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Bundesverteidigungsministerium: Deutsche Soldaten dürfen türkischen Bundeswehr-Stützpunkt nicht verlassen

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TURKISH AIR FORCES
Türkische Sicherheitskräfte haben den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik, der auch von der Bundeswehr genutzt wird, abgeriegel | Anadolu Agency via Getty Images
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  • Bundesverteidigungsministerium: Deutsche Soldaten dürfen türkischen Bundeswehr-Stützpunkt nicht verlassen
  • Ein Ministeriumssprecher bestätigte gegenüber der Huffington Post entsprechende Angaben des US-Konsulats
  • In Incirlik sind auch 240 Soldaten Bundeswehr stationiert

Entgegen anders lautender Meldungen können deutsche Soldaten den Luftwaffenstützpunkt Incirlik, auf dem auch 240 deutsche Soldaten stationiert sind, laut Bundesverteidigungsministerium noch immer nicht verlassen.

"Die deutschen Soldaten dürfen den Stützpunkt ebenso wie die dort stationierten amerikanischen Streitkräfte zu ihrer eigenen Sicherheit nicht verlassen", sagte ein Ministeriumssprecher am Samstagabend der Huffington Post. Auch der Zugang zur Basis sei deshalb gesperrt.

Es handle sich um eine "Vorsichtsmaßnahme". Man habe die "Gefahrenstufe aufgrund des Putschs erhöht". Die Initiative für diesen Schritt sei von den US-Amerikanern ausgegangen.

Bereits am Nachmittag hatten mehrere Medien, darunter die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf das US-Konsulat berichtet, türkische Sicherheitsbehörden hätten am heutigen Samstag den Luftwaffenstützpunkt abgeriegelt.

Demnach sei auch die Energieversorgung unterbrochen. Der Zugang zur Basis und auch das Verlassen des Stützpunktes sei aus Sicherheitsgründen untersagt, so die dpa noch am Nachmittag.

Die Bundeswehr hatte am späten Samstagnachmittag nach Darstellung der Nachrichtenagentur jedoch der US-Version widersprochen, wonach der Zugang zum Luftwaffenstützpunkt abgeriegelt worden sei. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr wurde von der dpa mit der Aussage zitiert, die Soldaten könnten mit Ausweiskontrolle weiterhin die Basis verlassen und hineingehen.

Dem angeblichen Dementi widersprach der Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber der HuffPost jedoch ausdrücklich. Der Bundeswehr-Sprecher sei "falsch wiedergegeben worden". Der Stützpunkt sei für deutsche und amerikanische Soldaten "abgeriegelt".

Zuvor hatte auch das ARD-Hauptstadtstudio berichtet, dass die Bundeswehrsoldaten die Airbase derzeit nicht verlassen dürften. Grund sei die erhöhte Sicherheitsstufe, die in Incirlik derzeit gelte.

Zwar sind türkische Militärs und Behörden für die Bewachung des Stützpunkts zuständig. Sie überwachen also defacto die Ausgangssperre der Deutschen. Der Befehl für die strengeren Sicherheitsvorkehrungen soll jedoch, wie der MDR eine Bundeswehrsprecherin zitiert, von der deutschen Kommandospitze selbst gekommen sein.

Doch es bleiben Fragen zu den tatsächlichen Hintergründen der Maßnahme. Die Pressestelle der Bundeswehr war für die Huffington Post zunächst jedoch nicht erreichbar.

Laut ARD-Korrespondent sollen die Putschisten von Incirlik aus mit Versorgungsflügen unterstützt worden sein. "Spiegel Online" zufolge geht dagegen die Bundeswehr nicht davon aus, dass die türkischen Soldaten in Incirlik die Putschisten unterstützten.

Nach Informationen von "Spiegel Online" ist zumindest die Energieversorgung des Stützpunkts weiterhin unterbrochen. Die USA würden aber mittlerweile Diesel für die Generatoren einfliegen.

"Bild am Sonntag" berichtete ebenfalls von einem Stromausfall. Die Stromversorgung des Fliegerhorsts in Incirlik werde zur Zeit durch dieselbetriebene Notstromgeneratoren gewährleistet.

Dem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge war vor dem Haupttor in der Putsch-Nacht Schüsse zu hören. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Zeitung. "Über die Hintergründe haben wir keine Erkenntnisse", so der Sprecher.

Klar ist: In dem Luftwaffen-Stützpunkt sind auch 240 Bundeswehr-Soldaten stationiert. Von dort starten die Bundeswehr-Tornados, die sich am Kampf gegen die Terrormiliz IS beteiligen.

Gestern Abend hatten Militärs einen Putschversuch unternommen. Dieser scheint jedoch gescheitert zu sein.

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(lp)