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5 Gründe, warum der Putsch gegen Erdogan gescheitert ist

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  • Stundenlang hielt der Putschversuch in der Türkei die Welt in Atem
  • Teile der Streitkräfte wollten die Macht übernehmen, konnten aber die Regierung nicht stürzen. Warum?

265 Tote, über 1000 Verletzte und 2800 Festnahmen: Die Bilanz des gescheiterten Militärputsches in der Türkei ist verheerend. Und letztlich scheint der Aufstand nur einem genutzt zu haben: Staatspräsident Erdogan selbst. Auf seinem Weg zur Präsidialsystem ist er nun kaum noch aufzuhalten, sagen Experten.

Doch wie konnte es soweit kommen? Fünf Gründe, warum der Putsch scheiterte.

1. Das Volk leistete Widerstand

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat glühende Anhänger in der Türkei, die in Massen auf die Straße zogen. Seit 2002 hat seine islamisch-konservative AKP jede Wahl gewonnen. Noch wichtiger: Erdogans Kritiker lehnten den Putschversuch ebenfalls ab.

Drei Oppositionsparteien sitzen im Parlament, alle drei schlugen sich auf die Seite der Regierung. Auch die Polizei blieb der Regierung treu. Die Türken erinnern sich noch gut an den Putsch von 1980. Während der folgenden Militärdiktatur saßen Zehntausende im Gefängnis.

2. Das Militär war gespalten

Wenn die Putschisten gehofft hatten, dass sich ihnen große Teile der Armee anschließen würden, ging die Rechnung nicht auf. Deshalb hatten sie wohl auch schlicht nicht genug Soldaten, um strategisch wichtige Orte zu besetzen und auch zu halten.

Armeechef Hulusi Akar und andere hochrangige Militärs waren regierungstreu - ebenso die Piloten, die sich auf Befehl der Regierung in Kampfjets setzen, um von den Putschisten gekaperte Flugzeuge abzuschießen.

3. Die Putschisten konnten Erdogan nicht festsetzen

Der Präsident war im Urlaub an der türkischen Ägäis-Küste in Marmaris. Sein Hotel wurde nach Erdogans Angaben auch bombardiert - aber erst, nachdem er abgereist war.

4. Erdogan nutzte das Internet

Obwohl über Stunden unklar war, wo Erdogan steckte, konnte er sein Volk erreichen. Im Fernsehsender CNN Türk war er auf dem Bildschirm eines Smartphones zu sehen, das eine Moderatorin in die Kamera hielt. Per Facetime, einem Apple-Dienst für Videotelefonie, sprach er zum Land.

Auch Twitter nutzte er, den Kurznachrichtendienst, den er vor gut zwei Jahren noch hatte blockieren wollen. Rasend schnell verbreiteten sich im Netz Bilder von Zivilisten, die sich den Putschisten entgegenstellten.

5. Die Weltgemeinschaft stellte sich hinter Erdogan

Ob Vereinte Nationen, Nato, EU, USA, Russland oder Bundesregierung, keine internationale Stimme von Weltrang hieß den versuchten Putsch gut - bei aller Kritik am türkischen Präsidenten und dessen autoritärem Führungsstil.

Einstimmig mahnte die internationale Gemeinschaft, Blutvergießen zu verhindern und die demokratische Grundordnung zu achten.

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