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Türkische Regierung entlässt 2745 Richter aus ihren Ämtern (LIVEBLOG)

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  • In der Türkei hat ein Teil des Militärs einen Putschversuch unternommen
  • Die Regierung bezeichnet den Putschversuch als gescheitert
  • Hunderte Menschen starben, über tausend wurden verletzt

Dramatische Nacht in der Türkei: Nach einem Putschversuch von Teilen des Militärs mit Dutzenden Toten scheint die Regierung die Lage wieder unter Kontrolle zu haben. In der Nähe des Präsidentenpalastes in Ankara gebe es aber noch Probleme, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstagmorgen am Atatürk-Flughafen in Istanbul.

Hunderte Militärangehörige wurden nach Angaben des Justizministeriums festgenommen. Der Fernsehsender NTV berichtete über die Absetzung von fünf Generälen und 29 weiteren hohen Militärs.

In der Nähe des Palastes in Ankara sollen Kampfjets Bomben abgeworfen haben. In den Straßen von Ankara und der Metropole Istanbul waren in der Nacht Panzer aufgefahren. Menschen rannten in Panik davon, als Schüsse abgegeben wurden und Kampfjets im Tiefflug über die Innenstädte rasten. Einige kletterten auf Panzer und stellten sich Soldaten in den Weg, wie Fernsehbilder zeigten.

Alle Ereignisse im Live-Blog.

15:03 Uhr: Zehn Mitglieder am hohen Gericht in Ankara festgenommen

Nach dem Putschversuch in der Türkei sind zehn Mitglieder des türkischen Staatsrats in der Hauptstadt Ankara festgenommen worden. Ihnen werde Unterstützung des Putsches vorgeworfen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag. Ob es sich bei den Festgenommenen um Richter oder Staatsanwälte handelte, war zunächst unklar.

14:55 Uhr: Lammert: Putsch durch Militär keine Lösung für politische Spannungen

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat sich erleichtert über den Ausgang des Putschversuchs in der Türkei gezeigt. "Ich kann nicht erkennen, dass irgendetwas einfacher geworden wäre, wenn dieser Putsch erfolgreich gewesen wäre", sagte Lammert am Samstag bei einem Treffen mit Amtskollegen aus weiteren deutschsprachigen Ländern in Konstanz. "Dass die Ereignisse in der Türkei auch Ausdruck von erheblichen politischen Spannungen sind, die es im Lande gibt, ist offenkundig."

14:10 Uhr: Türkische Regierung entlässt 2745 Richter aus ihren Ämtern

Angeblich hat die türkische Regierung 2745 Richter aus ihren Ämtern entlassen. Das berichtet der türkische Nachrichtensender NTV unter Berufung auf das Oberste Verfassungsgericht.

12:49 Uhr: Putschisten kapern offenbar Kriegsschiff

Putschisten haben türkischen Marinestützpunkt Gölcük offenbar eine Fregatte gekapert. Das berichten "N24" und beruft sich auf Militärangaben. Der Flottenchef sei demnach als Geisel genommen worden.

11:52 Uhr: Zahl der Toten bei Putschversuch in der Türkei auf 265 gestiegen

Die Zahl der Toten bei dem Putschversuch in der Türkei ist nach Regierungsangaben auf insgesamt 265 gestiegen. Bei 161 der Toten handelt es sich laut Ministerpräsident Binali Yildirim um regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten. Hinzu kommen 104 getötete Putschisten, wie es am Samstag aus Regierungskreisen in Ankara hieß.

11:20 Uhr: Bundeswehr: Erhöhte Sicherheitsstufe auf türkischer Basis Incirlik

Als Reaktion auf den Putschversuch in der Türkei sind die Sicherheitsmaßnahmen auf der auch von der Bundeswehr genutzten Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes erhöht worden. "Es handelt sich um eine routinemäßige, vorsorgliche Erhöhung der Bereitschaftsstufe zum Schutz der Soldaten", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Lage sei völlig ruhig. Die USA fliegen von Incirlik aus Luftangriffe gegen den IS. Die Bundeswehr hat dort derzeit 240 Soldaten stationiert. Sie beteiligen sich mit "Tornado"-Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen die Terrormiliz.

10:30 Uhr: Fotos zeigen ganzes Ausmaß des Putsches

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Putsch in der Türkei
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Aktuelles Bild

10:28 Uhr: Steinmeier verurteilt Putschversuch in der Türkei

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich "zutiefst beunruhigt" über den Putschversuch in der Türkei geäußert. "Alle Versuche, die demokratische Grundordnung der Türkei mit Gewalt zu verändern, verurteile ich auf das Schärfste", sagte Steinmeier am Samstag in Berlin. "Ich rufe alle Beteiligten dazu auf, die demokratischen Institutionen zu respektieren und die verfassungsmäßige Ordnung zu achten. Alle Verantwortlichen müssen sich an die demokratischen und rechtsstaatlichen Spielregeln halten und dafür sorgen, dass weiteres Blutvergießen verhindert wird."

