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"Wir müssen lernen, mit dem Terror zu leben": So reagiert die Welt auf den Anschlag von Nizza

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"Unfassbarer Schmerz": So reagiert die Welt auf den Anschlag von Nizza | Sergei Savostyanov via Getty Images
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Am Morgen nach der Attacke in Nizza, bei der ein LKW in eine Menschenmenge raste, steht die Welt unter Schock. Politiker auf der ganzen Welt sind entsetzt - auch in Deutschland.

Die wichtigsten Reaktionen:

"Deutschland steht im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Frankreichs", versprach Kanzlerin Angela Merkel. Eine knappe Mitteilung. Aber eine wichtige Versicherung.

Bestürzung überall. Vor allem in Frankreich.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls hat eine dreitätige Staatstrauer angekündigt, die am Samstag beginnen soll. Er sagte, Frankreich werde sich von Terror nicht destabilisieren lassen. Und: "Die Zeiten haben sich geändert und wir sollten lernen, mit Terrorismus zu leben."

Auch der französische Wirtschaftsminister zeigt sich bestürzt: "Von ganzem Herzen bei den Opfern und ihren Angehörigen nach der niederträchtigen Attacke in Nizza. Wir werden nicht nachgeben. Mut.", schreibt Emmanuel Macron auf Twitter.

Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, äußert sich auf Twitter: "Im Namen der Pariser geht unsere ganze brüderliche Unterstützung an die Menschen in Nizza. Unsere Städte sind vereint."

Auch der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy äußerte sich auf Twitter zu dem Anschlag: "Tiefes Mitgefühl und unendliche Traurigkeit angesichts der Attacke in Nizza. Solidarität gegenüber den Bewohnern von Nizza und den Einwohnern (des Departements) Alpes-Maritimes".

Bundespräsident Gauck: "Ein Angriff auf Frankreich ist ein Angriff auf die freie Welt."

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck verurteilt den Anschlag: "Der 14. Juli, der Tag an dem Frankreich seinen Nationalfeiertag begeht, steht für die Werte der Französischen Revolution, die auch unsere Werte sind. Ein Angriff auf Frankreich ist deshalb ein Angriff auf die gesamte freie Welt."

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich auf Twitter ebenfalls zu dem Anschlag: "Das Entsetzen über den Anschlag von Nizza ist kaum in Worte zu fassen. Alle Gedanken sind bei unseren französischen Freunden".

So auch SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel: "Es sind furchtbare Bilder, die uns aus Nizza erreichen. Unsere Gedanken sind bei den Freunden und Angehörigen".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier ließ über das Auswärtige Amt sein Beileid ausrichten: "Ein Tag, der der Freude und dem Stolz auf die französische Nation gewidmet war, ist tragisch zu Ende gegangen und hat viele Menschen sinnlos in den Tod gerissen. Friedlich feiernde Menschen mussten sterben oder ringen ums Überleben. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und dem ganzen französischen Volk. Wir trauern mit Frankreich? und stehen in diesen schweren Momenten fest an seiner Seite".

Bestürzung auch bei Grünen-Politiker Dieter Janecek im Gespräch mit der Huffington Post: "Ich fühle mit Frankreich und den Opfern. Schrecklich, was dieses Land ertragen muss. Bislang ist es noch unklar, ob es sich wirklich um einen geplanten Terrorakt gehandelt hat. Deshalb verbieten sich wilde Spekulationen. Das spielt nur den nach Aufmerksamkeit gierenden Terrororganisationen in die Hände".

Der innenpolitische Sprecher der Union, Stephan Mayer, hat Konsequenzen aus dem Anschlag in Nizza gefordert. "Er zeigt die brutale und gemeine Fratze des islamistischen Extremismus und Terrorismus", sagte er der Huffington Post. "Der internationale Kampf gegen den islamistischen Terrorismus muss intensiviert werden. Das trifft insbesondere auch für die Verbesserung des Datenaustausches zwischen den Sicherheitsbehörden zu", sagte der CSU-Politiker. Er nannte den Anschlag "menschenverachtend und barbarisch".

Grünen-Politikerin Claudia Roth spricht den Angehörigen ihr Beileid aus und warnt: "Dieser Terror trifft uns alle. Dieser Terror macht keinen Unterschied, er richtet sich gegen jede Nationalität, jede Religion, jede Hautfarbe, gegen jedes Alter. Dieser Terror will Europa spalten, er will unsere Gesellschaften spalten. Die richtige Antwort auf diese Gewalt kann deswegen nur unser unbedingter Wille zu einem friedlichen Zusammenleben, zu inklusiven und solidarischen Gesellschaften, zur Freiheit, zur Toleranz, zum Respekt und zur Vielfalt sein. Liebe ist stärker als Hass, Hoffnung stärker als Angst.“

AfD wirft Grünen "Betroffenheitsphrasen" vor"

Die AfD rechnet angesichts des Anschlags mit der aus ihrer Sicht zu laschen Sicherheitspolitik der Bundesregierung ab. „Die Bundesregierung muss den Kampf gegen den Terrorismus, den sie bei jedem Anschlag vollmundig ankündigt, endlich auch einmal beginnen“, sagt Steffen Möller, Sprecher des Thüringer Landesverbands der Partei im Gespräch mit der Huffington Post.

Das bedeute „in erster Linie, dass die Grenzen unseres Landes gesichert werden, um unser Land vor potentiellen islamistischen Terroristen zu schützen.“ Zwar ist noch nicht geklärt, ob es sich um ein islamistisch motiviertes Massaker handelt, doch für Möller ist klar: Deutschland müsse „endlich Schluss mit der Toleranz des Islamismus machen“. Diese Ideologie sei „die Grundlage aller Terrorakte im Namen des Islams“. Sie müsse „bekämpft werden, statt sie unter den Schutz der Religionsfreiheit zu stellen“.

Möller attackiert auch die Opposition: "Wenn ausgerechnet die Grünen nun ihre Betroffenheitsphrasen routiniert abspulen, kann man das nur als verlogen bezeichnen". Und weiter: "Die grüne Multikulti-Ideologie der offenen Grenzen ist ein wichtiger Baustein für den islamistischen Terrorismus in Europa."

Dass Terroristen "die nicht vorhandene Einwanderungskontrolle in Deutschland nutzen, um Terroranschläge in Europa zu begehen", sei längst bekannt. "Durch ihren Widerstand gegen die Erweiterung sicherer Drittstaaten sind die Grünen politisch mitverantwortlich für die Handlungsunfähigkeit unseres Landes beim Kampf gegen den Terrorismus", so Möller.

US-Präsident Obama: "Ich war heute selbst in Frankreich"

US-Präsident Barack Obama sagte in einer Mitteilung die Unterstützung für Frankreich zu: "Wir stehen in Solidarität und Partnerschaft an der Seite Frankreichs, unseres ältesten Alliierten. ... Wir wissen, dass das Wesen der französischen Republik lange über diesen verheerenden und tragischen Verlust von Leben hinaus andauern wird."

Und weiter: "Ich war stolz, heute neben führenden Persönlichkeiten aus Frankreich bei den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Paris zu stehen, und die Vereinigten Staaten werden weiterhin fest an der Seite der Franzosen während dieser tragischen Zeit stehen. Wir werden jede Unterstützung liefern, die benötigt wird."

mit Material von dpa

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