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Geschmacklos: Pokémon-Go-Spieler suchen sogar am Holocaust-Mahnmal nach Monstern

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  • Pokémon-Go-Spieler suchen an Holocaust-Gedenkstätten nach Monstern
  • In Deutschland und den USA sind die Spieler damit aufgefallen
  • Die zuständigen Verwaltungen wollen das sofort beenden

Das Augmented-Reality Spiel Pokémon Go hat weltweit einen Hype ausgelöst. Überall suchen die Spieler mit dem Smartphone in der Hand nach virtuellen Monstern. Wirklich überall.

Sogar an Orten, die dem Gedenken an die Opfer des Holocaust gewidmet sind.

Pokémon-Go-Spieler am Holocaust-Denkmal in Berlin

Die Verantwortlichen für die Holocaust-Denkmalstiftung in Berlin sind empört. Auf Anfrage der Huffington Post sagte Sarah Friedrich von der Denkmalstiftung Europas für ermordete Juden, es sei bereits vorgekommen, dass Pokémon-Go-Spieler beim Mahnmal nach Pokémon gesucht hätten.

„Wir haben unsere Sicherheitskräfte benachrichtigt, den Leuten das Suchen nach Pokemon beim Mahnmal zu untersagen", sagte Friedrich. Außerdem habe sie beim Entwickler Niantic Labs eine Beschwerde eingereicht.

Pokémon-Jagd auf dem Friedhof

Auch in den USA haben Pokémon-Go-Fans das Spiel an Gedenkstätten genutzt. Auch dort wehren sich die Verwaltungen gegen das unangebrachte Verhalten.

Auf Twitter forderten die Verantwortlichen für den Arlington-Militärfriedhof in Virginia die Besucher auf, das Spielen von Pokémon Go auf dem Gelände zu unterlassen.

Angeblich Gas-Pokémon in Holocaust-Museum aufgetaucht

Auch ein Sprecher des Holocaust-Museums in Washington, Andrew Hollinger, beschwerte sich über pietätlose Spieler. Dem US-Sender NPR sagte er: "Technik kann ein wichtiges Lerninstrument sein, aber dieses Spiel trägt wirklich nicht dazu bei, unseren Erziehungs- und Erinnerungsauftrag zu erfüllen."

Die Handynutzung im Museum wolle man jedenfalls nicht einschränken, weil das Museum Apps in sein Konzept einbezogen hat. Die Besucher erhalten an Ort und Stelle Informationen über die Gräuel der Nazis.

Im Netz kursiert auch ein besonders widerwärtiges Beispiel für die Pokémon-Jagd, dessen Echtheit sich derzeit nicht unabhängig überprüfen lässt: Ein User postete den Screenshot eines Pokémon, das er im Holocaust-Museum gefangen haben will. Es handelte sich um ein Gas-Monster.


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Die Suche von Pokemon kennt offenbar keine Grenzen – im Internet kursieren auch Bilder von Spielern bei Beerdigungen, beim Autofahren oder bei Demonstrationen. Manchmal kann man als Betrachter nur hoffen, dass es sich dabei um eine Bildmontage handelt.

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(sk)