Huffpost Germany

Experten fürchten: Das Erdogan-Regime könnte Hunderttausende in die Flucht schlagen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN
Nach dem harten Vorgehen gegen Erdogans Gegner kommen Sorgen vor Flüchtlingswelle aus der Türkei auf | Murad Sezer / Reuters
Drucken
  • Nach den Repressionen gegen Erdogans Gegner werden Befürchtungen über eine Flüchtlingswelle aus der Türkei laut
  • Vor allem Kurden, Aleviten und Anhänger der liberalen Opposition könnten fliehen
  • EU-Politiker stellen daher das Visa-Abkommen mit der Türkei in Frage

Die harten Repressionen und Äußerungen über eine Wiedereinführung der Todesstrafe nach dem Putschversuch in der Türkei nähren Befürchtungen, dass es zu einem Flüchtlingsstrom aus der Türkei kommen könnte.

Nach Ansicht der Politologin Bilgin Ayata könnte Erdogans Vorgehen einen neuen Migrationsschub auslösen - auch in Richtung Deutschland.

"Die Verhaftung von 6000 Menschen, Massenentlassungen und eine Debatte über die Einführung der Todesstrafe - wenn das so weitergeht, werden viele türkische Staatsbürger das Land verlassen, so wie 1980 nach dem Militärputsch", sagte die Forscherin von der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur.

"Apathie und politische Depression"

Vor allem Kurden, Aleviten und liberale Kräfte fühlten sich zunehmend an den Rand gedrängt. Deutschland sei schon aufgrund der großen türkischen Gemeinde ein naheliegendes Ziel, ebenso wie Schweden.

Nach dem Einzug der pro-kurdischen HDP ins Parlament im Sommer 2015 habe unter den AKP-Gegnern noch eine gewisse Aufbruchstimmung geherrscht. Dieser sei nach den Neuwahlen im vergangenen November, bei denen die Partei von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Mehrheit im Parlament gewann, einer großen Ernüchterung gewichen.

"Bei progressiven, liberalen Kräften erlebt man seither Apathie und politische Depression", sagte die Politologin. Sollten der Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei platzen, könnten sich bald auch wieder mehr syrische Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machen.

"Säuberungsaktion gegen Gegner stellt geplante Visa-Freiheit in Frage"

Auch deutsche EU-Abgeordnete befürchten angesichts der Säuberungsaktionen der türkischen Regierung gegen die Gegner Erdogans, diese könnten eine neue Flüchtlingswelle auslösen.

Der EU-Abgeordnete der CDU Werner Langen sagte gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Präsident Erdogan stellt mit seiner Säuberungsaktion gegen politische Gegner die geplante Visa-Freiheit in Frage."

Nach Ansicht des Politikers treibe Erdogan damit und der ungeklärten Kurden-Frage "Hunderttausende in die Flucht". Lange sagte, "bei Abschaffung der Visa-Pflicht könnte die Zahl der Asyl-Anträge von Türken drastisch steigen."

Mit Material der dpa

Mehr zum Thema Militärputsch in der Türkei findet ihr hier.

Auch auf HuffPost:

Nizza-Attentat: Eine Mutter findet über die sozialen Netzwerke ihr Baby wieder

(lk)