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Terroranschlag mit über 80 Toten in Frankreich: Warum ausgerechnet Nizza?

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In Frankreich herrscht Trauer, Schock, Fassunglosigkeit. Schon wieder.

Gerade noch feierte die Grande Nation ein großes Fußballfest und atmete erleichtert auf, dass die Europameisterschaft weitgehend vom Terror verschont blieb.

Und jetzt doch. Die traurige Bilanz am Tag nach dem Attentat in Nizza: Über 80 Tote, dutzende Verletzte, darunter viele Kinder.

Es wächst die Gewissheit, dass das Land “anfangen muss, mit dem Terror zu leben”, wie der Premierminister des Landes, Manuel Valls, sagt.

Doch warum hat es dieses Mal Nizza getroffen?

Nizza blieb bisher vom Terror weitgehend verschont

Paris war schon häufiger Ziel von Anschlägen, auch in Toulouse herrscht seit dem Attentat vor einer jüdischen Schule 2012 eine höhere Alarmbereitschaft.

Nizza aber, das beliebte Touristenziel in der Provence, war bisher von größeren Attacken verschont geblieben.

So überraschend, wie es vielen erscheinen mag, ist es allerdings nicht, dass der Terror dieses Mal die südfranzösische Stadt getroffen hat.

Experten stufen Nizza schon länger als eine der großen Hochburgen von radikalen Islamisten ein. Mohamed Sifaoui, französischer Journalist algerischer Herkunft, sieht die Stadt gar unter den fünf Haupt-Rekrutierungsorten von Terroristen an - neben Toulouse, Lyon, dem Norden Frankreichs und der Region Paris.

Der Muslim deckt seit Jahren islamistische Netzwerke und ihrer Aktivitäten auf. Sifaoui lebt seit 1999 in Frankreich, nachdem er in Algerien nur knapp einem Anschlag entging.

Aus Nizza stammen dutzende gefährliche Dschihadisten

Aus Nizza stammt beispielsweise Omar Omsen, ein Dschihadist, den man für tot hielt und der Ende Mai wieder auftauchte.

Seine Gruppe steht im Zusammenhang mit der dschihadistisch-salafistischem Al-Nusra-Front, die in Syrien aktiv ist. Laut einem Bericht der französischen Huffington Post hat die Terrorvereinigung gemeinsam mit Omsen mindestens 50 aus Nizza stammende Dschihadisten ausgebildet.

Der Schock über das Attentat vom Donnerstagabend ist vor allem deshalb so groß, weil die Stadt die Sicherheitsvorkehrungen auf ein Maximum erhöht hat - und das schon lange, bevor die Terrorwelle ihren Anfang nahm, die Frankreich seit Januar 2015 in Atem hält.

Die Stadt hat die am besten ausgebildete Stadtpolizei Frankreichs

Laut dem Bericht der HuffPost France verfügt Nizza über die erfahrenste und am besten ausgestattete Stadtpolizei von ganz Frankreich mit mehr als 390 bewaffneten Beamten und einer Hunde-Einheit, die Tag und Nacht in der Stadt unterwegs ist.

Der Einsatzplan für den Sommer sah demnach eine "verstärkte Polizeipräsenz von 16 Uhr bis vier Uhr früh am Morgen" vor.

Schon 2010 gehörte Nizza zudem zu den Metropolen, die gemessen an der Einwohnerzahl, die höchste Dichte an Überwachungskameras aufwies. Damals waren es bereits über 600. Inzwischen verfügt Nizza über die doppelte Anzahl an Kameras.

Dass es Nizza jetzt getroffen hat, ist nicht überraschend

Auch der Zeitpunkt des Anschlags ist nicht sonderlich überraschend. In den vergangenen Monaten war es in Nizza immer wieder zu kleineren Vorfällen gekommen. Auch Warnungen vor möglichen Anschlägen waren laut HuffPost France eingegangen.

Am 3. Februar diesen Jahres attackierte ein junger Mann drei Soldaten vor einem jüdischen Gemeindezentrum mit einem Messer. Die drei Männer wurden verletzt.

Der Vorfall geschah im Zentrum der Stadt, nur wenige Meter von der Promenade des Anglais entfernt, dem Anschlagsziel des LKW-Fahrers von Donnerstagnacht.

Der damalige Täter stammte aus dem Großraum Paris und war der Polizei unter anderem wegen Gewalttaten und schweren Diebstahls bekannt - dasselbe gilt für den Attentäter von der Nacht des 14. Juli.

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(sma)