10:15 Uhr: Türkischer Militärchef: 194 Tote bei Putschversuch

Bei dem Putschversuch in der Türkei sind nach Angaben des Militärs insgesamt 194 Menschen ums Leben gekommen. Darunter seien 47 Zivilisten und 104 Putschisten, sagte der kommissarisch zum Militärchef ernannte General Ümit Dündar am Samstag.

10.09 Uhr: Medien: AKP-Vize Müezzinoğlu fordert Todesstrafe für Putschisten

Verschiedene türkische Medien, darunter CNN Türk, berichten, dass als Reaktion auf den Putschversuch in der Türkei die Todesstrafe wieder eingeführt werden könnte. Dass soll der AKP-Vize Müezzinoğlu gefordert haben.

9.45 Uhr: Operation gegen Putschisten in Armee-Hauptquartier dauert an

Die Operationen gegen Putschisten im Armee-Hauptquartier in Ankara dauern an. Aus Regierungskreisen hieß es, am Samstagmorgen hätten Teilnehmer des Umsturzversuches noch aus dem Gebäude geschossen. "Das ist im Moment ihr letzter Stützpunkt."

9.40 Uhr: Iran verurteilt Putschversuch in der Türkei

Der Iran hat den versuchten Putsch im Nachbarland Türkei verurteilt. «Wir unterstützen die vom türkischen Volk demokratisch gewählte Regierung und verurteilen den Putsch», sagte der Sprecher des iranischen Sicherheitsrats am Samstag. Seit den frühen Morgenstunden verfolge man in Teheran akribisch die Lage. Der Putsch werde auch im Laufe des Tages in einer von Präsident Hassan Ruhani einberufenen Krisensitzung des Sicherheitsrats weiter diskutiert, sagte Sprecher Kejwan Chosrawi der Nachrichtenagentur IRNA.

9.06 Uhr: Zahl der Toten massiv nach oben korrigiert

Bei dem Putschversuch in der Türkei sind nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mindestens 90 Menschen getötet worden. 1154 weitere Menschen seien verletzt worden, meldete Anadolu am Samstag. Zuvor war noch von 60 Toten die Rede gewesen.

9.02 Uhr: Chaotische Szenen in der Redaktion von CNN Türk

Über Twitter verbreitet sich ein Video, das chaotische Szenen aus dem Sender CNN Türk zeigen soll. Es ist derzeit nicht unabhängig überprüft:

8.57 Uhr: Kommentator: "Erdogan ist selbst schuld am Putsch"

Es ist eine lange Liste von Verfehlungen, die der Autor von "Foreign Policy" dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan da vorwirft. Er kommt zu dem Schluss: Erdogan hat sich den Putsch selbst eingebrockt.

8.38 Uhr: Mehr als 1500 Soldaten festgenommen

Die Agentur AP meldet unter Berufung auf einen hochrangigen Behördenvertreter, in der ganzen Türkei seien 1563 Militärangehörige festgenommen worden.

8.36 Uhr: Putschisten haben Parlamentsgebäude beschädigt

Bei Luftangriffen der Putschisten auf das Parlament in Ankara ist das Gebäude der türkischen Nationalversammlung stark beschädigt worden. Auf Fernsehbildern waren am Samstagmorgen Trümmer, zerborstene Scheiben und gravierende Schäden am Mauerwerk zu sehen.

8.15 Uhr: Tsipras: "Griechenland steht an der Seite von Demokratie und Verfassung"

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat der türkischen Regierung die Unterstützung seines Landes zugesichert. "Die Regierung und das griechische Volk verfolgen die Entwicklung in der Türkei und stehen an der Seite von Demokratie und Verfassungsordnung", schrieb Tsipras bei Twitter.

Man habe den Amtskollegen des Nachbarlandes eine entsprechende Nachricht zukommen lassen, sagte Regierungssprecherin Olga Gerovasili dem staatlichen Nachrichtensender ERT: "Athen unterstützt die demokratisch gewählte Regierung der Türkei."

8.05 Uhr: Kreml ruft zur Ruhe auf

Russland hat sich angesichts des Putschversuchs in der Türkei besorgt gezeigt. "Wir sind daran interessiert, dass die Vorgänge in der Türkei so schnell wie mögliche auf legitime Weise enden und das Land zum Weg der Stabilität, Berechenbarkeit und Rechtsstaatlichkeit zurückkehrt", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in der Nacht zum Samstag. Einen Kontaktversuch zwischen Präsident Wladimir Putin und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan habe es nicht gegeben.

Erst kürzlich hatte es im zerrütteten Verhältnis zwischen Russland und der Türkei wieder Zeichen der Entspannung gegeben. Präsident Erdogan hatte sein Bedauern über den Abschuss eines russischen Kampfjets im vergangenen November geäußert und war damit auf Putin zugegangen. Moskau erlaubte daraufhin wieder Charterflüge in das bei russischen Urlaubern beliebte Land.

