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So kämpft ein Berliner Schulbezirk gegen Jugendgewalt

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GEWALT SCHULE
Archivbild: Die Rütli-Schule im Stadtbezirk Neukölln galt lange Zeit als die schlimmste Schule Deutschlands. Aber das Image hat sich gewandelt: "Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli" heißt die neue Schule jetzt. Und dort haben nun die ersten Schüler ihr Abitur gemacht | dpa
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Gewalt unter Jugendlichen scheint Alltag zu sein an deutschen Schulen. Besonders besorgniserregend: Die Brutalität, mit der die Schüler dabei vorgehen, nimmt zu, warnt die deutsche Polizeigewerkschaft aktuell im Gespräch mit der Huffington Post.

Was tun gegen diesen Trend? Der Berliner Stadtteil Neukölln sucht eine Antwort auf diese Frage - und traut sich an Pilotprojekte, von denen andere Schulbezirke lernen könnten.

In Berlin ist die Jugendgewalt in den letzten Jahren generell zwar zurückgegangen - das gilt aber nicht für sogenannte Intensivtäter, erfährt man auf der Website des Bezirksamts.

Konzept für jugendliche Intensivtäter

Und genau an diese gewaltbereiten, straffälligen Jugendlichen soll sich ein neues Konzept richten, das der zuständige Jugendstadtrat Falko Liecke in diesem Jahr verstärkt durchsetzen will.

"Das Neuköllner Handlungskonzept richtet sich insbesondere an jugendliche Mehrfach- und Intensivtäter. In Neukölln haben wir davon mehr als jeder andere Bezirk“, sagte er in einem Statement des Bezirksamt Neukölln.

Dabei setzt Liecke stark auf Präventionsmaßnahmen – und auf eine verstärkte Zusammenarbeit aller Beteiligten.

"Wir machen deutlich, dass Kriminalität nicht hingenommen wird"

"Wir werden deutlich machen, dass alle Akteure zusammenarbeiten und wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. Jugendamt, Polizei, Schule, Staatsanwaltschaft, Gericht und Ausländerbehörde sind mit an Bord", sagte er dort weiterhin.

"Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Schulbereich werden wir intensivieren. Damit machen wir deutlich, dass Kriminalität nicht hingenommen wird und dass Integration nicht verhandelbar ist.“

"Staatsanwaltschaft für Neukölln"

Ein erster Schritt: Bereits vor einem Jahr wurde der Posten eines eigenen "Staatsanwalts für Neukölln" geschaffen - ein Pilotprojekt. Anfang Juli dieses Jahres konnte dann die erste - positive - Bilanz gezogen werden.

Laut eines Berichts des "Tagesspiegel" konnten innerhalb eines Jahres so über 1200 Ermittlungsverfahren bearbeitetet und 280 Anklagen erhoben werden - ein klarer Anstieg zum Vorjahr.

Im nächsten Schritt sollen drei Sozialarbeiter eingestellt werden, die Arabisch und Türkisch sprechen, erklärte Liecke im Gespräch mit dem "Tagesspiegel". Diese sollen dann das direkte Gespräch mit den Familien junger Straftäter mit Migrationshintergrund suchen.

Durch die Vernetzung von Prävention (durch Sozialarbeiter, Lehrer und Co.) und Strafverfolgung (durch Polizei und Staatsanwaltschaft) sollen kriminelle Karrieren so besonders früh erkannt und ausgebremst werden, heißt es weiter.

Auch wenn es sicher noch zu früh ist für eine ganzheitliche Bewertung des Pilotprojekts, ist eines doch klar: Dieser Stadtteil meint es ernst mit dem Kampf gegen die Jugendgewalt - und ist bereit, neue Wege zu gehen.

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Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

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Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

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