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Terrorexperte Guido Steinberg: „Natürlich hat Islamismus etwas mit Islam zu tun - aber..."

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NIZZA
NICE, FRANCE - JULY 14: Victims are given medical assistance at Casino Du Palais De La Mediterranee, following a truck attack on Promenade des Anglais on July 14, 2016 in Nice, France. A French-Tunisian attacker killed 84 people as he drove a truck through crowds, gathered to watch a firework display during Bastille Day celebrations. The attacker then opened fire on people in the crowd before being shot dead by police. (Photo by Remi Benali/Getty Images) | Remi Benali via Getty Images
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  • Terrorismusexperte Steinberg steigt in eine umstrittene Debatte ein
  • Der Islamismus habe zwar durchaus etwas mit Islam zu tun
  • Doch der Experte macht eine wichtige Einschränkung

84 Menschen starben bei dem Anschlag von Nizza. Und wieder einmal wollen es viele vorher gewusst haben. Insbesondere die Rechtspopulisten in aller Welt melden sich mit entsprechenden Aussagen zu Wort.

Doch so einfach ist die Sache nicht. Aus Sicht von Guido Steinberg, Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, war die mutmaßlich terroristische Tat so so nicht vorhersehbar.

„Der Anschlag war definitiv eine Überraschung für die meisten Beobachter und auch die französischen Sicherheitsbehörden“, sagt Steinberg im "Deutschlandfunk". Steinberg gilt als einer der renommiertesten Experten in seinem Feld.

„Viele hatten vermutet, dass der IS versucht, während der EM Attentate zu verüben. Man schien sich schon entspannt zu haben - deshalb war der Überraschungseffekt sehr hoch“.

Ob es sich beim Anschlag in Nizza um die Tat eines IS Anhänger handle, müsse man aber abwarten. „Man kann Menschen nicht vor Einzeltätern schützen“.

Über 1700 junge Franzosen nach Syrien ausgereist

Das Problem für Frankreich seien die Organisationen im Irak und Syrien, die viele Anhänger rekrutieren und ausbilden, sagt Steinberg.

Während schätzungsweise über 1700 junge Franzosen nach Syrien ausgereist seien, scheinen deutsche Gotteskrieger dagegen weit weniger strukturiert und entschlossen zu sein: „Aber auch hier müssen wir die Terrorismusdebatte führen - Frankreich zeigt, dass es eine große Gefahr gibt, auch wenn sie in Deutschland nicht so ausgeprägt ist".

Aus Sicht von Steinberg hat Islamismus ganz klar etwas mit dem Islam zu tun: „Terrorismus beruht auf Ideologie und die wiederum auf einer Interpretation des Islam“.

„Aber dies hat eben nichts mit den vielen friedlichen Muslimen in Deutschland und Europa zu tun“.

"Wir müssen die Grenze sichern"

Auf politischer Ebene sieht der Terrorismusexperte dringenden Handlungsbedarf: „Wir müssen die Grenzen sichern“, sagte Steinberg. „Die Kommunikation im Schengen-Raum hat in den letzten Jahren nicht funktioniert“.

Zudem müsse man die Nachrichtendienste stärken, um früher zu erfahren, wer aus Syrien zurückkehrt und möglicherweise Anschläge verüben will, sagt der Experte: „Vor allem müssen wir eine Organisation wie den IS schlagen, damit sie nicht länger in der Lage ist, Attentäter auszubilden“.

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(tl)