07.55 Uhr: Konteradmiral Demirhan festgenommen

Ein Video der Istanbuler Zeitung "Daily Sabah" soll zeigen, wie einer der wichtigsten Putschisten, der Konteradmiral Atilla Demirhan, von der Polizei verhaftet wird. Die Szenen sollen sich in der Provinz Mersin im Süden der Türkei abgespielt haben.

7.39 Uhr: Generalstabschef Akar befreit

Sicherheitskräfte haben den türkischen Armeechef Hulusi Akar aus der Gewalt von Putschisten befreit. Das verlautete am Samstagmorgen aus Regierungskreisen. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, zu der Befreiung des Generals sei es bei einer Operation auf einer Luftwaffenbasis nahe der Hauptstadt Ankara gekommen. Der Chef des Generalstabs sei in Sicherheit gebracht worden. Der Verbleib Akars war nach dem Beginn des Putschversuches zunächst unklar gewesen.

7.27 Uhr: Putschisten geben nicht auf

Die Putschisten erklären nach Informationen von "Bild.de" in einer E-Mail, dass sie weiter kämpfen. Sie riefen die Bevölkerung auf, zu ihrer eigenen Sicherheit in Räumen zu bleiben. Die Gruppe nennt sich Bewegung für Frieden in der Heimat. Die E-Mail trägt den Absender des Pressebüros des Generalstabs des Militärs.

7.00 Uhr: Warnung an alle Touristen

Das Auswärtige Amt warnt, Reisende sollten in den türkischen Großstädten Istanbul und Ankara "äußerste Vorsicht" walten lassen .

6.58 Uhr: Rauch über dem Präsidentenpalast

tuerkei

Rauch steigt über der Gegend in Ankara auf, wo der Palast des türkischen Präsidenten steht. Foto: AP

6.46 Uhr: Regierung: 754 Festnahmen, 60 Tote

Nach dem Putschversuch in der Türkei sind 754 Militärangehörige festgenommen worden. Dies teilte das Justizministerium in Ankara am Samstag mit. Außerdem seien 60 Menschen ums Leben gekommen.

6.26 Uhr: Nach Putschversuch in Türkei kommissarisch neuer Militärchef ernannt

In der Türkei übernimmt nach dem Putschversuch ein neuer Militärchef kommissarisch das Kommando. Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge wurde General Ümit Dündar als Militärchef ernannt. Wo sich der bisherige Chef des Generalstabs Hulusi Akar aufhielt, war unklar.

Hintergrund: Was ihr über das Militär in der Türkei wissen müsst

6.24 Uhr

soldaten

Ein Foto der Agentur dpa zeigt, wie türkische Soldaten am frühen Samstagmorgen auf dem Taksim-Platz in Istanbul von Zivilisten festgenommen und an die Polizei übergeben werden.

5.59 Uhr: Soldaten auf Bosporus-Brücke ergeben sich

In der türkischen Metropole Istanbul haben sich mehrere zunächst an dem Putschversuch beteiligte Soldaten offenbar ergeben. Im Fernsehen war zu sehen, wie einige an der Bosporus-Brücke von Polizisten abgeführt wurden. Auf der Brücke, die Asien und Europa verbindet, waren in der Nacht Panzer aufgefahren.

bosporus

Das AP-Foto zeigt die berühmte Bosporus-Brücke in Istanbul am Samstagmorgen.

5.53 Uhr: Fernsehen: Bomben am Präsidentenpalast

Militärjets haben nach einem Bericht des Fernsehsenders NTV in der Nähe des Präsidentenpalastes in Ankara Bomben abgeworfen. Ob es Verletzte gab oder die Gebäude beschädigt wurden, war zunächst unklar. In Istanbul waren noch im Morgengrauen am Samstag immer wieder Schüsse zu hören.

4.37 Uhr: Erdogan: Atatürk-Flughafen bald wieder in Betrieb

Der Atatürk-Flughafen in Istanbul soll um 6 Uhr Ortszeit seinen normalen Betrieb wieder aufnehmen, wie es in einer Mitteilung der Fluggesellschaft Turkish Airlines bei der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu hieß.

4.36 Uhr: Türkische Regierung: Putschversuch von Streitkräften abgewendet

In der Türkei ist ein Putschversuch von Streitkräften gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach Angaben der Regierung abgewendet worden. "Die Situation ist weitgehend unter Kontrolle", sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am frühen Samstagmorgen. Mehr als 120 Putschisten seien festgenommen worden. Es gab Berichte über Tote und Verletzte sowie schwere Explosionen in Istanbul und Ankara. Auch im Morgengrauen waren in Istanbul noch Schüsse und Explosionen zu hören.

4.31 Uhr: Rund 3000 Demonstranten vor türkischer Botschaft in Berlin

Rund 3000 Demonstranten haben in der Nacht zum Samstag vor der türkischen Botschaft in Berlin gegen den Putschversuch in der Türkei protestiert. Die Demonstranten schwenkten türkische Flaggen, manche trugen T-Shirts mit dem Aufdruck "Türkiye" (Türkei). Vereinzelt wurde auch "Allahu akbar" (Gott ist am größten) gerufen.

Mit Material von dpa und AP