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Polizeigewerkschaft warnt: Brutalität an Schulen steigt - und die wollen das vertuschen

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VIOLENCE SCHOOL
Polizei warnt: Brutalität an Schulen steigt - und die wollen das vertuschen | Norbert Michalke via Getty Images
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  • Die Deutsche Polizeigewerkschaft beklagt zunehmende Brutalität an Schulen
  • Grund dafür sei eine Verrohung der Gesellschaft
  • Außerdem versuchten Schulen, das Ausmaß der Gewalt zu vertuschen

Es ist eine Warnung, die aufhorchen lässt.

„"Die Körperverletzung wird exzessiver, brutaler", sagt der rheinland-pfälzische Vertreter der Deutschen Polizeigewerkschaft, Benno Langenberger, der Nachrichtenagentur dpa. Immer mehr Schüler trügen Stichwaffen wie Messer bei sich, manchen hätten auch Schlagringe und Pfefferspray.

Das ist zwar nur ein regionaler Ausschnitt.

Ob es anderswo besser aussieht, bezweifelt aber zum Beispiel Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Das ist kein Problem, das auf ein Bundesland reduziert ist", sagt er im Gespräch mit der Huffington Post. Zwar sei die Zahl der Gewalttaten in den vergangenen Jahren gesunken - von 2014 auf 2015 um sieben Prozent auf 20.220 Straftaten.

Allerdings: Die Täter seien heute "enthemmter" als früher, ebenso wie die gesamte Gesellschaft, warnt Wendt. Er führt das auf den Konsum gewaltverherrlichender Medien zurück – eine wissenschaftlich viel diskutierte und in Teilen umstrittene These, auf die Enthemmung der Sprache in den sozialen Netzwerken, die sich dann in der Realität fortsetze.

Lehrervertreter erinnern an zunehmende Respektlosigkeit ihnen gegenüber, die den Kindern von Eltern und Politikern vorgelebt werde. Josef Kraus, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, sagte laut dem Sender MDR: "Es gab ja auch mal eine Zeit, wo sich selbst Spitzenpolitiker unmöglich über Lehrer geäußert haben – faule Hunde, faule Säcke und so weiter. Das hat natürlich den Respekt in den Keller gebracht."

Wendt macht da allerdings auch den Schulbehörden Vorwürfe: Die Polizei könne Straftaten erst verfolgen, wenn sie darüber informiert werde. Und genau da hapere es.

Wendt: Schulbehörde will Gewalt vertuschen

Der Gewerkschafter verweist zum Beispiel auf eine Anweisung der Hamburger Schulbehörde mit dem sperrigen Titel „Richtlinie zur Bearbeitung und Meldung von Gewaltvorfällen in Schulen“. Darin steht, welche Straftaten die Lehrer zwingend der Polizei melden müssen.

2015 wurde diese Richtlinie überarbeitet. Und nach der neuen Fassung mussten Lehrer plötzlich Verstöße gegen das Waffengesetz, Diebstahl unter Waffeneinsatz und einige weitere Delikte nicht mehr der Polizei melden.

Die CDU witterte, dass da etwas vertuscht werden sollte. Zumal sich die Zahl der gemeldeten Straftaten in den Jahren vor der Änderung extrem erhöht hatte.

Wendt sieht das ähnlich. Denn viele öffentlich registrierte Straftaten an einer Schule - das sei im Wettbewerb, etwa um neue Schüler, keine gute Voraussetzung.

Langenberger: Mehr Schüler haben Waffen bei sich

Auf Anfrage der Huffington Post könnte die Hamburger Schulbehörde zunächst keine Antwort geben. Sie verweist auf eine Antwort, die sie der CDU vergangenes Jahr auf die gleiche Frage gegeben hatte.

Schneeballwerfen als Körperverletzung

Die Kurzfassung: Die Einschätzung der Lehrer habe sich oft mit der Polizei nicht gedeckt. Die Lehrer hätten übertrieben. Manche hätten schon Schneeballwerfen als Körperverletzung interpretiert. Diese unnötigen Meldungen wollte die Schulbehörde, vereinfacht gesagt, abstellen.

Eine Erklärung, die mehr Fragen offen lässt als beantwortet. Und beunruhigt – denn viele Polizisten glauben, dass solche Meldungen durchaus abschreckend auf die Schüler wirken könnten.

Gewerkschafts-Chef Wendt hält eine Kombination von polizeilichen und pädagogischen Maßnahmen für die beste Lösung. In Berlin-Neukölln zum Beispiel hat Jugendstadtrat Falko Liecke ein Präventionsprojekt gestartet, bei dem Sozialarbeiter, Polizei, Richter und Schüler sich bei Problemen früh zusammensetzen.

Außerdem finden Wendt und sein Kollege, dass man den Schülern schon früh klar machen müsse, was sie sich im Leben alles verbauten: Viele kapierte gar nicht, dass sie sich mit Vorstrafen viele Jobs im öffentlichen Dienst abschminken könnten.

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