-Model.

Bei Michelle Obama abgekupfert?

Trotzdem bezeichnen Kritiker die viertelstündige Rede von Melania Trum als "Blamage". Warum? Die Worte der 46-Jährigen ähneln verdammt denen, die Michelle Obama, die amtierende First Lady, 2008 auf dem Parteitag der Demokraten sprach.

Melania sagt, dass ihre Eltern ihr schon in einem jungen Alter vermittelt hätten, "dass man hart für das arbeiten muss, was man im Leben erreichen will, und dass man Wort halten muss, dass man tut, was man sagt, und man seine Versprechen halten muss, dass man Menschen mit Respekt behandelt. Sie brachten mir Werte und Moral bei und zeigten mir diese in ihrem täglichen Leben."

Michelle Obama sage 2008: "Barack und ich wuchsen mit so vielen gleichen Werte auf", etwa, "dass man hart für das arbeiten muss, was man im Leben erreichen will, dass man Wort halten muss, dass man tut, was man sagt, das man tun wolle, dass man Leute mit Würde und Respekt behandelt, auch wenn man sie nicht kennt und auch, wenn man nicht gleicher Meinung mit ihnen ist."

Außerdem heißt es in Melania Trumps Rede 2016: "Wir müssen diese Werte an die vielen Generationen, die folgen, weitergeben... Weil wir wollen, dass unsere Kinder in diesem Land wissen, dass die einzige Grenze unserer Leistungen die Kraft unserer Träume ist und die Bereitschaft, für sie zu arbeiten."

Michelle Obama sagte 2008: Sie habe sich mit ihrem Mann auf den Weg gemacht, nach diesen Werten zu leben und sie "an die nächste Generation weiterzugeben, weil wir wollen, dass unsere Kinder - und alle Kinder in diesem Land - wissen, dass die einzige Grenze für die Größe der Erfolge die Reichweite unserer Träume ist und die Bereitschaft, hart für sie zu arbeiten."

Nach der Rede holt Donald seine Melania oben ab. Sie küssen sich und gehen, derweil geht auf Twitter die Post ab: Mrs. Trump habe bei ihrer Ansprache Teile einer alten Rede von Michelle Obama abgekupfert. Vielleicht war es nur die Bewunderung für eine Frau, für die selbst ihr Mann einst ein Faible hatte. Noch 2012 lobte er die First Lady für ihre beherzten Worte. Natürlich via Twitter.