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Hetze, Denunziation, Gewalt: So gehen Erdogan-Anhänger gegen ihre Gegner in Deutschland vor

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Demonstranten versammeln sich vor der türkischen Botschaft in Berlin, um gegen den Putschversuch zu demonstrieren | Anadolu Agency via Getty Images
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  • Nach dem Putschversuch gehen Erdogan-Anhänger auch in Deutschland gegen ihre politischen Gegner vor
  • Besonders Einrichtungen, die der Gülen-Bewegung nahestehen, werden angegriffen
  • Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnt zudem vor neuen Kämpfen zwischen Kurden und Türken

Nach dem Putschversuch in der Türkei steigen die Spannungen zwischen Anhängern und Gegnern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Viele befürchten, dass es zu Gewalt kommen kann.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sieht diese Entwicklung mit Sorge.

"Viele bejubeln alles, was gerade in der Türkei passiert. In Nordrhein-Westfalen sind Geschäfte von Türken geplündert worden, die angeblich zur Gülen-Bewegung gehören. Die Stimmung ist sehr aufgebracht", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Denuziation über eine Telefon-Hotline

Man müsse diese Eskalation hier in Deutschland eindämmen. Zudem habe "der Staatspräsident wohl eine Telefon-Hotline eingerichtet, über die man Hinweise auf türkische Oppositionelle hier in Deutschland hinterlassen kann".

In den sozialen Medien werde dafür massiv geworben. "Das ist eine verheerende Entwicklung", warnte Sofuoglu: "Alle, die etwas gegen Erdogan sagen, werden entweder als PKK-Aktivisten oder als Gülen-Unterstützer gesehen. Es reicht, die Meinung des Präsidenten nicht zu teilen, um registriert zu werden." Auch er bekomme Drohanrufe.

In Gelsenkirchen wurden in einem Jugendtreff, der der Gülen-Bewegung nahe steht, mehrere Fensterscheiben eingeworfen.

Auch zwei türkische Einrichtungen in Augsburg wurden angegriffen. Der Staatsschutz ermittelt. In Stuttgart steht die Bil-Schule im Bad Cannstatter Stadtteil Hallschlag unter Polizeischutz. Auch sie steht der Gülen-Bewegung nahe.

Geschäfte verbieten Gülen-Anhängern den Zutritt

Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte Fotos von Schildern an türkischen Geschäften, die Anhängern der Gülen-Bewegung und "Vaterlandsverrätern" das Betreten verbieten.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat infolge des Putschversuchs in der Türkei vor Auseinandersetzungen zwischen Türken auch in Deutschland gewarnt. "Wir beobachten die Entwicklung in der Türkei mit großer Sorge", sagte der CSU-Politiker der "Berliner Zeitung".

"Durch die türkische Gesellschaft geht ein tiefer Riss. Die Gefahr einer Eskalation der Gewalt im Konflikt zwischen Erdogan-Anhängern und -Gegnern ist auch in Deutschland gestiegen."

Herrmann erinnerte an die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken am Ostersonntag in Aschaffenburg.

"Wir wollen solche Konflikte nicht in unserem Land"

"Wir wollen solche Konflikte nicht in unserem Land. Deshalb stellen wir uns auch aus Sicherheitsgründen gegen die Einführung einer Visum-Freiheit für die Türken. Da führt im Moment überhaupt kein Weg hin, weil dann innertürkische Konflikte erst Recht in unser Land schwappen würden."

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der Münchner "Abendzeitung": "Der gescheiterte Putschversuch könnte dazu führen, dass sich Türken, die dem Erdogan-Lager zuzurechnen sind, aufgefordert fühlen, gegen kurdische Menschen in Deutschland gewaltsam vorzugehen. Diese wiederum könnten in Gegenreaktionen Gewalt auf deutsche Straßen tragen."

Mehr zum Thema Militärputsch in der Türkei findet ihr hier.

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