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Flüchtling hat falsches Zugticket: Reaktion der Mitfahrer zeigt, wozu Deutschland fähig ist

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Flüchtling stieg mit falschem Ticket in den ICE | Getty Images
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Hilfe ist so einfach, wenn sich mehrere Menschen zusammenschließen, um Gutes zu tun. Das zeigt die Geschichte von Jens Schacht, der auf Facebook von einem Flüchtling berichtete, der kürzlich mit dem ICE von Nürnberg nach Düsseldorf fahren wollte - aber sich leider dafür das falsche Ticket gekauft hatte.

Daraufhin meinte der Schaffner, dass der Mann bei der nächsten Haltestelle aussteigen und eine Regionalbahn nehmen solle. Schacht berichtet: "Er wäre mitten in der Nacht irgendwo hinter Gießen gestrandet. Als Fremder ohne Geld und Orientierung. Ich habe übersetzt ins Englische, aber schnell gemerkt, dass der Mann mit der Situation völlig überfordert ist. Und kein Geld hat."

Schacht und der Schaffner entwickelten einen Plan, wie sie dem Flüchtling helfen konnten

Schacht wollte dem jungen Flüchtling helfen und bot dem Schaffner an, ein Ticket für ihn mit seiner BahnCard zu kaufen. Das lehnte der Schaffner jedoch ab: Man darf mit der BahnCard keine Tickets für andere erstehen. Schacht appellierte an die Menschlichkeit des Bahn-Angestellten: "Das ist jetzt eine von den Situationen, in denen man einfach eine Lösung finden muss. Ich übernehme die Hälfte, übernehmen Sie bitte für die Deutsche Bahn die andere".

Schließlich ließ sich der Schaffner erweichen und machte folgenden Vorschlag: Der Flüchtling könne bis Frankfurt umsonst fahren - von Frankfurt bis Düsseldorf müsse Schacht aber dem Flüchtling ein Ticket für 80 Euro ohne BahnCard-Vergünstigungen kaufen. Der willigte ein - und wurde von der Reaktionen der Mitreisenden überrascht.

Die Mitreisenden legten zusammen, damit der Mann weiterfahren konnte

Diese hatten mitbekommen, dass der Flüchtling in Schwierigkeiten steckte - und wollten auch helfen. Sie beteiligten sich an dem Ticket und legten zusammen. Am Ende zahlte Schacht 8 Euro. Er erzählt: "Ich habe das Ticket gekauft und dem Mann in die Hand gedrückt. "You can stay in the train, they all paid for you. Have a good journey." Er hat mich ungläubig angesehen und hatte Tränen in den Augen. Es kann so einfach sein." Damit endet sein rührender Facebook-Post, der 12.000 Mal geteilt wurde und 56.000 Likes erhielt.

Wir alle könnten Deutschland zu einem besseren Ort machen

Schachts Geschichte zeigt, wozu die deutsche Gesellschaft fähig ist: Deshalb habe er sie überhaupt veröffentlicht - "um zu zeigen, dass es am Ende ganz einfach ist: Hingucken, überlegen, was man beitragen kann, sich nicht zufrieden geben, bis die Hilfe funktioniert hat. Wären wir alle so, wäre das hier keine Nachricht. Es ist aber eine, weil sich hier 7 Leute spontan so verhalten haben, ohne Dank zu erwarten, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Sie kamen, sie sahen und sie halfen. Und was 7 können, können 70 Millionen. Oder 7 Milliarden. Dann erledigen sich Diskussionen, ob man eher Ausländern oder Deutschen helfen sollte, Obdachlosen oder Fahrgästen."

Schacht hofft, dass es irgendwann endlich normal wird, sich gegenseitig zu helfen - ohne nach der Nationalität des anderen zu fragen.

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